Dieser Prozeß verläuft ganz regelmäßig so, daß jeweils im Unterlauf in den Gruben und Vertiefungen größere oder kleinere Tümpel zurückbleiben, die allmählich eintrocknen, so daß man auch ihnen immer höher hinauf nachsteigen muß.
Das tut der Naturforscher gern und oft; denn in den Schluchten ist der Zufluchtsort für eine mannigfaltige Tierwelt, welche schon zu gewöhnlicher Zeit dort Schlupfwinkel und Höhlen leichter und mehr findet, als draußen auf dem kahlen Hügel. Dazu ist es hier auch im heißen Sommer immer feucht und kühl und wie die Pflanzen, so flüchten sich auch viele Tiere aus dem grellen Sonnenbrand in den kühlen Schatten der Schluchten. Wie ich das schon vom Buchenwald auf der Plaguša Planina beschrieb, so stellen auch die Schluchten einen Zufluchtsort für viele Tiere dar.
Man treibt beim Klettern in den Schluchten nicht nur Ratten und Mäuse, sondern auch Marder, Füchse, Dachse und den großen mazedonischen Hasen auf. Ratternd fliegen Steinhühner (Alectoruis graeca graeca Meicen.) vor unseren Schritten davon. Ammern, Nachtigallen, allerhand kleine Vögel beleben die Büsche der Schluchten. Schlangen und Eidechsen sind an den Schluchtwänden häufig. Nicht selten halten sich hier die Landschildkröten Testudo graeca L. und T. ibera Pall. auf.
Viele Tiere kommen an die Tümpel zum Trinken. Das kann man vor allem in den frühen Morgenstunden und gegen Abend beobachten. Für manche Insekten, so für Schmetterlinge, mag auch die Windstille in der Tiefe der Schluchten verlockend sein.
Vor allen Dingen interessant ist aber die Tierwelt des Baches, welche hauptsächlich seine Becken und Tümpel bewohnt. An ihr ist manche interessante Beobachtung zu machen, und es hatte einen großen Reiz, sie im Verlauf eines Jahres zu verfolgen. Darum gehörten die Schluchten bei Kaluckova zu den Gegenden, welche ich in Abständen regelmäßig während aller Jahreszeiten besuchte, um die Schicksale ihrer Tierwelt zu verfolgen.
Im Winter zur wirklich kalten Zeit war sie nicht allzu reich. Die Wassertiere wurden gar zu leicht mit den Wasserstürzen nach Regengüssen hinabgerissen und kamen um, irgendwo auf Sand und Geröll vom abfließenden Wasser zurückgelassen. So kamen denn Fische in den Schluchtbächen selten vor und dann nur in den großen Gumpen, die nicht ganz ausgeschwemmt werden konnten. Selten fand ich da einmal kleine Barben (Barbus plebejus Val.); in der Kaluckovaschlucht habe ich allerdings niemals Fische gesehen.
Um so zahlreicher waren die Amphibien vertreten, von denen mehrere Formen in den Schluchten lebten und in den Tümpeln laichten.
Der kleine graue Frosch (L) Rana graeca Blgr. mit seinem braungefleckten, hellen Bauch war schon früh beim Laichen. Auch der große Frosch Mazedoniens (Rana ridibunda Pall.) legte im Schluchtbach seine Eier ab, aber erst im Mai, während der erstere dann schon in stattlichen Larven vertreten war. Noch später war die sehr häufige Unke (Bombinator pachypus Blgr.) mit der Fortpflanzung dran; sie laichte erst im Juli. Noch Mitte Juli fand ich Unken bei Kaluckova beim Eierlegen.
Ganz außerordentlich reich war in den Schluchten die Insektenwelt. Sie bestand zum Teil aus Formen, welche hier die Blüten aufsuchten, während draußen auf den Hügeln alles schon verdorrt war. So schwebten zahlreiche Schmetterlinge über den Stellen der Schlucht, wo die oben gekennzeichnete üppige Vegetation sich entwickelt hatte. Hier war es vor allem, daß man, wie in der Nähe der Dörfer, die gewöhnlichsten deutschen Schmetterlinge antraf, den großen und kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge, das weiße C, dazu die Weißlinge; unter den 4-5 mitteleuropäischen Arten allerdings manchmal etwas Besonderes, so Pieris manni Mayr.; daß der Distelfalter, der häufigste Tagschmetterling Mazedoniens, nicht fehlte, braucht kaum betont zu werden. Von vielen Formen sah man im Verlauf des Sommers zwei Generationen, die als Frühlings- und Sommergeneration nach Farbe und Größe zu unterscheiden waren, so z. B. von Colias croceus Faure, der dort fliegenden Form der goldenen Acht.
Von den drei Arten von Scheckenfaltern (Melitaea phoebe. M. trivia und M. didyma) war das Vorkommen des letzteren besonders interessant, da er hier in der südlichen Form flog, während im Gebirge bei Gopes die nördliche Form lebte. Außerdem ist die Tatsache bemerkenswert, daß von Melitaea trivia und didyma die zweite Generation auffallend klein ist. Unter den Augenfaltern der Gattung Satyrus fiel S. statilinus Hafn. auf, noch mehr S. fatua Frg., die erst vor kurzem in Europa aufgefunden wurde ([Abb. 24], [S. 46]). Von den zahlreichen Bläulingen hebe ich Cyaniris argiolus L. hervor. Im Hochsommer drangen um die Blumen die Taubenschwänzchen (Macroglossa croatica) und die auch bei uns so häufige Macroglossa stellatarum. Beide flogen im Herbst massenhaft in die Häuser. Ich habe hier etwas mehr von Schmetterlingen berichtet, da sie auf interessante Gesetzmäßigkeiten der Tiergeographie aufmerksam machen.