Rustan.
Greulich! Greulich!
Die Alte.
Ei, ich seh wohl,
Dich erschreckt des Trankes Anblick,
Weil er gar so brausend zischt.
Ei, das gibt sich, ei, das legt sich,
Wie Begeisterung der Jugend.
Auch, mein Sohn, in Wein gegossen,
Wirkt ein Tropfen wie das Ganze.
Hier steht Wein. Ha, und der Becher,
Sieh! wie gleicht er hier dem meinen.
Nun, ich mische dir den Trank.
(Sie nähert sich dem Tischchen neben dem Ruhebette, auf dem des
Königs Becher steht.)
Rustan (sie anfassend).
Halt!—Und Zanga!—Laß den Vorhang
Laß des Zeltes Vorhang nieder!
(Zanga zieht den Vorhang, er schließt sich.)
Die Alte.
Hi, hi, hi! Warum den Vorhang?
Warum Decken denn und Hüllen,
Wenn wir Rechtes nur erfüllen?
Ei, du möchtest wohl den Trank,
Aber auch, daß man dich zwänge!
Ei, ich zwinge niemand, Sohn!
Bietend reich ich meine Gaben,
Wer sie nimmt, der mag sie haben.
Und so stell ich hin den Becher,
Der dich reizt, und der dich schreckt.
Wird dein Übel, Söhnlein, schlimmer,
Weißt du, was dir Heilung weckt.
Doch nicht bloß an dich gebunden,
Andern auch hilft dieser Trank,
Macht die Kranken schnell gesunden,
Die Gesunden freilich krank.
(Sie hat den Becher auf den links stehenden Tisch gestellt.)
Nun, mein Söhnlein, Gott befohlen!
Ohne Abschied, ohne Dank!
Rustan
(der mit gesenktem Haupte sinnend im Vorgrunde gestanden, fährt jetzt empor und faßt die) Alte an). Halt! und nimm zurück den Becher, Nimm zurück ihn, deinen Trank!