Manrique.
Doch dürfte mehr noch als die Botschaft etwa
Der Bote selber—
König.
Und wer ist's?
Manrique.
Mein Sohn.
König.
Ah, Garceran! Laß ihn nur kommen! (Zur Königin.) Bleib!
Der junge Mann hat höchlich wohl gefehlt
Als er verkleidet schlich ins Fraungemach,
Die Holde seines Herzens zu erspähn.
Nu Doña Clara, senk nur nicht das Haupt,
Der Mann ist wacker, obgleich jung und rasch,
Gespiele mir aus meiner Knabenzeit
Und unversöhnlich sein wär' etwa schlimmer
Als leichtgesinnt den Fehler übersehn.
Auch denk ich, hat er reichlich abgebüßt
Seit Monden schon verbannt zur fernen Grenze.
(Auf einen Wink der Königin entfernt sich ein Fräulein ihres Gefolges.)
Nun geht sie doch: O Sittsamkeit
Noch sittlicher als Sitte!
(Garceran kommt.)
König.
Ah, mein Freund!
Wie steht's bei euch? Sind alle dort so bang,
Wie du, und also mädchenhafter Scheu?
Dann steht es schlimm um unsrer Reiche Schutz.
Garceran.
Ein wackrer Mann, Herr, fürchtet keinen Feind,
Doch schwer drückt edler Fraun gerechter Zorn.
König.
Gerechter Zorn, jawohl! Und glaube nicht,
Daß ich mit Brauch und Schick es minder streng
Und minder ernstlich halt als meine Frau.
Doch hat der Zorn und alles seine Grenze.
Drum noch mal Garceran, wie steht's bei euch?
Macht euch der Feind, ob Frieden gleich, zu schaffen?
Garceran.
Wir schlugen uns, als wär's im Scheingefecht
Mit blut'gen Wunden diesseits, Herr, und drüben;
Der Friede glich dem Krieg so auf ein Haar,
Daß nur im Treubruch aller Unterschied.
Seit kurzer Zeit jedoch hielt Ruh' der Gegner.
König.
Ei das ist schlimm!