Margarethe.
Man hat in meiner Jugend mir erzählt
Von einem Bela wohl und einem Geysa,
Die Brüder waren, Töchter hatten und
Nach Österreich und Böhmen sie vermählten
In Väter Väterszeit. Der König spottet!
Es sind die Fürstenhäuser alle sich verwandt,
Und solchen Grads Erlassung fällt nicht schwer.
Auch hat man anfangs dessen nicht erwähnt!

Rudolf.
Erinnrung kam mit der gelegnen Zeit!

Margarethe.
Glaubt nicht, daß mich bekümmert, fortzugehn,
Daß es mir leid tut um des Hofes Ehren!
O könnt' ich jetzt, in diesem Augenblick,
Weit hinter mir der Krone Glanz und Pracht,
Nach Haimburg hin, in meiner Väter Schloß,
Allwo ich saß nach meines Gatten Tod
Und sein und meiner Kinder Fall beweinte!
Der König sende heute noch mich fort,
Ich will ihm danken, wie ich nie gedankt!
Doch soll er mir die Ehe nicht betasten,
Beflecken nicht das Band, das uns vereint,
Und so der jüngstverfloßnen Jahre Lauf
Zum Greuel machen und zum Ärgernis!

Ich habe diese Krone nicht gesucht!
Auf Haimburg saß ich, meines Grams gedenkend,
Beinah dem allgemeinen Elend taub:
Denn Brand und Raub verwüstete mein Land;
Der Ungar hier, der Baier dort, der Böhme,
Sie hausten mit dem Schwert in Österreich,
Verderbend meiner Väter schönes Erbe.
Da tagten sie, die Herrn, zu Triebensee,
Wie sie dem Wesen einen Vogt gewännen,
Und Boten sandten sie ins Meißnerland,
Von dorther einen Fürsten sich zu holen,
Konstanzias, der Babenbergrin, Sohn.
Die Boten aber fing der König auf,
Der damals herrscht' in Böhmen, Wenzeslav,
Der Listige; und ließ nicht eher ab
Mit Bitten, Drohn, Versprechen und Geschenken,
Bis seinem Sohn, bis diesem Ottokar
Der Herren Wahl, des Landes Herrschaft wurde.
Der wollte, jener nicht; und neuer Krieg
Durchflammte glühnder meines Landes Fluren.
Da traten zu mir hin, auf Haimburgs Schloß,
Die Landesherrn und klagten ihre Not.
Ein Mittel als das einz'ge nannten sie:
Des Stärksten Recht durch meines zu verstärken,
Durch Ottokars Vermählung und die meine
Mit Böhmen zu vereinen Österreich.
Ich sagte: Nein! gedenkend meines Gatten,
Der meine Treue mit sich nahm ins Grab.
Da führten sie mich auf des Schlosses Söller
Und zeigten mir das glutversengte Land,
Die Felder nackt, die Hütten leer, die Menschen tot.
Von Weibern, Kindern, Blutenden, Verletzten
Sah ich mit Schaudern, heulend, mich umgeben,
Zu mir um Rettung flehend, die's vermochte.
Da wollt' ich alles und versprach es ihnen!
Sie aber brachten Ottokarn zu mir,
Mir ihn bezeichnend als den künft'gen Gatten.
Mit schwarzem Aug' aus schwarzen Brauen blickend,
Stand er in scheuer Ferne sinnend da—
Und maß, der Jüngling, mich, die Alternde.
Allein des Landes Not bei mir gedenkend,
Trat ich zu ihm und sprach ihn freundlich an;
Und so ward ich sein Weib. Ich hab ihn nie geliebt;
Ich dachte nie, ob ich ihn lieben könnte:
Doch sorgt' ich still für ihn, und wie ich sorgte,
Fand ein Gefühl sich mir im Innern ein,
Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch
Nichts von der Liebe Glück. So war's mit uns.
Nun urteilt, ob Entfernung mich erschreckt.
Ja, ich will gehn, doch bleibt die Ehe fest,
Nichts ward verletzt, was ihren Bruch begehrte.

Rudolf.
Von einem spricht man noch: daß Ihr zu Trier,
Nach Eures Gatten, König Heinrichs Tod,
Nicht mehr Euch zu vermählen feierlich gelobt.
Doch ist's Erdichtung wohl!

Margarethe.
Nein, das ist wahr!
Es war kein feierlich Gelübd', kein solches,
Das andre Bande kirchlich brechen könnte;
Doch hab ich es gelobt—und hätt' es halten sollen!

Zu Trier lag ich im Gebet vor Gott,
Und ew'ge Treu und ew'gen Witwenstand
Gelobt' ich meinem Gatten, König Heinrich.
Nicht Manneshände sollten je berühren
Den kleinsten Finger mir, des Kleides Saum,
Und selbst ein Weib nicht meine Lippen küssen,
Die einst an Heinrichs teurem Mund geruht.
Ja, ich gelobt's, und alles Unheil rief ich,
Wenn ich's je bräche, nieder auf mein Haupt.
Das Unheil, merk ich, tut, was seines Amtes.
Nochmal, es war kein feierlich Gelübd'!
Ich tat's nur mir und meines Heinrich Schatten!
Doch war's Gelübd', ich hätt' es halten sollen!

Rudolf.
Was, gnäd'ge Frau, soll ich dem König melden?

Margarethe.
Wie rasch wir sind, an andern das zu tadeln,
Was selber wir, wenn minder gleich, verübt!
Sagt König Ottokar, Herr Graf von Habsburg:
Das Ganze legt' ich ihm auf sein Gewissen,
Was er entscheide, das sei mir genehm.

Rudolf.
Ihr willigt ein?