(Der Diener steckt seine Fackel in den Ring neben der Türe und entfernt sich.—König einen Schritt nach vorn machend.)
Was regt sich dort? Ist hier noch Leben übrig?
Gebt Antwort!
Isaak
Gnädiger Herr Missetäter,
Verschont uns edler Mörder!
König.
Du bist's, Alter?
Erinnre mich nicht dran, daß sie dein Kind,
Es minderte ihr Bild in meiner Seele.
Und du bist Esther, nicht?
Esther.
Ich bin es, Herr.
König.
Und ist's geschehn?
Esther.
Es ist.
König.
Ich wußt' es wohl
Seit ich das Schloß betrat. Drum keine Klagen!
Glaub, das Gefäß ist voll, was man noch zugießt
Fließt ab vom Rand und schwächt des Inhalts Gift.
Als sie noch lebte wollt' ich sie verlassen.
Nun da sie tot, verläßt sie nimmer mich
Und dies ihr Bild auf dieser meiner Brust
Es gräbt sich ein und schlägt nach innen Wurzel.
Denn war nicht selber ich's, der sie getötet?
Blieb sie mir fern, sie spielte noch, ein Kind,
Sich selbst zur Lust und anderen zur Freude.
Vielleicht—ob das zwar nicht! Ich sage nein!
Kein andrer durfte ihre Hand berühren
Und niemands Lippen nahen ihrem Mund,
Kein frecher Arm—Sie war des Königs eigen,
Ob nie gesehn, gehörte sie doch mir,
Der Reize Macht dem Mächt'gen auf dem Thron.
Isaak.
Spricht er von Rahel?
Esther.
Wohl, von Eurer Tochter.
Sosehr der Schmerz verlornen Wert verdoppelt,
Sag ich Euch doch: Ihr schlagt zu hoch sie an.