(Rahel kommt fliehend.)
Rahel.
O weh, sie töten mich
Wie dort den Vater! Ist denn nirgends Hilfe?
(Sie erblickt die Königin und kniet vor ihr.)
O hohes Frauenbild, beschirme mich,
Streck aus die Hand und schütze deine Magd,
Ich will dir dienen auch, nicht Jüdin, Sklavin.
(Sie greift nach den Händen der Königin, die sich von ihr abwendet.)
Rahel (aufstehend).
Auch hier nicht Rettung, übrall Angst und Tod.
Wohin nur flieh ich?—Ah, hier steht ein Mann
Mit Mondscheinaugen, strahlend Trost und Kühlung
Und alles um ihn her heißt Majestät.
Du kannst mich schützen, Herr, ach, und du wirst's.
Ich will nicht sterben, will nicht! Nein, nein, nein!
(Sie wirft sich vor dem Könige nieder, seinen rechten Fuß umklammernd,
das Haupt zu Boden gesenkt.)
König (zu einigen, die sich nähern).
Laßt sie! Der Schreck beraubt sie fast der Sinne
Und wie sie schaudert schütternd mich mit sich.
Rahel (emporgerichtet).
Und alles, was ich habe, (ihr Armband ablösend) diese Spangen,
Das Halsgeschmeid und dann dies teure Tuch,
(ein Tuch ablösend, das sie shawlartig um den Hals geschlungen trägt)
Der Vater hat's gekauft um vierzig Pfund,
Echt indisches Geweb', ich geb es hin,
Nur laßt mein Leben mir, ich will nicht sterben!
(Sinkt in ihre vorige Stellung zurück.)
(Man hat Isaak und Esther gebracht.)
König.
Was hat der Mann verbrochen?
Manrique (da alle schweigen).
Herr, du weißt,
Verboten ist der Eintritt diesem Volk
In Königs Garten, wenn der Hof zur Stelle.
König.
Nun, wenn's verboten, so erlaub ich's denn.
Esther.
Er ist kein Späher, Herr, ein Handelsmann,
Die Briefe, die er führt, sie sind hebräisch,
Und nicht arabisch, nicht in Maurensprache.