Saal mit einem Thronsitze rechts im Vorgrunde.
Daneben in gleicher Reihe nach links laufend mehrere Stühle, auf denen acht oder zehn kastilische Standesherren sitzen. Dem Throne zunächst Manrique de Lara, der aufgestanden ist,
Manrique.
So sind wir denn in Trauer hier versammelt,
Nur wenige, sofern die kurze Frist,
Verbunden mit der Nähe seines Sitzes,
Die Möglichkeit zur Ankunft jedem bot.
Es finden mehrere sich später ein;
Doch jetzt schon heißt für voll uns zu erachten
Die dringende, die allgemeine Not,
Die keinen Aufschub gönnt. Vor allem fehlt
In unserm ernsten Kreis derjenige
In dessen hohem Recht nicht nur der Vorsitz,
Selbst die Berufung steht zu solchem Rat,
So daß halb rechtlos wir schon im Beginn.
Deshalb nun war ich, edle Herrn, bedacht,
Zu laden unsrer Kön'gin Majestät,
So schwer sie trifft der Inhalt der Besprechung,
Zu nehmen ihren Sitz dort unter uns;
Damit wir wissen, daß nicht herrenlos,
Daß nicht aus eigner Willkür wir versammelt.
Der Gegenstand nun unsers heutigen Rats
Ist, hoff und fürcht ich, allen schon bekannt.
Es hat der König, unser hoher Herr,
Nicht hoch an Stand und Rang und Würde nur,
Nein auch an Gaben, so daß, schaun wir rückwärts
In unsrer Vorzeit aufgeschlagnes Buch,
Wir seinesgleichen kaum noch einmal finden,
Nur daß die Kraft, der Hebel alles Guten,
Hat sie einmal vom Wege sich verirrt,
Den Fehler auch mit gleicher Stärke will—
Es hat der König sich von Hof entfernt
Verlockt von eines Weibes üpp'gem Sinn,
Was uns zu richten keineswegs geziemt.—
—Die Königin!
(Die Königin, von einigen Damen begleitet, tritt von der rechten Seite auf, und nachdem sie den Standesherren, die sich erhoben haben, durch eine Handbewegung bedeutet, wieder ihre Plätze zu nehmen, setzt sie sich auf den Thronsessel.)
Erlaubt Ihr, hohe Frau?
Königin (leise).
Fahrt fort!
Manrique.
Ich wiederhole denn mein Frühres:
"Was uns zu richten keineswegs geziemt."
Doch rüstet sich der Maure an den Grenzen
Und droht mit Krieg dem schwerbedrängten Land;
Da ist des Königs Recht zugleich und Pflicht
Mit selbst berufnem und geworbnem Heer
Entgegen sich zu stemmen der Gefahr,
Allein der König fehlt. Zwar wird er kommen,
Ich weiß. Wär' es auch nur dieweil erzürnt
Ob unserer Versammlung Eigenmacht.
Doch bleibt der Grund, der ihn von uns entfernt,
So kehrt er wieder in die alten Bande
Und wir sind eben, nach wie vor, verwaist.
Beliebt?
(Die Königin bedeutet ihn, fortzufahren.)
Da muß vor allem denn die Dirne fort.
Da liegt denn manch ein Vorschlag etwa vor.
Die einen wollen sie mit Gold erkaufen,
Die andern sie gefangen aus dem Land
In weitentlegene Gewahrsam senden.
Doch Gold hat auch der König, und ob fern,
Die Macht weiß wohl zu finden was sie sucht.
Ein dritter Vorschlag—