Anders stellte sich die Vogelwelt in dem sumpfigen Gebiet des Kosludere und im Gebiet der Wardarebene bei Mravinca dar. Da gab es viel Wasser und damit viele Bachstelzen und die gelbfederigen Schafstelzen (Budytes flavus flavus L. und B. flavus feldeggi Michah.). Ein Flußregenpfeifer (Charadrius dubius curonicus Gm.) und ein Teichhuhn (Gallinula chloropus L.) wurden dort erbeutet. Dort gab es auf den Feldern Wachteln (Coturnix coturnix L.). Auch ein Fischadler (Pandion haliaëtus L.) fiel uns dort in die Hände.

Abb. 108. Thais cerisi ferdinandi Stichel. Nat. Gr.

Nicht weniger von südlichen und östlichen Bestandteilen durchsetzt war die sonstige Tierwelt. Anfang und Mitte Mai trat ein schöner auffallender Schmetterling in großen Mengen auf. Es war Thais cerisi ferdinandi Stich., ein bunter Falter, mit dem Apollo verwandt, der in der ganzen Wardargegend, vor allem in den Felsschluchten, plötzlich erschien, um nach 8-10 Tagen ebenso plötzlich wieder zu verschwinden ([Abb. 108]). Besonders bei Demirkapu flog dieser Schmetterling in der sonnendurchstrahlten Schlucht in Wolken von hunderten von Exemplaren. Auch die verwandte Form Thais polyxenor Schiff. fanden wir in der Gegend.

Auf Ameisen achtete ich hier besonders aufmerksam und fand eine Anzahl interessanter Arten. Alle drei Formen der Körnerameisen aus der Gattung Messor kamen hier vor und viele der Beobachtungen, die im elften Kapitel niedergelegt sind, wurden im Hain Mamre gemacht.

Überall am Rande des Hains fanden sich die Kraternester und die Straßen dieser auffälligen Ameisen. Auf den Hügeln der Umgebung, besonders am Zwieselberg, gab es viele Nester der goldgelben Ameise Pheidole pallidula Nyl., der einzigen europäischen Form, welche echte Soldaten als besondere Kaste besitzt. Dort gab es unter Steinen auch Nester von Tapinoma erraticum Först. und Cremastogaster sordidula Nyl. var. flachi For. Einmal fand ich eine Kolonie der letzteren Art unter einem Stein neben einer solchen von Tetramorium caespitum L. Sie lebten ganz friedlich nebeneinander, und als ich sie zusammen in ein künstliches Nest brachte, begannen sie ein gemeinsames Leben, als hätten sie immer zusammengehört.

Tetramorium caespitum L. kam als Hausameise im Hain selbst viel vor und drang auch in die Baracken ein. In unseren und den anderen Hainen der Gegend gab es viele Baumameisen aus der Gattung Camponotus. Die alten Stämme waren zum Teil morsch und von den Bauten der Ameisen durchsetzt. Oft aber hausten sie auch in ganz gesunden Stämmen und hatten ihre Nester in irgendeinem Ast der Krone. So beobachtete ich einmal eine stark begangene Straße der schwarzrot gefärbten, großen Camponotus (Orthonotomyrmex) lateralis Oliv., welche zu einer hohen alten Ulme führte. Die Straße setzte sich auf den Stamm der Ulme fort und führte bis in die Krone, wo das Nest sich befinden mußte; denn die Ameisen stiegen beladen hinauf und kamen leer herunter. Beim Anstieg trugen sie Erdklümpchen, die offenbar oben zum Bau dienten. Viele von ihnen hatten auch Blattläuse zwischen den Kiefern, die oben wohl weiter gezüchtet werden sollten.

Eine besonders interessante Entdeckung durfte ich in der Umgebung machen. Schon im Jahre 1917 hatte ich eifrig auf meinen Reisen nach Termiten gesucht. Diese sogenannten weißen Ameisen der Tropen kommen in Südeuropa in zwei Arten vor, welche ich schon aus Italien kannte. In Mazedonien waren sie noch nicht nachgewiesen.

So erregte es denn mein höchstes Interesse, als ein junger Offizier, der beim Stab eingeladen war, mir eines Abends erzählte, dicht bei seinem Quartier seien vor einigen Tagen aus einem Erdloch zahlreiche Insekten mit vier zartgeäderten Flügeln, die wie kleine Libellen aussahen, herausgekrochen. Als er sie mir zeigte, waren es Geschlechtstiere einer Termitenart.

Ich verabredete einen Besuch bei ihm und fuhr zu ihm auf den Furkapaß hinauf. Das war die mir schon von den Fahrten zum Doiransee bekannte Paßstraße, welche in Dedeli begann. Auf dieser Straße war immer ein ungeheurer Verkehr, bei trocknem Wetter schwebte eine dichte Staubwolke über ihr. Lastautos, Geschütze, Munitionskolonnen rollten unablässig über sie zum Doiransee, nach Cerniste und Bogdanci. Wagen folgte hinter Wagen, meist Ochsen- und Büffelgespanne. Bulgarische Soldaten marschierten schweißtriefend und staubbedeckt an meinem Wagen vorbei. Große Herden freilaufender Pferde, Esel, Maultiere, Ochsen und Büffel wurden auf der Straße getrieben. Es war eine Erlösung, als ich seitlich zu dem Quartier abbiegen konnte, welches ich besuchen wollte. Es lag am Berg an einer der kleinen Bachschluchten, welche auch hier in großen Mengen das Gelände durchzogen. Hier herrschten merkwürdig bunte Gesteine vor, so daß die Landschaft einen ganz eigenartigen Charakter besaß. Die obersten Schichten waren spangrüner Serpentin, darunter lag gelber und grauer Diabas; noch tiefer kam dunkelroter Sandstein, der besonders in den feuchten Schluchten fast schwarzrot erschien. Zwischen dem Sandstein zogen sich weiße, schmale Kalkbänder hin.