Otto.
Nein!
Königin.
Warum nicht?
Otto.
Ich habe schon gegessen.
Königin.
Ha, Ihr lügt!
Otto.
Nun denn, ich mag, ich kann, ich will nicht.
Nicht essen und nicht atmen, leben nicht.
(Er wirft sich herum, so, daß er mit aufwärtsgekehrtem Gesichte auf
dem Rücken liegt.)
Königin.
Unsinniger! Sein selbst vergeßner Tor!
Geht ihr hinaus, ich werde nach euch rufen.
(Arzt und Diener ab.)
Kannst also du der Gottheit Abglanz schänden?
Nicht Krankheit ist's, ich weiß, ich kenne dich!
Der Leidenschaft und ihrer Raserei
Wirfst du die Gaben vor des gottgegebnen Geistes;
Sie glüht als Fieber durch dein kochend Blut,
Und wirft die Blasen, die sie Krankheit nennen.
Der Leidenschaft! Und wär' es Liebe noch,
Wenn auch verkehrt', verbrecherische Liebe—
War doch in alter und in neuer Zeit
Entschuld'gung sie für manches Schlimm' und Schiefe
Doch ist es Liebe nicht, ist Tobsucht nur,
Des ungezähmten Geistes trotzig Walten,
Der Eigensinn, der will, weil er gewollt.
Ich aber denk es nimmermehr zu dulden,
Am mindsten, wo ich Frau und Königin.
Mir kommt die Lust an, Wunder zu versuchen!
Steh auf und sei gesund! sprech ich zu dir.
Steh auf, und zwar zur Stelle! Jetzt! Ich will's!
(Sie hat seine Schulter mit ihrer Hand berührt, Otto richtet sich empor, und sitzt mit aufgestützter Hand und vorhängendem Haupte da.)
O Jammerbild der selbstgeschaffnen Schwäche!
Wie schäm ich mich, daß du von meinem Blut!
Wo gehst du hin? Was willst du?
Otto (der aufgestanden ist und einige Schritte gemacht hat, die
Stirne reibend).
Wußt ich's doch!
Ei ja!
Königin.
Wo willst du hin? Bleib, Otto, bleib!
Du willst doch nicht ins Freie? Otto, sprich!