Rahel.
So soll ich sterben denn und bin noch jung,
Und möchte leben noch. Zwar leben nicht
Nein, tot sein unverwarnt und unverhofft.
Der Augenblick des Sterbens nur erschüttert.
(An Esthers Halse.)
Unglücklich bin ich, Schwester, rettungslos!
(Nach einer Pause, mit von Schluchzen unterbrochener Stimme.)
Und ist das Halsband auch mit Amethysten
Das du gebracht?
Esther.
Es ist. Mit Perlen auch
So hell wie deine Tränen und so reichlich.
Rahel.
Ich will es gar nicht sehn. Nur später etwa
Wenn unsre Haft sich dehnt zu längrer Zeit,
Zerstreuung heischt das ew'ge Einerlei,
Versuch ich es, und schmücke mich zum Tod.
Doch sieh, wer naht?—Ha, ha, ha, ha! Fürwahr
Ist's unser Vater nicht? und zwar in Harnisch.
(Isaak, eine Sturmhaube auf dem Kopfe und einen Brustharnisch unter seinem langen Rocke, kommt von links.)
Isaak.
Ich bin's, der Vater ungeratner Kinder
Die meinen Tag verkürzen vor der Zeit.
In Harnisch, ja. Droht denn der Mörder nicht?
Schützt sich der Leib von selber vor dem Dolch?
Ein unversehner Schlag zerschellt den Kopf.
Auch birgt der Harnisch mir die Wechselbriefe,
Die Taschen tragen das ersparte Gold
Das grab ich ein und schütze Leib u Seele
Vor Armut und vor Tod. Und lacht ihr mein,
So geb ich euch den Fluch des Patriarchen,
Der Isaak hieß wie ich; ihr mit der Stimme
Des frommen Jakob und mit Esaus Händen,
Nur mit verkehrtem Recht der Erstgeburt.
Ich sorg um mich. Was kümmert ihr mich länger!
Horch!
Rahel.
Welch Geräusch?
Esther.
Man zieht die Brücken auf.
Rahel.
Ein Zeichen, daß der König aus den Toren.
So eilt er fort! Wird er auch wiederkehren?
Ich fürchte: nein! Das Äußerste befürcht ich.
(An Esthers Brust sinkend.)
Und hab ihn, Schwester, wahrhaft doch geliebt.
(Der Vorhang fällt.)
Vierter Aufzug