Über das Ε als Abbildung der Wage steht folgendes in den Theologumena arithmetica p. 30 Ast (vgl. Lobeck, Aglaophamus S. 1341, 1345) — unter anderen Spekulationen darüber, daß 5 die Mitte von 9 ist —: ϰαὶ τῷ σχήματι δὲ οἱ τοὺς τῶν γραμμάτων χαραϰτῆρας προτυπώσαντες. ἐπεὶ τὸ Θ τοῦ ἐννέα σημαντιϰὸν ὑπάρχει, μεσότης δὲ αὐτοῦ ὡς τετραγώνου τὸ Ε, τὸ δὲ μέσον ἐν ἑϰάστῳ σχεδὸν ϰατὰ τὸ ἥμισυ ὁρᾶται, ἥμισυ τοῦ Θ γράμματος τυποῦσϑαι τὸ Ε ἐπενόησαν, ὡς διχοτόμημα τοῦ Θ, ϰαϑὰ ϰαὶ τὸ τοῦ Ο. Τούτῳ δὴ τῷ τρόπῳ τῆς διϰαιοσύνης τῷ Ε ἀριϑμῷ διϰαιότατα ἐνοφϑείσης ϰαὶ τῆς τοῦ στίχου ἀριϑμητιϰῆς εἰϰόνος ζυγῷ τινι οὐϰ ἀπιϑάνως εἰϰασϑείσης, τὸ παράγγελμα τοῖς γνωρίμοις ὲν συμβόλου σχήματι ὁ Πυϑαγόρας ἐνεποιήσατο ‘ζυγὸν μὴ παραβαίνειν’ τουτέστι διϰαιοσύνην. Anderes über das Ε aus Theodoros v. Asine bei Proklos in Tim. 225 b II 274 Diehl, über das Ζ ebenda p. 275 unten. — Das berühmte Ε in Delphi, über das Plutarch einen Dialog geschrieben hat, kommt hier nicht weiter in Betracht, da es ursprünglich wahrscheinlich kein Buchstabe gewesen ist, sondern ein „andersartiges ἀνάϑημα, vermutlich eine ϰλεὶς ϰρυπτή, die zunächst als eine Erfindung geweiht, dann symbolisch gefaßt und endlich als Ε gedeutet wurde. Denn der Balanosschlüssel sieht einem archaischen Ε sehr ähnlich“. Diels, Vorsokr. II² 520 Anm. 5; Parmenides, Berlin 1897, S. 143; Norden, Agnostos Theos, Leipzig 1913 S. 231 f. Es ist übrigens recht merkwürdig, daß in dem plutarchischen Dialog nichts von Buchstabenmystik vorkommt.
Das Θ (= 9) war zunächst einmal ein Symbol der großen ägyptischen Enneas. Ferner schien seine kreisförmige Gestalt die Welt abzubilden. Bei Philon von Byblos fr. 9 FHG III p. 572 aus Euseb. praep. ev. I 10 = Johannes Lydus de mensibus IV 161 p. 177 Wünsch steht: ἔτι μὲν οἱ Αἰγύπτιοι τῆς αὐτῆς ἐννοίας τὸν ϰόσμον γράφοντες περιφερῆ ϰύϰλον ἀεροειδῆ ϰαὶ πυρωτόν χαράσσουσι ϰαὶ μέσον τεταμένον ὄφιν ἱεραϰόμορφον [οἱονεὶ συνεϰτιϰὸν ἀγαϑὸν δαίμονα] (ϰαὶ ἐστι τὸ πᾶν σχῆμα ὡς τὸ παρ’ ἡμῖν Θ) τὸν μὲν ϰύϰλον ϰόσμον μηνύοντες, τὸν δὲ μέσον ὄφιν συνεϰτιϰὸν τούτου ἀγαϑὸν δαίμονα σημαίνοντες. — Das ist rein astronomisch gewendet im schol. in Dionys. Thrac. p. 321, 37 und 488 Hilgard: Θῆτα ὅτι τοῦ παντὸς ϑέσιν μιμεῖται· ἡ δὲ τοῦ παντὸς ϑέσις ἐστίν ὁ οὐρανός, ὃς τό τε ϰυϰλοτερὲς ἔχει ϰαὶ τὸν διὰ μέσου ἄξονα τῇ ϰατὰ μέσον χαραϰτηρισϑέντα μαϰρᾷ· und übernommen im Etymologicum Magnum p. 441.[64] Weil man bei alleinstehendem Θ leicht daran dachte, daß das Wort ϑάνατος damit anfängt, so wird dieses Unglück bedeutende nigrum theta (Persius 4, 13) ängstlich gemieden, z. B. in den Jahreszahlen der Alexandriner und den Münzbuchstaben des Gallienus.[65]
Das Ι war wohl geborgen durch das Wort Iesu, Mt. 5, 18: οὺ μῂ παρέλϑῃ ἰῶτα ἐν. Auch der Name des Heilands beginnt damit. So spielt es im Mittelalter eine ziemliche Rolle auf Münzen; und Ps.-Joachim von Floris, De seminibus scripturarum (13. Jahrhundert) schreibt darüber Littera minima in forma sed maxima in sacramento.[66]
Das Τ glich dem Kreuz (σταυρός), wie auch Heiden bemerkten, vgl. Lukian, Δίϰη φωνηέντων 61. Die Methoden, die die Christen fanden, um das Τ in noch engere Beziehung zu Jesus zu bringen, sollen unten in dem Abschnitt über den Gnostiker Markos behandelt werden.
Das Υ ist das γράμμα φιλόσοφον schlechthin (Proklos in Plat. Tim. III 225). Es wird an zahlreichen Stellen als Illustration des Gleichnisses von den beiden Wegen der Tugend und des Lasters aufgefaßt, das seit Hesiod in griechischer und jüdischer Moralistik sehr beliebt gewesen ist.[67] Pythagoras selbst soll diesen Sinn des Υ aufgezeigt haben.[68] Neuerdings hat Brinkmann auch „ein Denkmal des Neupythagoreismus“ (Rhein. Museum 66 [1911] S. 616 ff.) richtig gedeutet, auf welchem ein großes Υ den Mittelpunkt einer bildlichen Darstellung des Kebesschen Πίναξ bildet.
Α und Ω war in christlichen Kreisen durch das ΑΩ der Offenbarung des Johannes geheiligt (darüber s. unten einen besonderen Abschnitt). Aber ganz pythagoreisch schreibt Theodosius von Alexandria, περὶ γραμματιϰῆς p. 4 Groettling, Zeile 12, Α bestehe aus drei Strichen, stelle also die ἀρχὴ πλήϑους dar[69], ebenso Paulinus von Nola, carmen 29, 645 ff.:
645
Alpha crucem circumstat et Ѡ, tribus utraque virgis
littera diversam trina ratione figuram
perficiens, quia perfectum est mens una, triplex vis.