Otto.
Ihr lügt!—Ihr täuscht Euch, fürcht ich!—O ich weiß,
Was Euch so strenge macht, so herb und kalt.
Ihr haltet mich für schlimm. Ich bin's, ich war's!
Geboren auf der unglücksel'gen Höhe,
Wo man nicht Menschen kennt, nur Schmeichler, Sklaven;
Emporgetragen von des Haufens Gunst,
Aus Hand in Hand, ein Spielball fremder Neigung;
Begabt mit manchem, was sonst Frauen lockt,
Stürzt' ich mich in des Lebens bunt Gewühl.
War ich nicht gut, ich konnte schlimmer sein;
Gab böses Beispiel ich, wer gab mir gutes?
O wäret damals Ihr in Himmelsklarheit
Hinabgestiegen in die Schauerhöhle,
Wo ich, mit Molch und Natter spielend, lag;
Ich hätt's erkannt an Eurem reinen Licht,
Wär' Euch gefolgt, wär' glücklich nun und selig.

Erny.
Setzt Ihr's voraus, weil's nun unmöglich ist?

Otto.
O nicht unmöglich, jetzt noch möglich, jetzt noch!
Wenn Ihr nur wollt, wenn Ihr Euch nicht entzieht.
Ich fordre ja nicht Liebe, Liebe nicht!
Gönnt mir nur Anteil, Neigung, Euer Aug' nur,
Daß ich es fragen darf mit meinen Augen:
War's also recht? wenn ich nicht schlimm getan.
Ihr willigt ein? Ihr stoßt mich nicht zurück?

Erny.
Habt Ihr vergessen, daß Ihr reisen wolltet?
Der Meister hat den Schüler gern um sich,
Ich aber wünsch Euch fern.

Otto.
Verkennt Ihr denn
Der Tugend schönstes, weltbeglückend Vorrecht,
Wo sie geblüht, auch Samen auszustreun?
Genügt es denn der Sonne, daß sie Licht,
Geht sie nicht auf, uns alle zu erleuchten?
Wenn ihr dereinst am großen Tage steht,
Umgeben von den Engeln Eurer Taten
Wollt Ihr dann nicht den Blick zurückesenden
Und sagen: dieser Mann ist auch mein Werk?

Erny.
Es hört sich gut, doch handelt Ihr nicht so.
Wer dürft' Euch trauen, wenn er wollte selbst?

Otto.
Ihr dürft. Ihr sollt! O dieser Augenblick
Ist fruchtbar an Entwürfen und an Taten!
Gesteh ich's Euch! Als man Euch herbeschied
War finster meine Brust, und Gräßliches,
Das Äußerste bewegte sich in mir.
Doch Euer Anblick bannte jene Schatten.
Lernt mich erst kennen, achten wohl zuletzt!
Des Leuchtturms Flamme seid dem irren Schiffer.
Er sieht das Ufer nicht, von Nacht umfangen,
Doch steuert er getrost dem Schimmer zu,
Er weiß, dort wo das Licht, ist Land und Rettung.
Ihr wollt? Ihr tut's? Gebt mir die Hand darauf.
Die Hand, um die ich bitte—Eure Hand!

Erny.
Ha, was war das? Enthüllst du selber dich?
Tilg erst den Schimmer dort aus deinem Auge,
Der lauernd sich gelungner Plane freut.
Wirbst du nach Tugend, und gehörst der Sünde?

Otto.
Der Sünde nicht! Noch nicht! Noch ist es Zeit!
Gib mir ein mildes Wort, und rette dich,
Errette dich und mich.

Erny.
Ich, Milde dir?
Ich hasse, ich verabscheue ich ver—