(da die Königin aufgestanden ist)

Edle Frau, mit Gunst.
Ihr seid zu mild für unser hart Geschäft
Und Eure Güte, durch kein festes Wollen
Von Zeit zu Zeit gekräftigt und erneut,
Hat unsern Herrn vielleicht zumeist entfremdet.
Ich tadle nicht, ich sage nur was ist.
Deshalb begebt Euch nur der eignen Meinung.
Zwar, wenn Ihr reden wollt, wohlan so sprecht.
Welch Blumenschicksal, welche Schmeichelstrafe
Glaubt Ihr dem Fehl der Buhlerin gemäß?

Königin (leise).
Den Tod.

Manrique.
Fürwahr?

Königin (bestimmter).
Den Tod.

Manrique.
Ihr hört's, Ihr Herren.
Das war der dritte Antrag, den ich früher,
Obgleich ein Mann, nicht auszusprechen wagte.

Königin.
Ist denn die Ehe nicht das Heiligste,
Da sie zu Recht erhebt was sonst verboten,
Und was ein Greuel jedem Wohlgeschaffnen,
Aufnimmt ins Reich der gottgefäll'gen Pflicht?
Die andern Satzungen des höchsten Gottes
Verstärken nur den Antrieb eines Guten,
Doch was so stark, daß es die Sünde adelt,
Muß mächt'ger sein als jegliches Gebot.
Dagegen hat nun dieses Weib gefrevelt.
Währt aber meines Gatten Fehltritt fort,
So war ich selbst in all der frühern Zeit
Nur eine Sünderin, und nicht sein Weib
Und unser Sohn ein mißgeborner Auswurf
Sich selber Schande und der Eltern Schmach.
Seht Schuld Ihr in mir selbst, so tötet mich,
Ich will nicht leben, wenn mit Schuld befleckt.
Dann mag er aus den Königstöchtern rings
Sich eine Gattin wählen, da nur Willkür,
Nicht das Erlaubte wohltut seinem Sinn.
Doch ist dies Weib der Schandfleck dieser Erde,
So reinigt Euren König und sein Land.
Ich schäme mich, daß ich vor Männern spreche,
Und was kaum schicklich auch, doch zwingt die Not.

Manrique.
Doch wird der König es, und wie, ertragen?

Königin.
Er wird wohl, weil er soll und darum muß.
Auch bleibt ihm ja die Rache an den Mördern:
Vor allem treff' er mich und diese Brust.
(Sie setzt sich.)

Manrique.
Es ist kein andrer Ausweg, muß ich sagen.
Es sterben in der Schlacht die Edelsten
Und eines bittrern, grauenhaftern Tods,
Vor Durst verschmachtend, unter Pferdeshufen
In jedes Schmerzes schärferer Verdopplung
Als je ein Sünder auf dem Hochgericht;
Die Krankheit rafft die Besten täglich fort,
Gott geizt mit seiner Menschen Leben nicht,
Und soll man ängstlich sein, da wo sein Wort,
Die heil'ge Ordnung, die er selbst gesetzt,
Den Tod des einen fordert, der gefrevelt?
Wir wollen insgesamt den König angehn,
Ihn bitten, zu entfernen jenen Anstoß
Der ihn von uns und uns von ihm entfernt
Und weigert er's, dann walte blutiges Recht,
Bis wieder eins der Fürst und das Gesetz,
Und wir den beiden in dem einen dienen.