Sappho.
Erzählung wollt' ich hören, und nicht Lob!

Eucharis.
Als nun des Bades langes Werk vollbracht,
Getrocknet Angesicht und Brust und Wange,
Ging fröhlich singend sie ins Haus zurück,
Also vertieft und so in sich verloren,
Daß sie der Blätter, die ich aus dem Dickicht
Nach ihr warf, sie zu schrecken, nicht gewahrte.
Hier angelangt trat sie in ihre Kammer,
Schloß ab, und was sie schafft das weiß ich nicht.
Nur hört' ich sie in Schränken emsig suchen,
Dazwischen tönte heiterer Gesang!

Sappho.
Sie singt und Sappho—nein, ich weine nicht!
Bring sie zu mir!

Eucharis.
Melitten?

Sappho.
Ja, wen sonst?—
Melitten!—Ach ein süßer, weicher Name,
Ein ohrbezaubernd liebevoller Name!
Melitta—Sappho!—Geh bring sie zu mir!

(Eucharis ab.)

Vierter Auftritt

Sappho (allein. Sie setzt sich auf die Rasenbank und stützt das Haupt
in die Hand. Pause).
Ich kann nicht! Weh!—Umsonst ruf ich den Stolz,
An seiner Statt antwortet mir die Liebe.
(Sinkt in die vorige Stellung zurück.)

Fünfter Auftritt

Melitta. Sappho.