(Zum Tempelhüter.)
Du aber sieh zum äußern Gittertor,
Damit nicht Fremde—
Priester.
Hätte denn—?
Hero.
Ich bitte!
Priester.
So geh!—Und ihr! und meidet zu begegnen
Dem Zorne, der sein Recht und seine Mittel kennt.
(Der Tempelhüter nach der linken, die Mädchen nach der rechten
Seite ab.)
Hero.
Nun ist mir leicht! Ich könnte sie bedauern,
Wenn ihre Torheit an sich selber zehrte,
Nicht um Genossen würb' und Billigung.
Priester.
Sosehr mich freut, daß du den Schwarm vermeidest,
Und aus der Menge nicht die Freundin wählst,
So sehr befremdet mich, ja ich beklag es,
Daß dich zu keiner unter deinesgleichen
Des Herzens Zug, ein still Bedürfnis führte.
Ein einsam Leben harrt der Priesterin,
Zu zweien trägt und wirkt sich's noch so leicht.
Hero.
Ich kann nicht finden, daß Gesellschaft fördert;
Was einem obliegt muß man selber tun.
Dann, nennst du einsam einer Priestrin Leben?
Wann war es einsam hier im Tempel je?
Vom frühen Morgen drängt die laute Menge,
Aus Ost und Westen strömt herbei das Volk.
Von Weihgeschenken und von Opfergaben,
Von Festeszügen, fremden Beterscharen
War nimmer dieses Hauses Schwelle leer.
Dann fehlt's ja nicht an mancherlei zu tun:
Der Wasserkrug, der Opferherd, die Kränze,
Und Säul' und Sockel, Estrich und Altar
Zu reinigen, zu schmücken, zu bewahren.
Wo bliebe da zum Schwätzen wohl die Zeit,
Zum Kosen mit der Freundin, wie du meinst.
Priester.
Du hast mich nicht gefaßt.