Wir wandern geradeaus weiter auf der Straße aufwärts, wobei wir dieselben Rückblicke haben wie vorhin, und treffen nach 4 Min. wieder auf eine Wegteilung: geradeaus nach Hain und auf den Johannisstein, r. nach Oybin, l. auf den Hochwald. Letzterer ist der unsere. Am Waldsaume (r.) empor, durch den anfangs Durchblicke ins Oybintal möglich sind, dann l. anfangs mäßig ansteigend, dann ziemlich steil durch schönen Buchenwald, wo Zahnwurz (Dentaria enneaphylla L.), Sanikel (Sanicula europaea L.), Rapunzel (Phyteuma spicatum L.) und rundblättriges Labkraut (Galium rotundifolium L.) besonders üppig gedeihen, kommen wir der Landesgrenze entlang bald r. bald l. biegend, in 40 Min. auf den südlichen Gipfel des Hochwaldes, den man beim Gasthause über Stufen betritt. Auf halbem Wege dahin kommen wir an einer Ruhebank beim hydraulischen Widder vorüber, der das Wasser aus dem Johannesborne daselbst auf den Hochwald treibt, und etwas höher bei einem Wirtschaftsstreifen mit hübschem Durchblicke auf Schloß Lämberg.
Der Hochwald, im Volksmunde seiner Gestalt nach »Heufuder« genannt, ist ein langgestreckter Klingsteinrücken, der von West nach Ost auf der Grenzscheide zwischen Böhmen und Sachsen als höchster Punkt im östlichen Flügel des Sandsteingebirges hinzieht, südlich steil abfällt und mehrere Kuppen bildet, von denen die höchste (748 m) vom Jahre 1879 bis zum Jahre 1892 einen, vom Zittauer Vereine »Globus« beschafften, 10 m hohen hölzernen Aussichtsturm, den Karolathurm – der sächsischen Königin zu Ehren benannt – trug, dessen Strebepfeiler auf böhmischem Grunde standen. Statt seiner wurde auf der sächsischerseits gelegenen Nord- oder Oybinkuppe (744 m) von demselben Vereine mit dem Kostenaufwande von 13000 Mk. ein 25 m hoher Steinturm errichtet, der am 14. September 1892 die Weihe erhielt. Die 1853 vom »Vater Marx« erbaute, in ihrem heutigen Zustande seit dem Brande im Jahre 1877 bestehende »alte« Gastwirtschaft auf böhmischem und die 1889 eröffnete »neue« Gastwirtschaft auf sächsischem Grunde – beide unter einem Betrieb, mit Nachtherberge zu Mk. 1–1·50 und kais. deutscher und kais. österr. Postablage – stehen neben einander, nur durch die Landesgrenze geschieden, auf der südlichen Kuppe neben der aussichtsreichen Gipfelterrasse und sind mit dem Turme durch einen breiten Weg in Verbindung. In der böhmischen Wirtschaft, die als Nr. 251 zu dem 45 Min. südlich entfernten, 266 Häuser zählenden Bauerndorfe Hermsdorf gehört, erhält man nur Wein und Kaffee, in der sächsischen Bier und warme Speisen. Die Besitze der Herrschaften Deutschgabel, Reichstadt und Zittau stoßen hier, beim sog. »Clam'schen Stein« zusammen. Der Berg muß schon im vorvorigen Jahrhundert seiner Aussicht halber besucht worden sein, da ein Zittauer Ratsherr 1787 eine Treppe von 84 Stufen, die zum Teil heute noch in Benützung stehen, zur leichteren Besteigung des Gipfels anlegen ließ, der damals und noch 1830 ein Kreuz trug und »Kreuzstein«, angeblich auch »Ilmenstein« hieß. Seither haben Sachsens Könige und manch andere fürstliche Persönlichkeiten den Berg besucht; als erster im Jahre 1821 der nachmalige Kaiser Ferdinand I. von Österreich. In der Verkaufsbude neben den Gastwirtschaften bilden die auf dem Berge vorkommenden »Veilchensteine«, d. i. Klingstein, der mit einer nach Veilchen duftenden Alge (Chroolepus Jolithus Ag.) überzogen ist, eine Spezialität. Von sonstigen naturgeschichtlichen Seltenheiten wären außer nordischen, eiszeitlichen Geschieben auf den Hängen des Berges noch zu erwähnen: Mittleres und Alpen-Hexenkraut (Circaea intermedia Ehrh. und alpina L.), herzblättrige Zweiblattorche (Listera cordata R. Br.), Basalt-Nordfarn (Woodsia ilvensis R. Br.), sprossender und Tannenbärlapp (Lycopodium selago L. und annotinum L.), eine Schließmundschnecke (Clausilia filograna), die seltene grüne Eidechse (Lacerta viridis Dand.); früher soll auch die grüne Nießwurz oder Schneerose (Helleborus viridis L.) daselbst gefunden worden sein. Nach den Sagen der Walen sollen sich im Boden des Hochwaldes kostbare Edelsteine befinden, und noch jetzt soll ein Bergmännlein hier hausen, das dem, welchem es wohl will, Gold und Silber und Edelgestein, insbesondere aber wohltätige Heilkräuter zeigt.
Der Rosenberg von Südost.
Postkarte.
Die Aussicht von der felsigen Plattform zwischen den beiden Gasthäusern, sowie aus den Gasthausfenstern selbst – hier auch durch färbige Scheiben – gegen Süden ist ungemein anziehend und hat den touristischen Ruf des Hochwalds begründet. Um einen Ausblick gegen Norden ins Oybintal und gegen Zittau zu gewinnen, muß man den Turm (128 Stufen) besteigen; die Eintrittskarten hiezu (zu 10 Pfg.) löst man im Turmwächterhause daneben, wo man auch das Aussichtspanorama (10 Pf.) und Erfrischungen erhält, und wo überdieß ein Relief des Zittauer Gebirges, sowie die seit 20. April 1893 eröffnete kais. deutsche Fernsprechstelle sich befindet. Neben Haus und Turm ist auch noch ein Gärtchen mit Alpenflora. Die hervorragendsten Punkte des Panorama's sind auf der Zinnengallerie des Turmes anzeichnet.
Ost: Der Pfaffenstein jenseits Lückendorf, Kratzau und Weißkirchen dahinter, weiter die Hemmerichberge und darüber das Isergebirge mit der Tafelfichte, den Vogelkoppen, Taubenhaus und Siechhübel, im Hintergrunde das Riesengebirge mit Reifträger, hohem Rad mit der auffälligen Schneegrubenbaude, Kesselkoppe, Brunn- und Schwarzeberg; l. hinter dem Pfaffenstein Schloß Grafenstein vor dem Gickelsberge. Südost: Der Jeschkenrücken mit der Koppe im Mittelpunkte, davor die Kirchdörfer Pankraz und Ringelshain, noch näher Petersdorf; r. hinter der Jeschkenkoppe der Kosakow, daneben die zweizinkige Ruine Trosky und der Musky bei Münchengrätz, vor diesem der Silberstein, Audishorner Spitzberg und Dewin neben einander, im Vordergrunde der Falkenberg, dazwischen Schloß Lämberg. R. hinter dem Falkenberge Stadt Deutschgabel, weiter Schloß Wartenberg vor den beiden Hirschbergen. Süd: Der Tolzberg zwischen Roll (l.) und den beiden Bösigen; r. davon der Wratner Berg (Turm) und die Hauskaer Berge hinter dem Kummergebirge, zu Füßen die beiden Gastwirtschaften des Berges; r. hinter ihnen der Mergtaler Limberg, l. dahinter der Kamnitzberg vor den Mikenhaner Steinen, im Hintergrunde Ruine Altperstein neben dem Maschwitzer Berge; r. hinter dem Limberge Pfarrdorf Lindenau und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz. Südwest: Grünerberg, l. dahinter Ortelsberg vor dem Wilschberge, zwischen beiden das Schwoikaer Gebirge, r. von diesem der Leipaer Spitzberg (Turm) und hinter diesem der spitze Ron. R. hinter dem Grünerberge der Rodowitzer Hutberg, darüber der Koselrücken, im Hintergrunde der Geltsch bei Auscha. R. vom Rodowitzer Hutberge im Vordergrunde Pfarrdorf Großmergtal, dann die Stadt Haida vor dem Kottowitzer Berge, dahinter die Rabensteiner Höhe mit dem Hutberge (Turm), noch weiter der Zinkensteinrücken und darüber der Milleschauer; r. vor diesem folgt der Kleis hinter dem Glasertberge. West: Zu Füßen Kirchdorf Krombach, dahinter die Berge bei Falkenau, l. hinter diesen der Kamnitzer Schloßberg, r. das Kreibitzer Gebirge mit dem Kaltenberg (Turm), im Hintergrunde der hohe Schneeberg (Turm) mit Teilen des Erzgebirges und Höhen der sächsischen Schweiz; r. von Krombach Schanzendorf, dahinter der Plissenberg vor Oberlichtenwalde, neben welchem die Lausche mächtig aufsteigt; l. dahinter die Finkenkoppe, r. der Ziegenrücken und an diesem r. vorüber die Wolfsbergspitze (Turm). Nordwest: Dorf Hain zu Füßen mit dem Johannisstein, dahinter die Rabensteine, die Nonnenklunzen und die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, weiter Warnsdorf mit der Burgsbergwarte, Seifhennersdorf und Rumburg, noch weiter der Botzen und hinter diesem der Valtenberg (Turm), r. von Hain der Jonsberg neben Jonsdorf, dahinter Großschönau, dann der Warnsdorfer Spitzberg, im Hintergrunde Bilebog und Czornebog, beide mit Türmen; r. hinter dem Jonsberge der Breiteberg vor Spitzkunnersdorf, dann der Oderwitzer Spitzberg zwischen dem Kottmar (Turm) hinter Eibau und dem Löbauer Berge (Turm). Nord: Der Oybiner Talkessel mit dem Ameisenberge, l. dahinter das Königsholz und Rotstein, r. die Jauerniker Berge und die Landeskrone hinter Zittau. Nordost: Töpfer und Scharfenstein, dahinter die Kirchdörfer Friedersdorf und Reichenau.
Wer die Kammtour hier abbrechen will und einer Bahnstation zustrebt, hat unter folgenden Abstiegen die Wahl: Zur Station Oybin, der nächsten Bahnstation, in 50 Min. den direkten steinigen Serpentinenweg hinab oder über Hain in 1¼ Std.; zur Station Deutschgabel, über Forsthaus Nr. VI, in 2¼ Std.; zur Station Zwickau über Krombach und Mergtal in 2½ Std.
Hochwald-Lausche (2½ Std.).
Unser Abstieg geschieht auf dem ersten Wege r. bei den Bergwirtschaften; nach 20 Min. sind wir am Rande des Bergwaldes unten angelangt. Vor uns haben wir jenseits einer Wiese die obersten abseitigen Häuser von Krombach, dahinter den Plissenberg, über welchen die Lausche herüberblickt; l. davon den Kleis, dazwischen den Dürre- und Mühlsteinberg bei Hoffnung. Bei Grenzstein 152 (vom Jahre 1649) treffen wir nach 1 Min. auf die Straße, welche die beiden Grenzdörfer Krombach und Hain mit einander verbindet, und in die l. Hand der oben ([S. 31]) erwähnte Ringweg vom Forsthaus Nr. VI her über den aussichtsreichen Rücken des Schafberges (562 m) einmündet.