Füllenstein.
Sorgt nicht!

(Diener zurück.)

Ottokar.
Nun, kommt die Königin?

Diener.
Sie will nicht, Herr!

Ottokar.
Sie will nicht? will nicht, wenn ich es gebiete?
Sag ihr!—Doch laß! Sie wird sich selbst besinnen:
Mit Weiberlaunen hat man billig Nachsicht!
Nur fort, ihr Herrn!

Der Erste der Reichstaggesandten (die sich unter der Menge befinden).
Mein gnäd'ger Herr und König!

Ottokar.
Wie, mein Herr Abgesandter, Ihr noch hier?

Abgesandter.
Noch immer harrend einer gnäd'gen Antwort
Für meine Kommittenten, für die Wahlherrn
Des Heil'gen Röm'schen Reichs.

Ottokar.
Mein Herr Gesandter,
Die Antwort ist denn auch nicht gar so leicht!
Ich bin ein König über viele Länder,
Zu viel beinah für eines Menschen Kraft.
Nun soll ich mit der Sorge mich belasten
Für noch ein Land, und für ein Land, das selber
Mitsorgen will und sitzen mit im Rat.
Ich bin gewohnt, wenn ich mal sage: Ja;
So gilt's den Kopf, wenn jemand spräche: Nein!
Und was könnt ihr denn eurem Fürsten bieten?
Die Zölle sind versetzt und die Gefälle;
Was nur des Kaisers war, es haben
Im langen Zwischenreich sich die und der
Mit räuberischen Händen drein geteilt.
Soll ich das Mark von meinem reichen Erbland
Nun setzen auf so trügerisches Spiel?
Euch Herrn gefiele wohl, mit meiner Habe
Zu helfen eurer dringend bittern Not;
Doch will ich lieber hier in Böhmen sitzen
Und eines armen deutschen Kaisers lachen,
Als selbst ein armer deutscher Kaiser sein.
Indes verschmäh ich nicht, die höchste Macht
Vielleicht zu krönen mit der höchsten Würde,
Auf Karl des Großen Thron, ein zweiter Karl,
Zu sitzen in des Reiches Vollgewalt:
Doch soll man mir die Kron' erst selber bringen
Und legen auf dem Kissen dort vor mir,
Bevor ich mich entscheide, was geschieht.

Ich habe meinen Kanzler hingesandt,
Herrn Braun von Olmütz, auf den Tag nach Frankfurt,
Und seht, er schreibt mir,
(er zieht den Brief hervor) daß die Wahl des nächsten
Wird vor sich gehn. Dem Pfalzgraf bei dem Rhein
Trug man den Ausspruch auf im Kompromiß.
Er ist zwar nicht mein Freund; er und der Mainzer,
Sie schmieden Ränke, wie mein Kanzler schreibt;
Allein die deutschen Fürsten wagen's nicht,
Dem Stirnenrunzeln Ottokars zu stehn.
Die Kron' ist mein! das heißt: wenn ich sie mag.
Doch laßt sie hier erst sein, dann will ich sprechen.