Auch hier kein lebend Wesen.
Wer wohnt nur hier? Die Wände reich verziert;
Ein Schlafgemach. Vielleicht wohl gar. O Gott!

(Sie erblickt den Herzog und läßt die Vorhänge fallen.)

Otto.
Erschreckt nicht, schöne Frau!

Erny.
Erschrak ich denn?
Ich bin erstaunt, empört, doch nicht erschrocken.
Zur Königin berief man mich hierher.

Otto.
Es ist ihr Wunsch, daß Ihr sie hier erwartet.

Erny.
Da gilt kein Wunsch und selber kein Befehl!
(Zum Gehen gewendet.)

Otto.
So hört denn mich, mein Bitten, meinen Schmerz.
Ich weiß, ich hab Euch schwer und tief beleidigt,
Vor allem laßt Verzeihung mir erflehn.

Erny.
Wer alles sich erlaubt, und selbst verzeiht,
Braucht der Verzeihung andrer und Erlaubnis?

Otto.
Der süßen Nähe Reiz berückte mich.
Der Locken Gold, der Wangen Rosenlicht,
Die Stirn aus Elfenbein, der Augen blaue Himmel,
Die ganze, lichthell glänzende Gestalt—
Allein, was sprach ich, und was wollt' ich sprechen?
Ich bin verwirrt, ich bitt Euch, seht mir nach!

Erny.
Als kleines Mädchen nannten sie mich eitel;
Ich bin's nicht mehr.