Seyfried.
Ihr auch?
Merenberg.
Ich weiß, mein Sohn!
Seyfried.
Wie? so ein Herr, ein Ritter, so ein König,
Und täte schlimm an seinem eignen Wort,
Die Frau verlassend, die ihm angetraut?
Hab ich nicht knabenweis bei ihm gedient,
Und war er mir ein Muster, Vorbild nicht
Von jedem hohen Tun?
Merenberg. 's wird keiner bös, Der nicht, bevor er's ward, erst gut gewesen!
Seyfried.
Und was ich Löblichs tat und Gutes dachte,
An ihn hielt ich's und an sein adlig Walten,
Gar tief beschämt ob des zu großen Abstands.
Er hat die letzte Zeit mich schwer gekränkt,
Ich durft' nicht mit ihm in die Ungarschlacht!
Denn seht, er denkt wohl, daß ein alt Gefühl
Für Berta noch von Rosenberg—Ihr wißt ja!—
O hätt' ich das aus seinem Leben fort,
Den einz'gen Fleck, im andern steht er rein!—
Doch glaubt! sie haben ihn dazu verleitet,
Die Rosenberg! Der Vater—pfui des Kupplers!
Merenberg.
Denk was du willst, nur eines halt für wahr:
Die Königin muß fort, und sie und ihre Diener,
Das Ärgste haben sie, das Äußerste zu scheun.
Ich geh noch heute heim nach Merenberg,
Auf meiner Väter Schloß, auch du mußt fort!
Seyfried.
Wie, Vater?
Merenberg.
Du! dies törichte Vertrauen
Soll dich nicht selber an das Messer liefern.
Du folgst mir nach, zum Schein; allein in Bruck
Harrt dein ein treuer Knecht mit frischen Pferden,
Und während man dich bei dem Vater glaubt,
Eilst du nach Deutschland auf verborgnen Pfaden.
Die Königin will sich ans Reich nicht wenden
Mit ihrer Not; ich aber will's, hilft Gott!
Ich will nicht sehn die Tochter meines Herrn
Von Haus und Land vertrieben, ohne Schutz.
Du gehst nach Frankfurt, und dies Schreiben gibst du
(Er öffnet das Koller, in dem der Brief steckt)
Dem Erzbischof von Mainz. Allein man kömmt,
Wir sind bewacht, (indem er sich von ihm entfernt) Verschwiegenheit und Eile!
Ein Tag zuviel ist dreißig Jahr zuwenig!
(Benesch von Diedicz und Milota kommen.)