In nächster Nähe des Forsthauses, 25 Min. nordöstlich, ist der Straßberg (544 m) mit dem vom Zittauer Verein »Globus« errichteten Aussichtsbalkon »Fuchskanzel« mit prächtiger Um- und Fernsicht über den Zittauer Kessel bis zum Kottmar, dem Löbauer Berge und der Landeskrone. Etwa 15 Min. vom Forsthause entfernt liegt nördlich an der Straße nach Zittau auf felsiger Kante die Ruine Karlsfried, wenige Mauerreste, darunter die des Bergfrieds und eines Torturmes einer im Jahre 1337 auf Befehl Karl IV. zum Schutze der Straße erbauten Zoll- und Geleitsburg, die in den Hussitenwirren eine Rolle spielte – in ihrer Nähe fand am 25. Januar 1424 ein für die Zittauer unglücklicher Kampf statt – und 1442 von den Städten Zittau und Görlitz, die sie das Jahr zuvor von Johann v. Wartenberg auf Blankenstein gekauft hatten, zum Abbruch bestimmt wurde, der jedoch nur ganz allmählich erfolgt sein kann, da die Ruine 1720 noch drei Stock hoch war. Aus der Turmruine hat man einen romantischen Blick östlich hinab in das Weisbachtal mit seinen seltsamen Felsgruppen.

Die Gabler Straße beim Forsthause kreuzend, setzen wir unsern Weg in gerader Richtung auf schöner Waldstraße fort, an der überdies Eschen, weiterhin Ahorn als Alleebäume gepflanzt sind. Nach 10 Min., währenddem wir eine Drehung nach l. machen, ist der Wald zu Ende; Lückendorf mit der Brandhöhe liegt vor uns, dahinter der Hochwald, neben dem dann l. der Mergtaler Limberg und der Kegel des Falkenberges zum Vorschein kommen. Nach 9 Min. mündet r. von Eichgraben her zwischen dem Heideberge (544 m) und Zigeunerberge (507 m) hindurch, die uns r. bleiben, ein Touristen-Weg, kurz bevor unsere Straße eine scharfe Knickung nach l. macht, wobei wir geradeaus die Spitze des Rollberges, und links den Jeschkenrücken mit der Koppe zu Gesicht bekommen. Nach 5 Min weist r. eine Wegtafel nach Oybin.

Diesen Abweg können diejenigen einschlagen, welche den Kammweg über die »Fürstenhöhe« schon kennen. Man trifft nach 15 Min. auf den Kreuzweg, welcher r. vom Töpfer durch die kleine Felsengasse herabkommt und den man jetzt l. verfolgt. Gleich hinter der Kreuzung kann man (8 Min. hin und zurück) den Scharfenstein, das sogenannte »Lausitzer Matterhorn« besteigen, eine frei und steil aufragende Sandsteingruppe, die mittelst Treppen und Stufen vom Zittauer Verein »Globus« zugänglich gemacht worden ist. Oben ist eine Schutzhütte. Der Ausblick ist vielseitig: westlich das bergumschlossene Oybintal zu Füßen, dahinter die Lausche; südwestlich Hochwald, r. hinter ihm der Kleis; südöstlich das Jeschkengebirge. Der Touristenweg führt von der Kreuzung ansteigend zur Edmundshütte (idyllisches Blockhaus, 1897 vom Oybiner Verschönerungsverein errichtet) und zur Aussichtsbank am Margaretensteig, fällt dann und tritt in die große Felsengasse mit wild zerklüfteten Felswänden. R. Abstecher (einige Stufen hinauf) zur Mönchskanzel auf jäh abstürzender Felswand (Ruhebank) mit malerischem Ausblicke ins Oybintal. Nach 4 Min. ist man über Stufen hinab am Ende der Felsengasse; r. ist der Muschelsaal, ein grottenartiger Felsüberhang mit Ruhebank und muschelartigen Auswaschungen in dem eisenhältigen Sandstein. Nach 3 Min. trifft man auf den »Fürstensteig«, der l. von Lückendorf heraufkommt, und ist wieder auf dem Kammwege.

Gleich darauf haben wir die ersten Häuser von Lückendorf knapp unter der Brandhöhe (504 m) erreicht; als Zierden tragen dieselben bemalte Scheiben aus Holz, auf die wohl von den Besitzern der Königschuß getan worden sein mag. Die Straße steigt hier etwas an, l. vom Roll treten die Hirschberge heraus, zu unserer L. der Pfaffenstein mit dem Spitzberge. Nach 3 Min. kommen wir an einer Markentafel (r.) vorüber, auf welcher die Entfernungen auf die Fürstenhöhe, Hochwald, Forsthaus Nr. VI und Hain mit 13, bzw. 65, 50 und 30 Min. angegeben sind. Nach weiteren 3 Min. sind wir beim Kurhaus Lückendorf angelangt, das an der schönsten und aussichtsreichsten Stelle des Dorfes, am Fuße des mit Nadelwald bedeckten Brandberges gelegen ist. Dasselbe enthält nebst Gastwirtschaft 20 Fremdenzimmer zum wöchentlichen Preise von 5 bis 7 Mark für ein Bett. Wundervoll ist der Blick von seiner Terrasse auf den Pfaffenstein, auf Jeschken, Roll, Tolz- und Falkenberg, während von den Turmzimmern aus sogar die Kuppen des Iser- und Riesengebirges herüber grüßen.

Pfarrdorf Lückendorf, das mit dem größten Teile seiner zwischen Wiesen und Obstgärten verstreuten Häuser seitab l. bleibt, ist das südlichste Dorf der Lausitz und liegt an einem Zuflusse des in die Polzen mündenden Jungfernbaches auf der Hauptwasserscheide zwischen Ost- und Nordsee von 373 bis gegen 500 m Seehöhe; seine 500 Bewohner betreiben Landwirtschaft, Handweberei und Holzdrechslerei. Vermöge seiner staub- und rauchfreien, geschützten, waldreichen Lage ist es seit einigen Jahrzehnten als Sommerfrische in Aufnahme gekommen, insbesondere aber seit der Eröffnung des stattlichen Kurhauses im Jahre 1898.

Gute Verpflegung und Aufenthalt findet man u. a. auch im Bergrestaurant und im Kretscham; außerdem steht eine große Zahl von Logierhäusern zur Verfügung. Der Ort ist uralt und mag in der Zeit der deutschen Kolonisation von einem Lucko gegründet und benannt worden sein. Im Jahre 1404 wird er zum erstenmale urkundlich genannt, als er in Besitz der Stadt Zittau kam, in welchem er bis heute, mit einer nur ganz kurzen Unterbrechung, geblieben ist. Im Jahre 1690 wurde die Kirche gebaut, wozu das Steinwerk von der Ruine Karlsfried benützt wurde. Hier wirkt Pastor Sauppe, der unermüdliche Aufheller der Geschichte von Oybin und Lückendorf.

Unmittelbar vor dem Kurhause weist uns das Kammzeichen r., teilweise über Stufen, in den Nadelwald auf die Südlehne des Brandberges hinauf, wo der Sandstein, aus dem der Berg besteht, in charakteristischen Wollsackformen zu Tage liegt. Schon nach 2 Min. wird der Weg eben und wendet sich nach l.; starre Binsen (Juncus squarrosus L.) und Adlerfarn (Pteris aquilina L.) besäumen ihn; nur eine kurze Strecke ist l. ein Ausblick frei, sonst führt er im Walde, den Hochwaldturm im Durchblicke, weiter, bis er nach 5 Min., wo l. unten die letzte Villa von Lückendorf steht, an der Fürstenhöhe endet. Kaiser Josef II. besuchte am 17. September 1779 gelegentlich seiner Bereisung Nordböhmens diesen Punkt, wo die Kaiserlichen in den schlesischen Kriegen Verhaue angelegt hatten, und ergötzte sich an dem wundervollen Blicke in das mit landschaftlichen Reizen so reich gesegnete Böhmen; er kam damals von Spittelgrund her übers Ausgespann und nahm vorher vor dem Pfarrhause eine kleine Erfrischung ein; das »Kaiserbörnel« hält das Andenken an diesen Besuch fest. Auch andere fürstliche Personen haben diesen Platz besucht und so den Anlaß zu seiner Benennung gegeben; u. a. war Friedrich August II., König von Sachsen, am 13. August 1850 hier, 1888 der jetzige König Friedrich August III. und 1890 König Georg von Sachsen. Dieser Punkt bietet in der Tat ein Aussichtsbild von seltener Schönheit, was Reichhaltigkeit und Feinheit der Gruppierung anbelangt, wie kein anderer unter allen den zahlreichen Spaziergängen am Brandberge.

Der ganze Höhenkranz vom Mergtaler Limberge im Südwesten bis zu den Felsenzinnen des Pfaffensteins im Osten breitet sich vor dem bewundernden Auge aus, und wird durch den Falkenberg, die Stadt Deutschgabel, den Tolzberg und Roll, die hinter einander in einer Linie gerade nach Süden liegen, wirkungsvoll in zwei Gruppen gegliedert. In dem Bilde r. vom Roll zeigt sich der doppelgipflige Bösig, das Kummergebirge mit dem Petzberge und dem an seinem Schopfe kenntlichen Eichberge, zwischen beiden hinten der weiß leuchtende Würfel des Schlosses Hauska auf waldiger Höhe, weiter r. näher der Kamnitzberg bei Reichstadt und der Laufberg nahe am Limberge; zwischen Kamnitz- und Laufberg schieben sich die Mikenhaner Steine, dahinter die Ruine Altperstein und der Maschwitzer Berg vor der Nedoweska im Daubaer Gebirge. In dem Bilde l. vom Roll erscheint fast in der Mitte die Spitze des gr. Hirschberges bei Wartenberg, in der Richtung der Ortschaften Petersdorf, Hirndorf und Markersdorf zu Füßen, l. davon der Dewin mit dem Hammerspitz, vor diesem der Audishorner Spitzberg, der Silberstein und, am nächsten, Schloß Lämberg. L. davon blickt man über Lückendorf und den Schwarzenberg längs des Jeschkenzuges vom Trögelsberge bis zur Koppe südöstlich auf den Musky bei Münchengrätz und die zweizinkige Ruine Trosky bei Turnau. Im Osten heben sich über dem Görsdorfer Spitzberge und dem Pfaffensteine die Höhen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel, Schwarzeberg) heraus, hinter welchem nach r. hin bis zum Langeberge im Jeschkengebirge die Häupter des Riesengebirges (hohes Rad) in die neblige Ferne tauchen.

Nun r. ab den grasigen, vom Erbauer des Kurhauses als nächste Verbindung mit Bahnhof Oybin (30 Min.) angelegten Fürstensteig, an »Adolfs Ruheplatz« (r.) vorüber, in 4 Min. empor auf den bewaldeten Grat, wo von rechts her der vielbegangene Touristenweg (blauer Balken auf weißem Grunde) durch die romantische Felsengasse vom Töpfer, bzw. von Oybin, einmündet (Ruhebank). Nun l. durch den Wald auf die von Lückendorf nach Oybin führende Kammstraße hinab (4 Min.), die wir beim Kurhaus verlassen. Auf dieser r. (2 Min.) zu einer wichtigen Wegkreuzung auf weiter Blöße beim sog. Kammloche unmittelbar an der Landesgrenze und auf der Hauptwasserscheide (564 m) mit prächtigem Rückblicke auf das Jeschkengebirge zwischen Pfaffenstein (l.) und Falkenberg. Wegtafeln belehren über die einzuschlagenden Richtungen. Auch ein Werkelmann hat daselbst seinen Stand.

Nördlich führt die Straße in 25 Min., am Kelchstein – 13–15 m hoher, verkehrt kegelförmiger Sandsteinblock aus rötlichem Sandstein – vorüber (l.) zur Station Oybin; südlich schließt sich an den Kammweg der sog. »Ringweg« (blauer Ring auf weißem Grunde) an, der zunächst in 22 Min. über die Landesgrenze zum Forsthaus Nr. VI (einem einfachen als Nr. 260 zu Hermsdorf gehörigen, einschichtigen Gasthause in idyllischer Waldlage auf dem 455 m hohen Sattel zwischen Hochwald und Falkenberg mit hübscher Aussicht auf Tolz, Roll und die Bösige, 1½ Std. von der Station Deutschgabel) und von da um den Südfuß des Hochwaldes unter prächtigen Ausblicken in 40 Min. nach Hain führt; westlich setzt sich der mit blauem Balken markierte Weg, welcher von der Fürstenhöhe bis hieher mit unserem vereinigt war, in 20 Min. bis zum Forsthaus Hain fort, unter geradezu entzückenden Ausblicken aufs Oybintal und Zittau.