Gertrude.
Doch drängt auch Liebe, jeden, der sie fühlt.
König.
Schon eine Stunde gab dir der Gemahl,
Der König darf dir keine zweite geben.
Der Tag bricht an, das Heer erwartet mich.
(Zum Kämmerer.)
Ruft meine Räte, ruft den ganzen Hof,
Daß sie vernehmen ihres Königs Willen.
Gertrude (zum König).
Halt noch!—Verzeiht! Es ist die Gattin nicht,
Es ist das Reich, das noch zwei Worte fordert.
(Zum Kämmerer.)
Verweilt im Vorgemach, bis man Euch ruft.
(Der König winkt gewährend. Der Kämmerer geht ab.)
Gertrude.
Ich weiß, Ihr ruft den Hofhalt und die Räte,
Um für die Zeit, da Ihr vom Lande fern,
Zu ordnen die Regierung, das Geschäft.
Den ersten Platz im Staate nun, ich weiß es,
Weil Eure Lieb' ich kenn, und ihr's verspracht,
Bestimmt Ihr mir, der Mutter Eurer Kinder,
Der treusten Hüterin von ihrem Erbe.
Insoweit dank ich Euch und bin zufrieden.
Doch ist noch eins, das mich mit Sorg' erfüllt.
König.
Und was, Gertrude, sprich!
Gertrude.
Ihr habt erklärt,
Ob nun mit Recht, mit Unrecht, stell ich hin,
Daß manches sich ergibt im Kreis des Herrschers,
Das rasch persönliches, selbsteignes Walten,
Zutun und Fassen fordert und bedingt
Und eines Männerarms bedarf.
König.
So ist's.
Gertrude.
Den Mann nun, der vollziehe, was beschlossen,
Erübrigt noch zu nennen, zu bestimmen.
König.
Auch dafür ist gesorgt!