Pfarrdorf Krombach, das, hinter einem Wäldchen versteckt, 4 Min. l. liegen bleibt, ist eine uralte deutsche Besiedlung; schon 1391 wird es urkundlich genannt. Es zieht sich mit seinen 180 Häusern längs eines unterm Sattel entspringenden Bächleins – eines Zuflusses des in die Polzen mündenden Zwittebaches – zwischen Plissenberg und Gulichberg abwärts, hat eine 1874 erbaute Kirche, eine schöne Volksschule und ein zur kaiserlichen Herrschaft Reichstadt gehöriges Herrenhaus mit Bräuhaus, wo ehedem ein weit berühmtes Bier gebraut wurde. Hier bestand im 17. Jahrh. eine Glashütte der Schürer v. Waldheim, von der heute noch Reste vorhanden sind. Eine Berühmtheit Krombach's ist die im Garten des Knobloch'schen Hauses Nr. 19 im Oberdorfe stehende, vollkommen gesunde, etwa 10 m hohe Riesen-Eibe mit einem Umfange von 3·60 m in Manneshöhe; ihr Alter wird von Einigen auf 940, von Andern sogar auf 1800 Jahre geschätzt, weil die Eibe überaus langsam wächst. Jedesfalls ist sie älter als das Dorf. Übrigens gibt es im Ortsgebiete noch zwei jüngere Eiben von 7–8 m Höhe, und es ist möglich, daß es sich hiebei um den Rest eines älteren Eibenbestandes zwischen Krombach und Spittelgrund handelt. Im bairischen Erbfolgekriege, insbesondere aber am 22. Sept. 1778, beim Einmarsche der feindlichen Truppen, litt der Ort sehr.
Uns r. wendend, haben wir nach 150 Schritten den Hain-Sattel, die Sattelhöhe zwischen Hochwald und Johannisstein auf der Hauptwasserscheide (578 m) zwischen Ost- und Nordsee erreicht, über die auch die Landesgrenze zwischen Böhmen und Sachsen streicht und Krombach von Hain scheidet; die beiden obersten Häuser beider Orte stehen zu beiden Seiten der Straße; r. das zu Hain gehörige Gasthaus »Kaiser Wilhelmshöhe« und l. das zu Krombach (als Nr. 182) gehörige im Jahre 1903 erst erbaute Gasthaus »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe«. Gerade auf letzteres zu führt der Kammweg; hier haben wir vor uns den Töpfer, rückwärts den Kleis, r. den Hochwald, l. den Johannisstein.
Zu Krombach, als Nr. 175, gehört auch die ebenfalls einschichtige Gastwirtschaft am Johannisstein l. Hand; sie enthält Tanzsaal und Fremdenzimmer (Nachtlager für 10 Personen zu K 1.80) und wurde 1880 auf einem Grundstücke des ehemaligen »Dreilinden-Gutes« errichtet. Ein Abstecher dahin von unserm Standpunkte beim Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« erfordert nur 5 Min. auf einem langsam ansteigenden Bauernwege. Der Johannisstein ist ein kahler, freistehender Klingsteinfelsen von 596 m Seehöhe, dessen Gestein in fast wagrecht liegende Säulen abgesondert ist, die sich nach oben zu verkürzen und eine natürliche Treppe darstellen. Der Berg wird von der Landesgrenze geschnitten und soll den Namen von einem Stollen haben, der bei Gelegenheit von Bergbauversuchen 1538 und 1559 hier angelegt wurde, nach Anderen von einer Statue Johannis des Täufers, um die man beim Abbrennen der Johannisfeuer tanzte. An seinen Lehnen wächst Feld-Enzian (Gentiana campestris L.). Beim Baue der Gastwirtschaft fand man Pfeilspitzen, verschiedene Münzen, eine Hellebarde aus dem 14. Jahrh., eine Reiterpistole, eine französische Medaille u. dgl. als Erinnerungszeichen an die mannigfachen Kriegsereignisse, die sich in dieser Gegend abspielten. Der Erbauer der Gastwirtschaft hat 1881 den Felsen durch eine bequeme, mehr als 40 Stufen zählende Treppe zugänglich gemacht und oben eine steinerne, turmartige Aussichtswarte angelegt. Die Aussicht von da, zu deren Genusse man sich eines Automat-Fernrohres gegen eine Gebühr von 10 Pf. bedienen kann, ist entzückend und besonders weitreichend gegen Böhmen, wo Berg an Berg sich reiht; im Herbste 1853 erfreute sich Kaiser Ferdinand I. von Österreich daran, als er von Reichstadt aus sein Herrschaftshaus in Krombach besuchte. Im Nordosten blickt man über Hain auf Berg und Tal Oybin, dahinter ein Teil von Zittau mit dem Viadukt der Reichenberger Bahn, r. vom Oybin den Töpfer, l. den Pferdeberg, l. von diesem (im Norden) den Jonsberg, dahinter das Jonsdorfer Tal, Großschönau, den Gebirgszug zwischen Bautzen und Löbau, am Horizonte die Landeskrone; im Westen den Plissenberg mit dem Rabensteine, dahinter die Lausche und den gr. Winterberg; südwestlich übers Krombacher Tal aufs Schwoikaer Gebirge und den Kleis, südlich Hochwald und Jeschkenkoppe, östlich das Iser-, dahinter das Riesengebirge.
Das in alten Zeiten noch nicht bestandene, nördlich von Krombach jenseits Landesgrenze, am Ursprunge eines in die Mandau sich ergießenden Baches zu beiden Seiten der nach Oybin hinabführenden Steilstraße, die dem Winter-Sporte der Hörnerschlittenfahrten (die Person 30 Pf.) dient, gelegene Dörfchen Hain zählt einige 30 Häuser mit zum Teil wunderlich-altertümlichen Holz-Essen und hat sich dank seiner Gebirgs- und Höhenlage – es ist die höchst gelegene (550–578 m) Ortschaft der Oberlausitz – zu einer beliebten Sommerfrische entwickelt. Außer der erwähnten Gastwirtschaft »Kaiser Wilhelmshöhe« bietet das »Forsthaus Hain« im Mitteldorfe vorzügliche Verpflegung. Westlich bei Hain liegt auf einer freihinaushängenden, mit einem Geländer umgebenen Felsplatte der herrliche Aussichtspunkt »Ludwigshöhe«, wo man das ganze liebliche Oybintal vor sich hat mit dem Jeschken rückwärts.
Durch schönen Wald gelangt man auf der Steilstraße über Hain in 20 Min. zu den ersten Häusern des Kirchdorfes Oybin, in 40 Min. zur Bahnstation. Der Ort zählt 800 Einwohner, eine bedeutende Anzahl schöner Villen, eine Studentenherberge, und zieht sich nahezu eine Stunde lang in einem Tale hin, das von einem Kranze felsiger Waldberge (Töpfer, Scharfenstein, Ameisenberg, Pferdeberg, Berg Oybin) umschlossen und seit 1873 ein stark besuchter Bade- und klimatischer Kurort für Nervenleidende und Blutarme geworden ist. Der weitgespannte Waldsaum und die niedrigeren Berghänge bieten eine Fülle der angenehmsten Spaziergänge, die umliegenden, vortrefflich zugänglich gemachten Fels- und Berggipfel die herrlichsten Aussichten, deren Erschließung ein Verdienst des dortigen Gebirgsvereines ist. Die Perle des Oybintales aber ist der vielbesuchte Berg Oybin, ein mitten aus dem Tale 116 m hoch in Gestalt einer riesigen Felsglocke, in mehreren Terrassen aufsteigender, von Runsen durchfurchter Sandsteinberg. Seine Oberfläche trägt die ansehnlichen Reste einer durch Heinrich von Leipa um 1312 erbaut gewesenen, 1343 auf Geheiß des Kaisers Karl IV. zerstörten Ritterburg und eines von demselben Kaiser 1366–1384 an ihrer Stelle nach Plänen Peter Parler's von Gmünd erbauten, seit 1577 in Ruinen liegenden Cölestiner-Mönchsklosters mit einem, von dem um die Hebung Oybins vielverdienten Dr. Alfred Moschkau 1879 begründeten und seit 1883 dort befindlichen, historischen Museum (Eintritt 50 Pf.), ferner den 1515 angelegten Ortsfriedhof und den Gesellschaftsplatz mit Gastwirtschaft und reizender Aussicht gegen Zittau. Man besteigt ihn vom Bahnhofe an der 1734 erbauten, teilweise in den natürlichen Felsen gearbeiteten Kirche vorüber in 20 Min.
Unseren Kammweg fortsetzend, wenden wir uns von der Straße, auf der wir gekommen, bei dem Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« in spitzem Winkel l. von der Landesgrenze ab und verfolgen den Fahrweg, der auf das einzelne Krombacher Gehöft vor uns führt; dasselbe bleibt knapp r. Wir wandern nunmehr durch längere Zeit wieder auf böhmischem Boden.
Vor uns, in südwestlicher Richtung, haben wir jenseits des kahlen Gulichberges den Kleis, l. davon in südlicher Richtung den Mergtaler Limberg, dahinter den Lauf- und Kamnitzberg; r. vom Limberge der Ortelsberg vor dem Wilsch, r. davon der spitze Ronberg neben der Koselspitze, vor dieser der Grünerberg (l.) mit Großmergtal (Kirche) und der Glasertberg (r.); nahe am Kleis der Hutberg bei Mertendorf; r. vom Kleis bis zur Lausche im Westen sind die Berge bei Falkenau eingeschoben.
Nach 2 Min. senkt sich der bis dahin ebene Weg; der Mühlsteinberg mit seinen Brüchen wird r. sichtbar; wir kommen an einer Einschicht (l.) – auf der sogenannten »Katzenstirn«, wenn wir recht berichtet sind – und einem Wäldchen (r.) vorüber, worauf r. neben dem Mühlsteinberge auch der Jonsberg (642 m, Klingstein, hieß 1450 Jonasberg) sichtbar wird, an dem l. vorüber der Blick über weites Gelände hin auf den Kottmar und den Löbauer Berg schweift. Nach 8 Min. treffen wir auf die Straße, welche von Krombach nach Jonsdorf durch Schanzendorf zieht u. zw. gerade in der Mitte des Dorfes, bei einer Markentafel und einem Verzeichnisse der Gasthäuser des Ortes. Letzteres Dorf, das jetzt 136 Häuser zählt, soll auf den Gründen des Krombacher Meierhofes erbaut sein, weshalb es auch im Gemeindeverbande von Krombach ist; seinen Namen führt es seit 1778, seitdem die österr. Kroaten hier gegen die Preußen und die mit ihnen verbündeten Sachsen Schanzen errichtet hatten, die Kaiser Josef II. am 19. September 1779 in Augenschein nahm und die 1813 von den Franzosen wieder in Stand gesetzt wurden und teilweise am »Heidelstein«, wo vor etwa 25 Jahren Sandstein gebrochen wurde, noch zu sehen sind. Wo Schanzendorf heute steht, führte zu einer Zeit, als die Gegend noch unwirtlich war, die alte Leipaer Straße von Zittau her über Nieder-Oybin zwischen Jonsberg einerseits und dem Ameisenberge mit dem Pferdeberge andererseits hindurch über den sog. »Stern«, wo die Wege von Schanzendorf, Jonsdorf, dem Jonsberge, der Ludwigshöhe, dem oberen Hain und dem Johannisstein zusammentreffen; sie ist von der Landesgrenze ab schon längst nur mehr ein Waldfahrweg, seitdem die Zollstraße über Jonsdorf und über die zugleich die Landesgrenze und Hauptwasserscheide bildende bewaldete Sattelhöhe (487 m) zwischen Plissenberg und Jonsberg verlegt ist; die alte Straße mündet in die jetzige dort, wo wir auf diese treffen.
Auf letzterer Straße erreicht man vom letzten Hause in Schanzendorf, dem Zollamte, in 20 Min. das Nebenzollamt und das Gasthaus »Schweizertal« in Neujonsdorf, 10 Min. weiter die Station Jonsdorf, Endstation der Bahnlinie Zittau-Jonsdorf, nächst der Kirche von Altjonsdorf. Kirchdorf Jonsdorf, Geburtsort des Lausitzer Historikers Pescheck, Sitz eines rege wirkenden Gebirgsvereines, zerfällt in Alt- und Neujonsdorf und hat sich neben Oybin wegen seiner klimatisch milden Lage in breitem, sonnigem Tale, wegen seiner herrlichen Waldanlagen und Felsszenerien und wegen seiner reichen Auswahl guter Privat- und Gastwohnungen zu einer beliebten Sommerfrische emporgeschwungen; besonders Neujonsdorf ist ein Gebirgs-Idyll schönster und eigenster Art und besitzt in seiner »Felsenstadt« am phonolithischen Mühlsteinberge (562 m, seit Jahrhunderten bestehende Mühlsteinbrüche daselbst östlich der Felsenstadt) mit ihren wunderbaren Felsgestaltungen, ihren Aussichtspunkten (Karola- und Albertfelsen, Friedrichshöhe) und dem in Basaltsäulenform abgesonderten Sandstein (am Humboldtfelsen zur Erinnerung an den Besuch des berühmten Gelehrten im Jahre 1851 so benannt, und an der Orgel) ein landschaftliches Juwel eigenster Art. Wer dieselbe besuchen will, zweigt vom Zollhause an der Schanzendorfer Straße ab und trifft bei den Rabensteinen wieder auf den Kammweg.
Unser Weg geht weder r. noch l. in Schanzendorf, sondern quer über die Jonsdorfer Straße hinweg, sodann auf einem guten Gemeindefahrwege zwischen den Häusern geradeaus weiter, immer den Jonsberg zur Rechten, bis wir nach 5 Min. am letzten Hause, dem Gasthause »zum Roß« vorbeikommen. Gleich dahinter lesen wir auf einem Wegweiser: »Nach den Mühlsteinbrüchen, nach Niederkrombach-Lichtenwalde, Grenzweg über die Kühhutje«. Hier haben wir nach l. auch wieder einen weiten Ausblick zwischen Kleis und Mergtaler Limberg hindurch auf den Grünerberg, Ortelsberg, das Schwoikaer Gebirge und den Koselrücken hinter einander. Wir wenden uns nach r. und erreichen nach 3½ Min. den Waldrand am Plissenberge, und zwar an seiner nordöstlichen, 644 m hohen Kuppe (auch »Schanzberg« geheißen), während seine höchste Erhebung in der Mitte 659 m und seine südwestliche Kuppe 605 m mißt; er bildet nämlich einen fast 3 km langen Rücken aus Klingstein auf einer, dem östlichen Flügel des Elbesandsteingebirges vorgelagerten Stufe zwischen Schanzendorf und Niederlichtenwalde. Hier machen wir kurzen Halt und erfreuen uns an dem herrlichen Ausblicke rückwärts gegen Ost und Süd, der besonders eindrucksvoll auf diejenigen sein muß, die die Tour umgekehrt machen.