Otto.
—- achte!
Verachtung, war's nicht so?—Merkt Euch das Wort!
Ihr spracht es einmal schon, an jenem Abend,
Merkt Euch das Wort! Ihr steht dafür mir Rede!
Fahr aus, du guter Geist, der mich beschlich,
Als ich sie bat, der fast mich übermannt,
Räum deinen Platz dem Finstersten der Hölle!
Schwachsinnig Weib mit der erlognen Tugend,
Die heilig möchte heißen, weil sie kalt,
Du liebst mich nicht? Was frag ich um dein Lieben!
Du hassest mich? Was kümmert mich dein Haß!
Doch weißt du, Törin, was Verachtung heißt?
Verachtest du mich, Weib? Das bitt mir ab,
Auf diesen deinen Knieen bitt es ab,
Sonst fürchte meinen Zorn!
Erny.
O Gott! mein Gott!
Wer rettet mich?
Otto.
Du selbst! wenn du dich fügst.
Allein, wenn nicht, dann Unglücksel'ge! wisse:
Verschwinden sollst du vom Gesicht der Erde,
Daß sich die Leute fragen: ist sie tot?
Indes du lebst in dunklen Schauerklüften,
Umgeben von des Ortes Einsamkeiten,
Wo nur Erinnerung und du.
Dort sollst du jammern, sollst die Hände ringen,
Wie einen Festtag zählen jeden Tag,
Wo mich mein Fuß in deine Zelle trägt.
Umsonst dein Flehn, umsonst selbst deine Liebe
(Näher tretend.)
Wenn du mir Liebe bötest selbst.
Erny.
Ich dir?
Ha, mein Gefühl, ich hab es dir genannt.
Otto.
Du hast, es sei!
(Er tritt hinter den Vorhang.)
Erny.
O Gott! Was wird?
Er sinnt Gefährliches. Nur fort! Entfliehn!
(Sie eilt zur Türe, und versucht es, sie zu öffnen.)
Die Tür verschlossen.—Gott, wer schloß die Tür?
Wer rettet mich? Sie kommen! Großer Gott!
(Der Vorhang fliegt auseinander. Herzog Otto tritt vor. Hinter ihm zwei Gewappnete, deren einer die Schnur des Vorhanges gezogen hat. Im Hintergrunde zeigt ein, aus seinem Rahmen geschobenes, großes Bild den Eingang, durch den sie gekommen sind.)
Otto.
Ergreift dies Weib! Bringt sie nach Forchenstein,
Auf den geheimen Pfaden, die ihr kennt.
Erny (die wieder nach der linken Seite des Vorgrundes geflohen ist).
Mein Prinz!
Otto.
Es ist zu spät!