[55] Quintilian, inst. or, I 1, 25: Quae causa est praecipientibus, ut etiam, com satis affixisse eas pueris recto illo quo primum scribi solent contextu videntur, retroagant cursus et varia permutatione turbent, donec litteras qui instituuntur facie norint, non ordine. Hieronymus in Jerem. 25, 26, Migne PL 24, 838 = p. 311 Reiter 1913. Ferner in Brief 107 an Laeta über die Erziehung ihrer Tochter II p. 294 Hilberg: Et non solum ordinem teneat literarum et memoria nominum in canticum transeat; sed ipse inter se crebro ordo turbetur, et mediis ultima, primis media misceantur, ut eas non sono tantum, sed et visu noverit. Dieterich, Rhein. Mus. 56 (1901) S. 99. Solche Schulübungen stehen auf einem Ostrakon im Brit. Museum, einem Säulenstück aus Sparta, Papyrus aus Hermupolis, vgl. Milne, Journ. hell. stud. 28 (1908) p. 121 nr. 1; Annual of the brit. school of Athens XII 476; Wessely, Studien zur Paläogr. und Papyruskunde II (1902) p. XLV nr. 2; Ziebarth, Aus der antiken Schule², Kleine Texte Nr. 65, Bonn 1913 S. 1 ff.
[56] Über Anklänge an gewisse Bräuche beim Verwandtschaftsschließen in diesem Kapitel Adolf Jacoby, Archiv für Religionswissenschaft 13 (1910) S. 549 ff.
[57] Der sich m. E. am besten erklärt, wenn man ihn mit dem Kommentar von Hitzig darauf bezieht, daß in einem Krieg ein siegreicher Feind durch das Geschrei von Säuglingen sich zur Milde hatte stimmen lassen, vgl. etwa 1 Sam. 30, 2.
[58] Migne PL 131, 851: Quid autem per alphabetum nisi initia et rudimenta doctrinae sacrae intelligi convenit? offenbar in Anlehnung an den Hebräerbrief 5, 12: τὰ στοιχεῖα τῆς ἀρχῆς τῶν λογίων τοῦ ϑεοῦ. Diese Erklärung ist übernommen von de Rossi, Bullettino di archeologia cristiana 1881 p. 135 und von Leclerq bei Cabrol, Dictionnaire d’archéologie chrétienne et de liturgie, Paris 1907 s. v. Abécédaire Sp. 56.
[59] Aelius Spartian, vita Didii Iuliani VII 10. Über ϰατοπτρομαντία Bouché-Leclercq, Histoire de la divination, Paris 1879, I 185. Wünsch, Hess. Blätter für Volkskunde 3 (1904) 154 ff. Reitzenstein, Historia monachorum, Göttingen 1916, S. 244 ff.
[60] Abbott, Macedonian Folklore, Cambridge 1903 S. 362. Pradel, Griechische Gebete usw. Religionsgesch. Versuche u. Vorarbeiten III, Gießen 1907 S. 381; Jacoby, Archiv für Religionswissenschaft 13 (1910) 529.
II. DIE VERSCHIEDENEN GEBIETE DER BUCHSTABENMYSTIK
§ 1. SPEKULATIONEN ÜBER EINZELNE BUCHSTABEN
Wir sahen, daß die alten Pythagoreer kraft der ganzen Haltung ihres Denkens dazu neigten, in den Buchstaben Übergrammatisches zu sehen. In welcher Richtung, das zeigt eine seltsame Notiz in den Scholien zu Dionysius Thrax (p. 183, 30): Ἀπολλώνιος ὁ Μεσσήνιος ἐν τῷ περὶ τῶν ἀρχαίων γραμμάτων φησί τινας λέγειν, ὅτι Πυϑαγόρας αὐτῶν τοῦ ϰάλλους ἐπεμελήϑη, ἐϰ τῆς ϰατὰ γεωμετρίαν γραμμῆς ῥυϑμίσας αὐτὰ γωνίαις ϰαὶ περιφερείαις ϰαὶ εὐϑείαις. Man hat also in pythagoreischen Kreisen — auf Pythagoras’ Person wird niemand trotz der bestimmten Bezeugung bestehen wollen — in der Form der einzelnen Buchstaben Symbolisches gesucht und gefunden. Dafür gibt es noch manchen Beleg im Einzelnen.
Delta bedeutet noch heute in der Medizin τὸ γυναιϰεῖον αἰδοῖον. Das ist eine uralte Bezeichnung, s. Aristophanes Lysistr. 151: γυμναὶ παρίοιμεν, δέλτα παρατετιλμέναι. Der Pythagoreer sah im Delta das Dreieck. So wird das Dreieck nach pythagoreischer Lehre zur ἀρχὴ γενέσεως ϰαὶ τῆς τῶν γενητῶν εἰδοποιίας (Procl. in Euclid. 166, 14 Friedlein), vgl. die Porphyrios-Stelle bei Euseb. praep. ev. III 7, 4 p. 98: ϰῶνον μὲν ἡλίῳ γῇ δὲ ϰύλινδρον, σπορᾷ τε ϰαὶ γενέσει φάλητα ϰαὶ τὸ τρίγωνον σχῆμα διὰ τὸ μόριον τῆς ϑηλείας.[61] Eine Auseinandersetzung von 14 Seiten über das Δ steht in dem koptisch erhaltenen Buch „Über die Mysterien der griechischen Buchstaben“, das dem großen palästinensischen Klostergründer Sabas aus Talas († 532) zugeschrieben wird, S. 112–129 der Publikation von Hebbelynck, Muséon N. S. I [1900]. Δ bedeutet die Schöpfung, es ist das στοιχεῖον ὁλόϰληρον, die ὁμάς[62] des Kosmos; es weist mit seinen drei Ecken auf die Dreieinigkeit und die sechs Schöpfungstage, und ist als der vierte Buchstabe ein Symbol der vier Elemente und anderer Tetraden.[63]