Nebstdem ist dieses Werk nicht mehr mein eignes.
Des Landes Älteste die mich begleitet
Als wir umschritten rings den weiten Raum,
Sie haben sich, einstimmend meinen Gründen,
Gesamt erklärt für diesen selben Ort.
Libussa. So hältst du sie für weiser denn als dich?
Primislaus. Ich weiß nicht. Etwa nein. Allein, Libussa,
Wenn wir das Ganze besser überschaun,
Verstehn die einzelnen was einzeln besser
Und ihren Rat nicht acht ich ihn gering.
Dann, glaubst du nicht, daß wenn sie eingewilligt,
Mit Doppelkraft sie an die Arbeit gehn?
Nicht nur den eignen Nutzen liebt der Mensch,
Die eigne Meinung hat ihm gleichen Wert,
Er hilft dir gern, sieht er im Werk das seine.
Ja selbst der Himmel, scheint's, stimmt mit uns ein.
Wir gingen lang, ich und die Ältesten,
Die zögernd folgten, Zweifel in den Blicken,
Ihr ganzes Wesen ein vernehmlich: Nein,
Da schallt mit eins der Wald von Axtesschlägen
Und einen Mann gewahren wir, der rüstig
Sich einen Eichbaum fällt mit voller Kraft.
Wir fragen ihn wozu das Werkstück solle?
Da sagt er: Prah! was in des Volkes Munde
So viel als Schwelle heißt, des Hauses Eingang.
Daß uns nun beim Beginn des neuen Werks
Die Schwelle gottgesandt entgegenkomme,
Das fiel die Männer, wie von oben, an.
Hier soll sie stehn, so riefen sie, die Stadt,
Und Praga soll sie heißen, als die Schwelle,
Der Eingang zu des Landes Glück und Ruhm.
Libussa. Die Schwelle, das ist gut.
Primislaus. Nicht wahr, Libussa?
Ich seh es glühen hoch in deinem Auge,
Wir stehn auf deines Geistes Machtgebiet.
Man schelte mir die Vorbedeutung nicht!
Wenn irgendein Gedanke, tatenschwanger
Und einer Zukunft wert, entsteht im Menschen,
Dann sammeln sich nicht nur die eignen Kräfte,
Daß Geist und Leib vereint im selben Punkt,
Auch die Natur, die roh gedankenlose,
Sie fühlt den Anhauch eines geist'gen Wehns
Und eilt als Mittel sich dem Werk zu fügen,
Anteil zu nehmen an der edlen Tat.
Was weit entfernt und scheinbar widersprechend
Es nähert sich, gibt auf den Widerstand,
Das Unerklärte schimmert von Bedeutung,
Und eine Seele wird ihm der Gedanke,
Um den sich schart was feindlich sonst und starr.
Da mag denn auch, vorahnend was geschieht,
Wie einer schweigend nickt wenn man ihn frägt,
Die Körperwelt durch Bild und Vorbedeutung
Andeuten was erlaubt und ihr genehm.
Libussa. Ich sehe dich bekehrt zu meiner Meinung.
Primislaus. Ich bin es, ja, und war es immerdar.
Schlecht ist der Ackersmann, der seine Frucht
Von Pflug und Karst, von seinem Mühn erwartet
Und Licht und Sonne, was von oben kommt,
Nicht als die Krone achtet seines Tuns.
Es wirkt der Mensch, der Himmel aber segnet.
Und also vorbereitet, wirst du uns
Versagen nicht die Huld um die wir flehn.
Libussa. Was ist es Primislaus was ihr begehrt?