Freudenhöhe-Tobiaskiefer (2½ Std.).
Von Freudenhöhe weg wandert man auf der prächtigen Kaiserstraße wsw.; sie zieht sich zwischen hochstämmigem Wald, der jede Aussicht absperrt, an der nach N. abfallenden Lehne des Schwammberges fast eben dahin und ist überdies rechterseits mit einer Allee alter Eschen besäumt. Erst nach 14 Min. wird die Straße waldfrei; r. vorn erscheint der Trögelsberg, l. rückwärts an der Lehne des Schwammberges begrüßt uns als erster Vorposten des Sandsteingebirges das schroffe, von Kletterfexen hie und da aufgesuchte Gebilde des »Rabensteins«. In 1 Min. ist die einschichtig an der Straße r. gelegene als No. 168 zu dem wenige Min. entfernten Pfarrdorfe Pankraz gehörige Windschänke auf der 391 m hohen Satteleinsenkung zwischen Schwammberg (659 m) und Trögelsberg (537 m) erreicht, wo von r. her aus dem Neißetale eine Bezirksstraße über die weit zerstreute Ortschaft Niederberzdorf (117 H.) in 45 Min. einmündet. Das Gasthaus führt seine Bezeichnung »zur freien Aussicht« nicht mit Unrecht: ein fesselndes Panorama spannt sich zwischen den Gehängen des Schwammberges im SW. und des Trögelsberges im NO.
So ziemlich den Mittelpunkt bildet über Ringelshain (Kirche und Fabriksschlote) der Ortelsberg bei Zwickau, dem in gleicher Entfernung der Limberg bei Mergtal r. und der Tolzberg bei Brims l. zur Seite steht. Zwischen Ortelsberg und Limberg sind rückwärts die Rücken von Sonneberg und Blottendorf eingeschoben; knapp r. am Limberg zeigt sich die Spitze des Kleis über den Häusern von Schwarzpfütze im Vordergrunde, dann folgt vorn der Falkenberg bei Petersdorf vor den Bergen bei Falkenau, und den Abschluß auf dieser Seite bildet der Hochwald (Turm), hinter dem r. der Gipfel der Lausche hervorschaut. Andererseits, zwischen Ortelsberg und Tolzberg, erhebt sich der Laufberg bei Brims l. hinter Ringelshain. 2. an den Laufberg schließt sich jenseits der hochgelegenen Häuser von Kunewalde das Schwoikaer Gebirge vor dem Koselrücken. 2. vom Tolzberge hat man das Pfarrdorf Pankraz zu Füßen vor dem Kirchberge, der den Roll deckt, l. neben sich aber die Spitzen der beiden Bösige dem überraschten Beschauer frei läßt.
Das Gasthaus gehört zu dem vor uns am Fuße des Kammes liegenden, nur wenige Min. entfernten, alten Pfarrdorfe Pankraz, das im 14. Jahrh. »Dietrichsdorf« hieß, in der 1710 erbauten Kirche zwei wertvolle Bilder besitzt und 176 Häuser zählt, deren Bewohner vorwiegend Landwirtschaft betreiben. Pankraz ist Geburtsort des 1662 im Alter von 55 Jahren verst. gekrönten Dichters Christian Keimann. Von hier sind die Bahnstationen Ringelshain und Schönbach-Seifersdorf auf guten Straßen in je 40 Min. zu erreichen, wobei man die ganz nahe r. am Saume des Trögelsbergwaldes gelegenen »Elefantensteine« nicht übersehen möge, Sandsteingebilde von Elefanten ähnlicher Gestaltung, die nach ihrer Färbung auch die »weißen Steine« genannt werden.
Knapp hinter dem Gasthause zweigt der Kammweg r. von der Kaiserstraße ab und führt ziemlich steil in einer Art Hohlweg lehnan durch Nadelwald auf die Höhe des Trögelsberges (537 m). Dieser bildet den höchsten Punkt des westlichen Abfallrückens des Jeschkengebirges und ist sowohl wegen des in scharfem Kamm anstehenden und den darunter lagernden Grauwackenschiefer in steil aufgerichteten mächtigen Bänken überragenden Koryzaner Quadersandsteins, wie auch wegen der in den Sandsteinbrüchen daselbst vorfindlichen Versteinerungen (insbes. Pecten aequicostatus) eine für Geologen höchst interessante Örtlichkeit, so daß selbst Alexander v. Humboldt, wie es heißt, noch als Greis im J. 1851 hieher reiste. Auch Kaiser Josef II. berührte am 17. Sept. 1779 gelegentlich seiner strategischen Bereisung Nordböhmens diesen Berg. Er gewährt von den felsigen Punkten seines Kammes – der Gipfel selbst ist bewaldet – eine weite Rundsicht, die nur gegen den sö. vorgelagerten Jeschkengebirgszug unterbrochen, äußerst lohnend aber gegen W. ist.
Im N. erblickt man zu Füßen die Häuser von Niederberzdorf, dahinter Grottau und Zittau mit den umliegenden Ortschaften, rückwärts – besonders schön – die Landeskrone bei Görlitz; nö. den Gickelsberg, weiter r. das Isergebirge mit den Vogelkoppen und der Tafelfichte; ö. unten im Neißetale Weißkirchen und einen Teil von Kratzau; sö. jenseits des Pankrazer Sattels den massigen Kalkberg und den Langeberg; s. Ruine Dewin, r. davon die Hirschberge, Roll, Wartenberger Limberg, Kamnitzberg (Turm); Tolzberg im Südwesten, r. dahinter Leipaer Spitzberg (Turm) und Schwoikaer Gebirge; w. Ortelsberg und Mergtaler Limberg; nw. Hochwald und Lausche hinter dem Pfaffenstein.
Wohl Niemand versäumt es, ein oder das andere Gesteinsstück mit besonders schönen Muschelabdrücken aus dem zum Teil mauerartig aufstrebenden Gestein als Andenken abzulösen, bevor er über das bröcklige Gestein der Kuppe hinabsteigt auf den bequemen Weg, der in prächtigem Jungwald längs des Kammes weiterzieht. Nach wenigen Min. kreuzt ihn ein Fußsteig, der von Pankraz herauf nach Niederberzdorf führt, ungefähr an der Stelle, wo der Blick an einer mächtigen Felsenwand vorbei auf den Hochwald fällt, der mit seinem Turme die vorliegenden Baumwipfel überragt. Ein prächtiges Bild! – Hochstämmiger Nadelwald nimmt uns auf, die so eben erwähnte, vielfach zerklüftete Felsenwand, die sogenannten »Trögelsteine«, die im Spitzstein (507 m) gipfeln, lassen wir zu unserer Linken und wandern etwas abwärts, hie und da an einen Grünsteinbrocken stoßend, bis wir – 30 Min. nach Verlassen der Trögelsbergkuppe – am Waldsaume bei einem hohen Kreuze angelangt sind, im Angesichte der Häuser von Paß.
Auf dieses Kreuz mag sich die folgende Legende beziehen, die sich im Munde des Volkes erhalten hat und in Prof. Paudler's Kammwegbuche wiedererzählt wird. Als einst ein Grenzjäger dieses Christusbild erblickte, soll er ausgerufen haben: »Was kann so ein blecherner Christus nützen!« Und bei diesen Worten schoß er nach dem Christusbilde und traf den Heiland in die Seite. Allein in demselben Augenblicke stürzte der Grenzjäger tot zur Erde, um nie wieder ein Frevelwort auszustoßen.
Wir überschreiten die von Wiesen und Feldern überdeckte, 450 m hohe Lichtung des Passerkammes, welcher als Scheidegrenze des Jeschkengebirges vom Sandsteingebirge gilt, dessen östlicher, 13 km langer Flügel vom Lauschepaß bis hieher reicht. Das vorherrschende Gestein dieses Gebirges, das wir nunmehr bis zum Endpunkte der Kammwanderung, zum Rosenberge, nicht mehr verlassen, ist der Sandstein, der in Tälern und Schluchten in weißgrauen Felsmassen überall anzutreffen ist, im übrigen aber überlagert wird von mächtigen Decken des Basalts und Klingsteins, die der Landschaft eine weitgehende Gliederung verleihen.