Max. Nun also denn: was soll's?
(Da Klesel nach einer Schrift in seinem Busen greift.)
Max. Laßt stecken, Herr, wir wissen was Ihr bringt:
Ein künstlich ausgefeilt Elaborat
Das uns den Frieden mit den Türken soll
Als rätlich, nötig, unerläßlich schildern.
Ihr seid der Widerhall von Euerm Herrn,
Wenn nicht vielmehr das Echo er von Euch.
Und deshalb ohne Vorwort zur Beratung.
Der Friede wäre gut, allein der Kaiser,
Des Landes Haupt und Herr, er will ihn nicht.
Nebstdem, daß unter solchen Schmeichelhüllen
Ein Anschlag, meint man, andrer Art sich birgt.
(Zu Klesel.)
Ich will Euch schelten, Herr, drum hieß ich Euch
Hier sitzen unter uns; da Bruderliebe
Und Fürstenachtung mir nicht will gestatten
Zu schelten meinen Bruder, Euern Herrn.
Die Stände, sagt man, protestant'schen Glaubens
Aus Österreich verkehren still mit Euch,
Und als den Preis der Sichrung vor den Türken
Nebst Zugeständnis ihrer Glaubensübung,
Verspricht man einem Fürsten unsers Hauses,
Den ich nicht kennen will, nicht nennen mag,
Ein neuerdachtes Schützeramt zu gründen
Halb abgesondert von dem Stamm des Reichs.
Ihr seht, was Ihr gesponnen kam ans Licht.
Seid noch Ihr für den Frieden?
Klesel. Durchlaucht ja.
Wenn diesmal auch Verleumdung wahr gesprochen,
Was gut bleibt gut, wär' auch der Geber schlimm.
Max. Und Bruder du?—Allein was frag ich noch (auf Klesel zeigend) Hat dieser deine Meinung doch gesprochen.
Mathias. Glaubst du? (Zu Klesel.) Sagt Eure Meinung noch einmal.
Klesel. Den Frieden, hoher Herr.
Mathias. Und ich den Krieg.
Ich bin beschimpft im Angesicht der Welt.
Die Ehre unsrer Waffen stell ich her,
Dann mag die Klugheit und die Furcht beraten.
Max. Nun Bruder sei nicht kindisch, möcht' ich sagen.
Hoffst du, geschlagen mit dem ganzen Heer,
Nun, mit dem halben, Sieg dir zu erringen?
Von hier bis Wien ist nirgends eine Stellung,
Die Mauern Wiens verfallen, ungebessert,
Ein Wandelgang für friedliche Bewohner,
Nicht eine Abwehr gegen solchen Feind.
Klesel (die Feder eintauchend, eifrig).
So seid Ihr für den Frieden?