W. von der Tobiaskiefer führt ein Waldweg in 30 Min. nach Petersdorf an der Zittau-Gabler Straße, der sich ö. durch den Kaisergrund fortsetzt und in ebenfalls 30 Min. nach Spittelgrund führt. Auf einem Umwege kommt man dahin auch über die Mordkiefer und den Pfaffenstein.

Letzterer Weg, nur in umgekehrter Richtung, empfiehlt sich auch als Variante für diejenigen, welche den Kammweg über den Schwarzenberg schon begangen haben. Man geht hinter Paß r. durch den Wald in den Kaisergrund hinab, dann l. in demselben aufw., dem kleinen, oft versiegenden Spittelbach, der bei Dönis in die Neiße mündet, entlang bis zu den Felsengruppen; bei einem Grenzsteine, 30 Min. von Paß, r. auf einem Fahrwege empor. R. wird bald darauf der Felsenkopf des Pfaffensteins sichtbar. Am Eingange zu den Pferdelöchern, auch Felsenstadt genannt, vorüber, zwischen großen Sandsteinblöcken hindurch im Bogen r. empor zum Hufeisenberge (510 m). Ein Sandsteinblock daselbst, der einem Kopfe mit Helm ähnelt, ist ein Hufeisen eingehauen, daher der Name des Berges; von hier aus empor erreicht man in 15 Min. den Kamm, wo man auf den vom Spitzberge (l., 541 m, Basalt) herkommenden Weg stößt und auf demselben r. in 5 Min. den Pfaffenstein (569 m) erreicht. Dieser gipfelt in einer mächtigen, auffällig burgruinenartig gestalteten, vielfach zerklüfteten und ausgehöhlten Sandsteinfelsgruppe, die schon von weitem Aufmerksamkeit erregt. Ingenieur Lubisch in Lückendorf wollte im Herbst 1904 auf eigene Kosten mit Bewilligung der gräflich Clam-Gallas'schen Herrschaftsverwaltung eine Blockhütte im Ausmaße von 4 × 5 m errichten und eine eiserne Stiege auf der w., Lückendorfer Seite anbringen und den Gipfelfelsen selbst mit einem eisernen Schutzgeländer umgeben lassen. Der Ausblick von da ist besonders lieblich gegen N. und NO. ins reich besiedelte Neißetal. N.: Ganz nahe der Spitzberg, dahinter Zittau und weiter das Königsholz und Hirschfelde, r. davon hinter einander Grottau und Ullersdorf. Nö. ganz nahe Spittelgrund, dann hinter einander Ketten, Grafenstein (Schloß), Wetzwalde, der Gickelsberg und Hohenwald; l. hinter dem Gickelsberge die Kirche von Reichenau, r. von ihm Pfarrdorf Oberwittig. Im O. hinter einander Niederberzdorf, Weißkirchen, Kratzau und Voigtsbach, dann neben einander die Hemmerichberge, die Vogelkoppen, Taubenhaus, Schwarzeberg und Siechhübel im Isergebirge, überragt von der Tafelfichte im Hintergrunde. Sö.: Die abenteuerlichen Rabensteine ganz nahe, dann Dorf Paß vor dem Trögelsberg, weiter der Zug des Jeschkenrückens mit der Koppe; r. von Paß der Welsberg, zwischen beiden hindurch Pfarrdorf Pankraz am Fuße des Kirchberges. S. blickt man über walddüstere Gründe (Kaisergrund) und wildes Felsengewirr (Felsentheater) auf den Schwarzeberg im Vordergrunde, hinter welchem l. der Silberstein, Audishorner Spitzberg und Roll, r. der Tolzberg sich zeigen. Sw. vorn die Kuppen des Hufeisensteines, des Raubschloß- und Fuchsberges, im Hintergrunde der Ortelsberg. W.: Das hintere Weißbachtal mit seinen Felsgebilden und dem Straßberge, dahinter Hochwald (r.) und Falkenberg (l.), zwischendurch der spitze Kleis; l. vom Falkenberge der Mergtaler Limberg, zwischendurch der Grünberg bei Zwickau; r. hinter dem Hochwalde die Lausche, näher Brandhöhe und Töpfer bei Oybin mit dem Scharfenstein, dahinter der Jonsberg. Nw. hinter dem Töpfer sieht man nach einander den Breiteberg, den Oderwitzer Spitzberg und den Kottmar (Turm), im Vordergrunde (nahe dem Spitzberge) den Heide- und spitzen Mühlsteinberg.

Nun auf demselben Wege zurück zum Hufeisenberge. Einige Min. auf dem Fahrwege weiter aufwärts, hat man l. vom Wege einen eigenartigen und prächtig Einblick in das Felsentheater, ein eigenartig aufgebautes Gewirr von Berglehnen und Felsenmassen zu Füßen, die wie Versatzstücke und Kulissen eines Theaters neben und hinter einander gestellt erscheinen und eine herrliche Augenweide, wie von dem Schnürboden eines Theaters aus, bilden. Den Hintergrund bilden südöstlich der Langeberg und der Jeschken.

Der weitere Weg führt in 15 Min. zur Tobiaskiefer. Dabei kommen wir an der Mordkiefer im Katelloch (l.) vorüber. Letztere Benennung rührt daher, weil hier ein Mädchen aus Görsdorf bei Grottau von ihrem Geliebten, einem Spittelgrunder Grenzjäger, der sich dann selbst auch den Tod gab, ums Jahr 1830 erschossen aufgefunden wurde. Zur Erinnerung daran hatte ein k. k. Finanzwachaufseher in die Rinde der sogenannten Mordkiefer einen Todtenkopf mit der Mahnung »Memento mori« eingeschnitten.


Tobiaskiefer-Hochwald (2 Std.).

Wir folgen nördlich dem Waldfahrwege, dem alten Verkehrswege zwischen Zittau und Gabel, und erreichen durch einen Hohlweg abwärts, bei der Höhenkote 476, nach 6 Min. die Landesgrenze, gerade an der Spitze des Dreiecks, das sie hier bildet. Hier ist ein Wegweiser an einem Baume.

R. kommt man in den herrlichen, von seltsam gestalteten Sandsteinfelsen (Uhusteine, Mönch, nackte Männer, Schiller und Goethe) besäumte Weißbachtal und entlang der Landesgrenze in 1 Std. nach Hartau, wo der Weißbach in die Neiße mündet; von da weiter in 45 Min. nach Zittau. In diesem Tale führte ursprünglich der uralte Saumweg von der Burg Lämberg her nach Zittau noch eine Strecke weit, bis zum »böhmischen Tor«, d. i. zwei zusammen geneigten Felsblöcken mit alten Wappen und Jahreszahlen.

Auch unser Kammweg, ein angenehmer Waldweg, folgt der Landesgrenze, aber l., bis diese nach 5 Min. l. abbiegt, wir aber – auf sächsischem Boden – geradeaus weiter in 10 Min. zum Lückendorfer Forsthause (einfache Gastwirtschaft mit Garten) gelangen. Knapp vor dem Forsthause, wo l. der Wald aufhört, haben wir einen plötzlichen Anblick des Hochwaldes, hinter dem l. die Spitze des Kleis herausschaut; l. vom Hochwalde kommt dann auch noch der Falkenberg zum Vorschein und hinter diesem r. der Mergtaler Limberg. Das Forsthaus gehört zu Lückendorf und liegt einschichtig, 482 m hoch auf der Hauptwasserscheide, an der geschichtlich bedeutsamen Verkehrsstraße, welche in je 1½ Std. nördlich über Eichgraben nach Zittau, südlich über die Landesgrenze durch Petersdorf nach Deutschgabel, bzw. zu den Bahnstationen in beiden Städten führt. Sie wurde im 14. Jahrh. auf König Johann's Befehl aus dem Weißbachtale herauf übers Gebirge, den damals noch völlig unwirtlichen »Gäbler«, verlegt und erhielt ihre heutige Gestalt 1848. Gerade gegenüber vom Forsthause an der Straße im Walde stand ehedem eine elende Hütte, das schon 1450 bestandene »Ausgespann« für die Fuhrleute, welche vom Eichgraben bis hieher Vorspann genommen hatten. Als im Jahre 1838 das Forsthaus gebaut wurde, mußte die »schwarze Bürste« weichen, worin ein früherer Kretschambesitzer aus Lückendorf seine Schankwirtschaft betrieben hatte. Dicht am Garten des Forsthauses stehen noch acht wallartige Verschanzungen, welche 1813 vom Landvolke erbaut werden mußten. Hier ist am 19. August 1813 Napoleon durchgezogen, hat im Petersdorfer Zollhause, wo Fürst Poniatowsky, der Kommandant der französischen Vortruppen, wohnte, auf einem Holzschemel, der heute noch dort gezeigt wird, gerastet und dann im damaligen Postgebäude zu Deutschgabel – der einzigen Stadt in Böhmen, die Napoleon betreten hat – sich aufgehalten. Am 23. Juni 1866 fand hier ein Vorpostengefecht zwischen österreichischen Hußaren und preußischen Uhlanen statt.