Günther.
Es ist ausgesprochen.
Er, dem Vater unbewußt,
War ein Pfand geheimer Lust,
War ein Denkmal ihrer Sünde!
Darum muß sie klagend wallen
Durch die weiten, öden Hallen,
Die das Werk von Trug und Nacht
Auf ein fremd Geschlecht gebracht.
Und in jedem Enkelkinde,
Das entsproßt aus ihrem Blut,
Haßt sie die vergangne Sünde,
Liebt sie die vergangne Glut.
Also harret sie seit Jahren,
Wird noch harren jahrelang
Auf des Hauses Untergang;
Und ob der sie gleich befreiet,
Hütet sie doch jeden Streich,
Der dem Haupt der Lieben dräuet,
Den sie wünscht und scheut zugleich.
Darum wimmert es so kläglich
In den halbverfallnen Gängen,
Darum pocht's in dunkler Nacht—
(Entferntes Getöse.)
Berta.
Himmel!
Günther.
Weh uns!
Graf.
Was ist das?
(Das Getöse wiederholt sich.)
Fast gefährlich scheint dein Wahnsinn
Er steckt auch Gesunde an.
An die Pforte wird geschlagen
Einlaß fordernd. Geh hinab
Und sieh zu, was man begehrt!
(Günther ab.)
Berta.
Vater, du siehst bleich! Ist's Wahrheit
Was der alte Mann da spricht?
Graf. Was ist wahr, was ist es nicht?
Laß uns eignen Wertes freuen
Und nur eigne Sünden scheuen.
Laß, wenn in der Ahnen Schar
Jemals eine Schuld'ge war,
Alle andre Furcht entweichen
Als die Furcht ihr je zu gleichen.—
Und jetzt komm, mein liebes Kind,
Führe mich nach meinem Zimmer.
Ist's gleich noch nicht Schlafens Zeit
Ruhe heischt der müde Körper
Hat er doch in einer Stunde
Mehr als manchen Tag gelebt. (Ab mit Berta.)