Esther.
Wohl, im Dunkel rings,
Umgeben von des Unglücks grauser Nacht.
Allein der Tag bricht an. Laß mich versuchen
Ob ich die Glieder trage bis dahin.
(Sie tritt zum Fenster und zieht den Vorhang.)
Der Morgen dämmert schon, sein bleicher Schein
Schaut, wie entsetzt, die Greuel der Zerstörung,
Den Unterschied von gestern und von heut.
(Auf die am Boden zerstreuten Schmucksachen deutend.)
Da liegen sie die Trümmer unsres Glücks,
Der bunte Tand, um dessentwillen wir,
Ja wir, nur wir—nicht er, der dort sich schuld gibt—
Die Schwester opferten, dein töricht Kind.
All was geschieht ist Recht. Wer sich beklagt,
Verklagt sich selbst und seine eigne Torheit.

Isaak (der sich in den Stuhl gesetzt hat).
Hier will ich sitzen. Seit der König da
Fürcht ich sie nicht und alle die noch kommen.

(Die Mitteltüre öffnet sich, Manrique und Garceran, hinter ihnen die
Königin, ihr Kind an der Hand führend, und mehrere Große treten ein.)

Manrique.
Kommt hier herein und stellt demnächst Euch auf.
Wir haben an dem König uns versündigt,
Das Gute wollend, aber nicht das Recht.
Wir wollen uns dem Rechte nicht entziehn.

Esther (auf der andern Seite, eines Ruckes den umgestürzten Tisch
emporhebend).
Verwüstung ordne dich! Laß sie nicht glauben,
Daß wir erschrocken, oder daß wir feig.

Königin.
Hier sind sie, jene andern!

Manrique.
Immerhin!
Sie traf bereits, was uns vielleicht bedroht.
Stellt Euch in Reih' und Ordnung wenn's beliebt.

Königin.
Mich laßt voran, ich bin die Schuldigste.

Manrique.
Nicht also, edle Frau! Ihr spracht das Wort,
Doch als es kam zur Tat, habt Ihr gezittert,
Euch widersetzt und Schonung anbefohlen,
Obgleich umsonst, denn Not war uns Gebot.
Auch wünscht' ich nicht, daß sich sein erster Grimm
Entlüde auf die Häupter, die uns hoch,
Zunächst nach ihm die Hoffnung unsers Throns.

Ich selber tat's. Zwar nicht mit meiner Hand,
Allein mit Rat, mit furchtbar ernstem Mitleid.
Ich trete vor Euch hin. Und du, mein Sohn,
Hast du den Mut, als Mann auch zu vertreten
Was du gehindert nicht, wenn nicht gefördert,
So daß dein Streben, wieder gut zu machen,
Und deine Rückkehr selbst nicht ohne Schuld?