Zawisch (laut).
Für wackre Leute:
Was man verschweigt, erratet ihr auch nicht;
Errietet ihr's, ihr könntet's nicht verschweigen!
Es öffnet sich die Tür der Königin,
Sie kommt, mit ihr der Großalmosenier,
Der Graf von Habsburg. Laßt uns gehn,
Wir wollen sie nicht in der Hora stören.
(Ziehn sich zurück.)

(Die Königin tritt aus ihrem Zimmer mit Rudolf von Habsburg. Hinter ihr zwei Diener, die Bertan ohnmächtig in einem Lehnstuhl heraustragen. Daneben Frau Elisabeth, die sie unterstützt.)

Margarethe (im Auftreten gegen die zurückweichenden Rosenberge).
Da gehn sie hin; wie dunkle Wetterwolken,
Die, wenn sie sich entleert, nach Aufgang ziehn.
(Gegen Berta gewendet.)
Bringt sie in ihr Gemach und sorgt für sie,
Nach wenig Augenblicken komm ich selbst.

Rudolf.
Beinah zu viele Sorgfalt, gnäd'ge Frau!
(Berta, von Verwandten umgeben, wird fortgebracht; auch beide Merenberge
entfernen sich.)

Margarethe.
Sie selbst ist kaum so schlimm, nur schwachen Geistes,
Und töricht eitel, das hat sie verführt.
Doch ihre Vettern, ihre Anverwandten,
Der starre Milota, der Geifrer Benesch,
Und Zawisch, jener Schlimmste wohl von allen,
Mit Reichtum, Macht und Hoffnung auf den Thron—
Ja, so weit ging der Übermüt'gen Stolz—
Verlockten sie das leichtbetörte Kind.
Seit lange sah ich sie, die bösen Engel
Des Königs, meines Herrn, verstohlen reißen
An den nur allzuschwachen Banden, die
Kaum Ottokarn noch fesselten an mich.
Ich hörte, wie sie seinen Wunsch nach Erben,
Nach angebornen Folgern seines Throns,
Mit heuchlerischem Mitleid listig nährten.—
Ein Wunsch, gar wohl verzeihlich einem König!
Doch was soll Erbrecht, das aus Unrecht stammt?
Sie waren es, die dieser Ehe Trennung
Mit unermüdlicher Geschäftigkeit
Und ohne Auftrag fast des Königs trieben;
Denn eine ihres Hauses hofften sie
Zu setzen auf der Böhmen Herrscherthron:
Die Arme, die jetzt mit dem Wahnsinn ringt!
Wie oft war sie an Festen mir genüber,
Mit Schmuck bedeckt, des Hofes Schwall um sie;
Indes ich einsam saß mit meinem Gram.
Der König Augen nur für ihren Reiz
Und Ohr für ihren Wunsch, des Mundes Dräun
Zur Schmeichelei herabgestimmt für sie.
Sie aber froh und stolz und überselig,
Wohl gar verächtlich blickend hin auf mich.
Da fühlt' ich Mitleid mit dem armen Opfer
Und nahm mir vor, am Tage ihres Falls
Ihr mild zu sein und hilfreich ihrem Unglück.
O Ottokar, wie viel nimmst du auf dich!

Rudolf.
Vergeßt nicht ob der Unbild an der Fremden
Der eignen, größern Unbild, gnäd'ge Frau!

Margarethe.
O glaubt nicht, daß den König ich entschuldige!
Fern sei von mir, daß ich je Böses lobe!
Er handelt unrecht, unerlaubt an mir,
Und sagen will ich's ihm, tret ich vor ihn.
Bin ich nicht jung; ich hab es nie verhehlt!
Hat Gram der Züge Reiz mir ausgelöscht;
Er sah mich ja, bevor er um mich warb!
Vermißt er Munterkeit an mir und Scherz;
Wer hieß den Muntern denn zur Freite gehn
Bei der unsel'gen Königin der Tränen,
Zum Grab gebeugt durch all der Ihren Tod?
Seitdem mit diesen Augen ich gesehn,
Im grausen Kerker von Apulien,
Den röm'schen König Heinrich, meinen Gatten,
Des harten Friedrich allzu weichen Sohn,
Von nahverwandten Händen liegen tot,
Und tot die beiden hoffnungsvollen Kleinen,
Die ihm mein Schoß, seitdem verschlossen, trug;
War Lust ein Fremdling dieser öden Brust,
Und Lächeln floh entsetzt von meinen Lippen,
Die Gram und Schmerz mit seinem Siegel schloß.

Was gibt man an als unsrer Trennung Grund?
Den ersten weiß ich: ich bin kinderlos
Und ohne Hoffnung, je ein Kind zu säugen;
Weil ich nicht will, weit mehr noch als nicht kann!
Das wußte Ottokar, als er mich freite,
Ich sagt' ihm's, und er nahm es für genehm;
Denn auf mein reiches Erb' von Österreich
War da sein Sinn gestellt und seines Vaters,
Des ländersücht'gen König Wenzeslav.
Was will der König also? Kinder, Erben?
Ein Bettlerkind säß' besser auf dem Thron,
Als Königssöhne, die das Unrecht zeugte!

Was gibt man weiter an, als fernern Grund?

Rudolf.
Verwandt seid Ihr in unerlaubtem Grad.