Otto.
So viel der Himmelsgaben;
Dazu noch der Gedanke, daß—ich weiß nun,
Wie sehr ich irrte, damals aber glaubt' ich's—
Daß Euer Auge mit Zufriedenheit,
Mit Wohlgefallen auf mir hafte. Jener
Unsel'ge Druck der Hand, den ich beim Tanze
Zu fühlen glaubte; Haare, meine Haare,
Die Ihr so gütig waret zu bemerken,
Zu Euch zu nehmen.—

Erny.
Auf dies eine hört,
Was ich zur Deutung—

Otto.
O nicht doch! o schweigt!
Laßt uns nicht mehr von diesen Träumen sprechen,
Ich weiß zu gut, wie sehr ich mich getäuscht.
Dies alles nun, und über alles andre,
Das Euer Gatte—Gräfin, Ihr verzeiht!
Bancbanus ist, ich weiß, ein Ehrenmann,
Wohlredenheit strömt über seine Lippen,
Ist geistreich, witzig, schnellgewandt im Rat.
Sein Bart ist grau, allein in Ehren grau;
Sein Säbel schlägt die Fersen, wie ein andrer,
Ein Ehrenmann, fürwahr! Doch etwas—unschön,
Beinahe möcht' ich's lieber gräßlich nennen,
Allein, ich seh, Ihr seid nicht meiner Meinung!
Wohlan, ich geb es zu! Der erste Eindruck
Tut wohl das Schlimmste, und der Mann gewinnt,
Zumal in einiger Entfernung. Aber
Wenn auch nicht grau, und wenn nicht widrig auch;
Was wär' er gegen diesen holden Umfang
Von allem, was der Himmel reizend schuf?
Als ich mit ihm zum erstenmal Euch sah,
Da rief's in mir: verkehrt ist die Natur!
Entsprießt dem Eis die Königin der Blumen?
Gezwungen ist sie, oder ist betrogen;
Des Ritters Pflicht, Gefangne zu befrein.

Erny.
Spart Eure Ritterpflicht auf größre Not!
Mit freier Wahl erkor ich meinen Gatten.
Und wenn nicht jung und wenn nicht blühend auch,
Weit höher acht ich ihn, als—

Otto.
Sprecht nicht weiter!
Antwortet mehr nicht als man Euch gefragt.
Beleidigen ist leicht, doch schwer versöhnen.

Erny.
Wir sind zu Ende, scheint's, und ich kann gehn.

Otto.
Noch nicht! Das Letzte fehlt, ist noch zu sagen.
Dies Land, wo meine Schwester lebt und herrscht,
Wo alles mich umringt mit Lust und Freuden,
Durch die Ereignisse der letzten Zeit
Ist's mir zum Greul geworden und zur Hölle.
Nach Deutschland kehr ich heim.—Ich seh, es freut Euch!
Nun, um so lieber reis ich, macht's Euch Freude.
Beim Scheiden nun gönnt mir als letzten Trost—
Ihr könnt es leicht, denn bin ich fern, wie kann ich
Je Vorteil ziehn aus Eurer Huld und Meinung.—
Gönnt mir den Trost, daß Ihr Euch mein erinnert.

Erny.
Erinnern Eurer? Nie!

Otto.
Daß ich Euch völlig
Gleichgültig nicht.

Erny.
Gleichgültig ganz und völlig.