Ich hielt eine ganze Anzahl der Krabben in Eimern im Laboratorium, um sie zu beobachten. Wie im Freien saßen sie auch hier gern im dunkelsten Winkel ihres Behälters. In den Tümpeln hielten sie sich besonders unter überhängenden Steinen auf, wobei sie stets sich mit dem Hinterrand ihres Panzers anlehnten. Es scheint dies auf einer thigmotaktischen Reizbarkeit zu beruhen; in den Gefäßen, in denen ich sie hielt, saßen sie immer am Boden und drückten sich an die Wand; waren viele in einem Eimer, so saßen sie im Kreis herum, mit dem Vorderrande und den Scheren nach innen gerichtet, was ein sehr possierlicher Anblick war.
Eigenartig sehen diese Tiere aus, wenn sie mit ihren 10 Beinen sich bewegen. Das vorderste Beinpaar trägt die Scheren, welche breit und kräftig sind und sehr schmerzhaft kneifen können. Sie sind die Verteidigungswaffen der Taschenkrebse. Sie stützen sich nur selten bei Bewegungen auf sie. Meist strecken sie sie vor sich. Naht irgendwie eine Gefahr, so nehmen die Tiere eine Bereitschaftsstellung ein, bei der sie die vier hinteren Beinpaare spreizen, den Körper nach vorn aufrichten und die Scheren nach vorn und in die Höhe recken und öffnen. Kommt man ihnen näher, so kneifen sie heftig zu. Mit den Scheren fassen sie auch ihre Nahrung und führen sie zum Munde. Allen möglichen Tieren in ihrem Wohngebiet sind sie gefährlich. Oft sah ich sie Insektenlarven fressen. Auch tote Tiere nehmen sie gern an und an die Leichen ihrer Kameraden machten sie sich ohne weiteres. In der Freiheit sah man sie blitzschnell im Seitwärtsgang auf dem Boden des Wassers herumhuschen. Gelegentlich liefen sie auch auf den Felsen auf dem Trocknen.
Beim Seitwärtslaufen heben sie die vorausgehende Schere hoch und setzen die Beine der beiden Seiten gleichzeitig vor, wobei ganz regelmäßig das zweite Bein mit der Bewegung anfängt, dann das dritte, vierte und fünfte in der Reihenfolge sich anschließen. Im Wasser sind sie bei ihrer Flinkheit gar nicht leicht zu fangen, gern schlüpfen sie in Spalten und Löcher, in denen sie sich fest an die Wände anschmiegen.
Wenn die Jungen aus den Eihüllen ausgekrochen sind, hängen sie noch lange am Hinterleib der Mutter. Sie wachsen zu Ebenbildern ihrer Eltern heran, sind aber zunächst noch wenig pigmentiert und sehen dann ganz hell, blaßgelb aus. Allmählich werden sie dunkler und lösen sich dann von den Hinterleibsfüßen der Mutter los und laufen auf deren ganzen Körper umher. Anfangs haben sie aber die Neigung, immer wieder in den Schutz der Bruthöhle zurückzukehren. Da klammern sie sich mit den Hinterbeinen am Körper der Mutter und aneinander fest.
Nimmt man sie im hellgelben Zustand aus der Bruthöhle heraus und setzt sie zur Beobachtung in eine Glasschale, so nehmen sie gleich schon Nahrung an; auch gehen sie prompt zur Bereitschaftsstellung über, kneifen mit den Scheren und benehmen sich wie Erwachsene.
Diese kleinen Tiere wurden allmählich dunkler, die Pigmentierung fand also auch im Versuchsgefäß statt. Fressen tun sie, was von Tierkörpern man ihnen anbietet; auch ihre eigenen toten Brüder.
Draußen in den Schluchten wimmelte es zu dieser Zeit von der kleinen Krabbenbrut. Im Hochsommer verschwanden Alte und Junge, auch im Winter konnte ich sie nicht auffinden. In diesen ungüstigen Zeiten sind sie wohl in einem Ruhezustand in Spalten der Felsen oder unter Steinen.
Von niederen Tieren fand ich in den Schluchttümpeln Strudelwürmer (Planarien) von interessantem Bau und Blutegel. Im Boden der kleinen Wiesen und Rasen die seltenen Regenwürmer. Über die Planarien berichtet mir Dr. Steinmann, der ihre Bearbeitung übernommen hat, daß bei der Ausbeute sich eine ganze Anzahl der merkwürdigen polypharyngealen Strudelwürmer befindet, der Formen mit mehreren Mundöffnungen und Schlünden. Man rechnet sie meist zu der Art Planaria montenegrina Mrazek. Deren Vorkommen in Mazedonien wäre damit festgestellt. Doch glaubt Dr. Steinmann, daß es sich bei diesen südlichen Formen um Varitäten der Planaria alpina handelt. Diese und wahrscheinlich neue Arten aus meiner Ausbeute sollen in der definitiven Bearbeitung zur Darstellung kommen.
Bemerkenswert ist die Beobachtung, daß ich diese polypharyngealen Planarien in Mineralquellen fand, so in dem Bach, welcher im Bereich des Lazaretts Rabrovo entsprang, dicht hinter der Quelle. Das Wasser dieses Baches enthielt Kohlensäure, Eisen und wohl etwas Schwefel und zeigte während des ganzen Jahres eine konstante Temperatur von 20° C.
So stellen die Balkanschluchten biologisch eine eigenartige Lebensgemeinschaft von Pflanzen- und Tierarten dar, deren Verkettung miteinander und Abhängigkeit voneinander eine eingehendere Untersuchung verdiente.