Wlasta. Sie liebt und fügt sich, nennst du das wohl frei?

Primislaus. Wer frei sich fügt den nenn ich nicht gezwungen.

Wlasta. Wer seinem innern Wesen widerspricht
Der ist gezwungen, ob durch sich, durch andre.
Glaubst du, Libussa sei Libussa noch
Als Ordnerin des Hauses, als die Herrin
Von Mägden die die laute Spindel drehn?
Hat darum Krokus unser hoher Herr
Sich einer göttergleichen Frau vermählt,
Daß seine Töchter mit gemeiner Sorge,
Mit engem Treiben um ein Nichts bemüht?
Sie fühlt es nicht, allein ihr Wesen fühlt's.
Wo ist der Blitz des Augs, das adlergleich
Die Zukunft maß wie eine Gegenwart?
Wo ist die Kraft, die hebend ihre Brust,
Zu sich erhob was nah und was entfernt?
Sie sehnt sich nach den Schwestern, glaube mir,
Dort ist ihr Platz, hier ist nur ihre Stätte.

Primislaus. Und doch flieht sie der Schwestern Gegenwart.

Wlasta. Weil sie sich scheut vor ihren eignen Wünschen.
Schon einmal sandte sie mich auf ihr Schloß
Und bat um Rückkehr in den Kreis der Ihren.

Primislaus. War später das als unsrer Ehe Bund?

Wlasta. Es war vorher.

Primislaus. Du sprichst dir selbst die Antwort.
Umgeben ist sie hier mit aller Ehrfurcht,
Vor ihrem Willen beugt sich jedermann.
Selbst unsre Stadt, die wir schon Praga nannten,
Wir gaben sie mit schwerem Herzen auf,
Weil ihr die Absicht nicht, das Werk, gefiel.
Sie ist Gebieterin.

Wlasta. Hier meine Antwort.

(Libussa kommt schwarz gekleidet, von zwei Dienerinnen gefolgt, aus der Seitentüre.)