Weiter oben am Paß, nicht weit vom Dorf Furka, boten lehmige Schichten charakteristische Erosionsbilder. Das geschichtete Gestein war durch eine Menge von Miniaturschluchten gleichmäßig durchfurcht. Man konnte die Arbeit der atmosphärischen Kräfte in allen ihren Phasen verfolgen. Und dabei waren Gebilde entstanden, welche auffallend den berühmten Erdpyramiden bei Bozen glichen und ähnlichen Vorgängen wie dort ihre Entstehung verdanken. Die hier eingefügte Abbildung zeigt das eigenartige Bild, das diese Formation darbot ([Abb. 109]).

Abb. 109. Erosion mit Pyramidenbildung am Furkapaß. Doiranfront.

Es ist geeignet, die Gesetzmäßigkeiten zu erläutern, welche im vorigen Kapitel dargestellt wurden. In besonders eindringlicher Weise macht es ein für Mazedonien typisches Landschaftsbild verständlich.

Die Schlucht, an der das Quartier des Leutnants Förster lag, war tief und eng. Einige Bäume standen an ihren Hängen, reichliches Buschwerk wuchs dazwischen. An den Wurzeln einer Esche fanden wir nach langem, vergeblichen Graben endlich das erwartete Termitennest. Es war die eine der südeuropäischen Termitenarten, welche hier wohnte (Calotermes flavicollis Fabr.). Wir gruben lang und tief, ohne Geschlechtstiere zu finden. Es war eine relativ große Kolonie und sie mußte Geschlechtstiere enthalten. Sie lebte in den morschen Wurzeln des Baumes, in diesen ihre Gänge bauend. Die Wurzeln erstreckten sich tief in die Wand der Schlucht und wir mußten schließlich das Graben aufgeben, als die ganze Wand der Schlucht nachzustürzen drohte.

Immerhin hatte ich eine größere Anzahl Tiere in meinen Fanggläsern; es waren darunter auch junge Larven, und so konnte ich hoffen, alle Stadien zu züchten. Zur Zeit, da ich dies niederschreibe, im März 1920, also fast 2 Jahre, nachdem ich die Tiere am Furkapaß mitnahm, ist dies gelungen. Die Kolonie lebt noch in meinem Institut in Breslau fern ihrer Heimat, und ich hoffe manches interessante Resultat durch ihre Beobachtung zu erzielen. Hier ist nicht der Ort, davon eingehender zu berichten.

Abb. 110. Soldat und Arbeiterstadien von Calotermes flavicornis Fabr.

Auch von den Spinnen gilt das, was ich für andere Tiergruppen über das Vorkommen besonderer Arten schrieb. Eine ganze Anzahl der Spinnenformen, welche im 19. Kapitel beschrieben sind, fand ich in der Gegend des Hains Mamre. So vor allem die abenteuerliche Walzenspinne Galeodes graecus C. L. Koch.

In die Zeit meines Aufenthalts im Hain Mamre fielen auch eine Fahrt nach Strumiza und zwei Ausflüge in das Gebirge nördlich des Doiransees, die Belasiza Planina. Strumiza liegt jenseits der Plaguša Planina im Tal des Flüßchens Strumiza, welches der Struma zufließt. Die Fahrt führt über mehrere Pässe und bot mir Gelegenheit, nicht fern von der Stadt Strumiza einen Kiefernwald kennen zu lernen. Einige Hügel und ein tief eingeschnittenes, Mitte Mai trocken liegendes Tal waren der Standort dieses lichten Walds. Die Kiefern (Pinus nigra Arn.) waren nur 10-15 m hoch, knorrige, dunkle Stämme mit sehr dunkelgrünen Nadeln ([Abb. 111]). In diesem Wald fand ich eine ganze Anzahl Ameisenarten, vor allen der Gattung Camponotus und allerhand interessante Spinnen. Es war ein trüber Tag, so daß sonst wenig Insekten unterwegs waren.