Boleslav.
Deiner Kindheit erstes Lallen
Hörten dieses Schlosses Hallen,
Hier hast du das Licht erblickt,
Und bei des Besitzers Küssen
Hast du ohne es zu wissen
Vaters Brust ans Herz gedrückt.

Jaromir (schreiend).
Nein!

Boleslav.
Es ist so wie ich sagte!
Komm mit mir hinauf zu ihm.
Des Gesetzes rauhe Stimme,
Hart und fürchterlich dem Räuber,
Mildert seinen strengen Ton
Gegen jenes Mächt'gen Sohn!
Komm mit mir, weil es noch Zeit.
Hart verletzt liegt er darnieder
Und wer weiß, ersteht er wieder,
Denn nur jetzt, in dieser Nacht,
In des Schlosses düstern Gängen,
Unsrer Brüder Spur verfolgend
Traf ihn eines Flücht'gen Dolch.

Jaromir.
Teufel! Schadenfroher Teufel!
Tötest du mit einem Wort?
Glaubst du, weil ich keine Waffen?
Die Natur, die halb nichts tut,
Gab mir Krallen, gab mir Zähne,
Gab zu der Hyäne Wut
Mir auch Waffen der Hyäne!
Natter, laß mich dich zertreten,
Senden dich ins Heimatland!
Können deine Worte töten,
Besser kann's noch diese Hand!

(Auf ihn losgehend.)

Boleslav.
Er ist rasend! Rettung! Hilfe!

(Fliehend ab.)

Jaromir.
Wär' es wahr? Ha wär' es wahr,
Was des Untiers Mund gesprochen?
Und wovon schon der Gedanke,
Nur das Bild der Möglichkeit,
Meine raschen Pulse stocken,
Mir das Mark gerinnen macht.
Wär' es Wahrheit?—Ja, es ist!
Ja, es ist! es ist! es ist!
Ja! tönt's durch die dumpfen Sinne,
Ja! heult's aus dem finstern Innern
Und die schwarzen Schreckgestalten,
Die vor meiner Stirne schweben,
Neigend ihre blut'gen Häupter,
Winken mir ein gräßlich Ja!
Ha und jener Klageton,
Der erscholl in blut'ger Stunde
Aus des Hingesunknen Munde,
Er ist meinem Ohre nah
Und seufzt wimmernd, sterbend: Ja!

Er mein Vater, er mein Vater!
Ich sein Sohn, sein Sohn und—Ha!
Wer spricht hier? Wer sprach es aus?
Aus das Wort, das selbst ein Mörder,
In des Herzens tiefste Falten
Bleich und bebend sich verbirgt.
Wer sprach's aus? Sein Sohn und Mörder!
Ha, sein Sohn, sein Sohn und Mörder!

(Die Hände vors Gesicht schlagend.)