Auch an Käfern waren die Schluchten sehr reich. Schöne Böcke saßen auf den Doldenpflanzen, so der metallischglänzende Moschusbock (Aromia moschata L.), die kleine, rotschwarz gefleckte Leptura cordigera Finly, die zierlichen Widderböcke (Clytus ornatus Hbst., Cl. rhamni Germ., Cl. floralis Pall.). Von den großen Bockkäfern waren besonders auffallend Aulacopus sericollis Motsch und Prionus persicus Recht. Ein eigenartig gelblich behaarter Käfer mit weißen Flecken, der massenhaft vorkam, nennt sich Epicometes hirtella L. Auch hier wie überall am Wasser gab es die schönen, wie Edelsteine glänzenden Blattkäfer (Chrysomeliden). Dazu Melosoma populi (L.) Clythra elata Fabr. und Cl. traphaxides Pall. Von Rüsselkäfern möchte ich nur die rotfleckigen Rhynchita hungarica Hel. und den schimmerden Rhynchites auratus Les. erwähnen. An den Kräutern fand sich im Mai vielfach ein speichelähnlicher Schaum, wie er bei uns als „Kuckucksspeichel‟ bekannt ist; auch hier fand sich in ihm die Larve einer Zikade aus der Gruppe der Schaumzikaden, ähnlich unserer Aphrophora spumaria L.

Damit gebe ich nur eine kleine Auslese aus der Insektenwelt der Balkanschluchten. Schwebfliegen, solitäre Bienen, bunte Wanzen, Heuschrecken wären noch anzuführen. Eine große Rolle spielten die Libellen, deren es zahlreiche Arten gab. Ganze Schwärme von Eintagsfliegen tauchten gelegentlich auf.

Sehr reich und charakteristisch war die niedere Tierwelt im Wasser. Auf den stillen Tümpeln blinkten die Taumelkäfer, ihre raschen Kreise ziehend. Zwischen ihnen bewegten sich langbeinige Wasserläufer und flinke Rückenschwimmer. Unter dem Wasser war das Leben nicht weniger reich. Da schwammen allerhand Wasserkäfer, große und kleine, Verwandte unseres Gelbrands, auch Kolbenwasserkäfer, und jagten auf allerhand Beute. Auch die war reichlich vorhanden, nicht nur in Kaulquappen, sondern auch in den Larven von Insekten, deren fertige Zustände über dem Bach in der Luft flogen. Larven von Libellen und Eintagsfliegen, solche der Köcherfliegen gab es in Menge. Von letzteren hatte eine Form Gehäuse aus kleinen Steinen gebaut, welche am Grund mit der Öffnung bachaufwärts angeklebt waren. An den Steinen festgewachsen oder in großen grünen Algenpolstern fanden sich die eigentümlichen Larven der Kriebelmücken (Simuliiden) und solche von Chironomiden.

Für mich erwies sich als besonders interessant, daß in dem fließenden Wasser der Schluchtbäche sich Larven einer der Malariamücken fanden; bisher hatte man angenommen, daß diese niemals in fließendem Wasser vorkommen. Ich fand aber hier in Mengen die Larven von Anopheles superpictus Gr.; auch sonst gab es in den Schluchtbächen reichlich Stechmückenlarven von Culex und Anopheles-Arten, diese allerdings nur in den Tümpeln mit stehendem Wasser. Über diese und ihre Bedeutung für den Menschen ist näheres in einem späteren Kapitel über Klima und Seuchen zu finden ([Kap. 28]).

Ein Bewohner der Schluchten im südlichen Mazedonien erregte mein besonderes Interesse, und so will ich über dies Tier einiges berichten. Es war eine Süßwasserkrabbe, die den Namen Potamon fluviatilis var. edule Latr. führt; in der älteren Literatur war sie Telphusa fluviatilis benannt. Dieser Taschenkrebs kam in vielen Exemplaren von sehr verschiedener Größe, vor allem in den tieferen Tümpeln der Schluchtbäche vor. Selten fand ich ihn im selben Bach mit Flußkrebsen; doch kommt so etwas gelegentlich vor.

Im Anfang des Jahres traf ich nur große und mittelgroße Individuen an; diese mußten 2-4 Jahre alt sein. Ihr schildförmiger Rücken maß an der breitesten Stelle 5 cm. Die Grundfarbe des Körpers war ein fahles Gelb, welches durch rotbraune Flecken in den meisten Regionen des Körpers überdeckt war.

Auffallend war das Überwiegen der Männchen; auf ein Weibchen mit breitem Hinterleib kamen jedesmal mehrere Männchen, die leicht an ihrem schmalen, dreieckigen Hinterleib zu erkennen waren. Ende Mai waren bei den Weibchen die Eier in den Eierstöcken noch nicht zur vollen Größe herangewachsen. Anfang Juni sah man Männchen und Weibchen sich aneinander klammern. Da fand offenbar die Begattung statt. Am 20. Juli fand ich ein Weibchen mit einigen Eiern am Hinterleib, andere mit etwa 100 Eiern. In diesen Tagen waren auch solche mit den verschiedensten Entwicklungsstadien der Jungen zu finden.

Abb. 102. Süßwasserkrabbe (Potamon fluriatilis var. edule Latr.) von oben gesehen. Nat. Gr.

Bei den Weibchen mit reichlich Eiern steht der breite Hinterleib vom Körper ab und der Zwischenraum ist durch stark verbreiterte Hinterleibsfüße ausgefüllt. So ist eine umfangreiche Bruthöhle gebildet. Die etwa 2 mm im Durchmesser erreichenden Eier hängen in ihr an Haaren der Abdominalfüße. In der Bruthöhle unter dem Körper machen die jungen Süßwasserkrabben ihre ganze Entwicklung bis zum fertigen kleinen Tier durch.