Primislaus. Ich wünsche dieses Werk als Götterwille,
Als einen Wink von oben angesehn.
Wir haben einen Altar aufgerichtet
Und Opfer sollen weihen unsern Platz.
Wär's dir genehm, nach deinem höhern Wissen,
Der Feier vorzustehn in Priesterart?
Vielleicht, daß die Betrachtung ferner Zukunft
Ein Wort dir eingibt, das den Mut befeuert
Und des Gelingens Hoffnung uns belebt.
Libussa. Es schweigt der Geist seit lang in meiner Brust.
Ich bin nicht wie die Schwestern, deren Ausspruch
Aus strengbewiesnen, sichern Quellen rinnt;
Nur manchmal, wenn ich meines Vaters dachte
Und meiner edlen Mutter, die, ein Rätsel,
Wie höhern Ursprungs, unter uns geweilt,
Da kam mich an ein unerklärtes Schauen,
Ich fühlte: also muß es, werd' es sein,
Und siehe da! es war; ich weiß nicht wie.
Doch scheint's, nicht nur des Körpers rauhe Gaben,
Die edeln auch des Geistes brauchen Übung,
Sonst schlummern sie auf weichen Kissen ein.
Seitdem ich angewohnt, mich deiner Weisheit,
Mich deinem tiefen Sinne zu vertraun,
Entsteht kein Bild mir mehr in meinem Innern,
Des Schauens edle Gabe scheint verwirkt.
Primislaus. Die Götter geben nicht auf daß sie nehmen
Und was du warst das bleibst du ewiglich.
Libussa. Auch bin ich schwach von meinem letzten Siechtum.
Müßt' ich mich zwingen, steigern mit Gewalt,
Der Leib ertrüg' es nicht, glaub, ich erläge.
Obwohl's mich lockte, noch einmal, zum letzten,
Hinanzuklimmen auf des Schauens Höhn,
In Bild zu kleiden—schwerer Ahnung Träume
Und zu verkörpern was noch wesenlos.
Doch glaub ich, Primislaus, mehr als die Seh'rin
Liebst du dein Weib. Ich will sie dir erhalten.
Primislaus. Du lehnst es ab, braucht's da noch weitern Grund?
Und unsers Werkes Absicht auch mißfällt dir.
Du bist die Frau in diesem weiten Land
Und ich der erste deiner Untertanen.
(Zu einem Begleiter.)
Bestellt die Feier ab und sagt den Männern
Das Weitere erfahren sie demnächst.
(Der Angesprochene geht.—Primislaus zu Wlasta.)
Und nun zu dir!
(Libussa hat Dobromila einen Wink gegeben und entfernt sich während des folgenden, nur von dieser gefolgt, unbemerkt durch die Seitentüre rechts.)
Ich kenne deine Sendung.
Ich weiß, daß deine Frauen, nur sich selbst
Und ihres Ursprungs dunklen Quell betrachtend,
In unfruchtbares Sinnen tief versenkt,
Mit Feindesaugen all mein Tun betrachten.
Daß die Vermengung mit dem Menschenschicksal,
Daß alles was gemeinsam sie verletzt
Mich aber widert's an, als schlauer Hirte
Zu weiden einer Herde gleich das Volk,
Nur hoch, weil andre niedrig und beschränkt.
Belästigt sie die laute Menschenmenge,
Wir haben andre Schlösser noch im Land,
Dort mögen sie mit ihrer Jungfraun Schar
In unnahbarer Abgetrenntheit weilen,
Und das Gewohnte, weil es doch bequem,
Starr wie sie selbst, für ew'ge Zeit bewahren.
Wir wollen weiter, weiter in der Bahn,
Ich und mein Volk, als Bürger und als Menschen.
So sagt' ich dir, wenn nicht Libussa selber
Mit ihren Schwestern diesmal einig dächte.
Sie billigt's nicht, damit zerrinnt mein Vorsatz,
Und deine Frauen mögen ruhig hausen
Von mir und von der Wohlfahrt ungestört.
Wlasta. Die Kunde wird die Schwestern hoch erfreun,
Zumal als Zeichen, daß Libussa frei
Und Herrin noch von ihrem Tun und Wollen.
Primislaus. Wer zweifelt dran? Ist nicht das Land,
Bin ich nicht selbst ihr dienend zu Gebot?