Die Lausche ist seit jeher ein Aussichtspunkt ersten Ranges; viele Tausende, darunter die Könige Friedrich August II. (1823 und 1850) und König Johann von Sachsen, auch der Astronom David (1825), besuchten und besuchen jahraus jahrein von nah und fern dieselbe, um sich an der entzückenden und umfassenden Aussicht zu erfreuen und auch wohl das Schauspiel eines Sonnenaufganges zu genießen. Die Aussicht ist ganz eigenartig deshalb, weil sich gegen Norden die langen Ortschaften der volk- und industriereichsten Gegend Deutschlands und Österreichs fast ohne Unterbrechung hinziehen. Rundsicht-Aufnahmen bekommt man auf dem Berge zu kaufen.
Von der Tafelfichte und den Bergen bei Haindorf im Osten beginnend, schließen sich nach r. die anderen Kuppen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel) an, vor ihnen Stadt und Schloß Friedland, die Hemmerichberge, Reichenau mit Umgebung, Gickelsberg und Hohenwald bei Grottau. Im Südosten liegen nahe die vielgestaltigen Felsen und Berge bei Jonsdorf und Oybin, dahinter Hochwald (Turm) und Falkenberg, weiter das Jeschkengebirge mit der Koppe und am Horizont das Riesengebirge mit dem Reifträger, hohen Rad, Kesselkoppe und Schneekoppe, dem Keil-, Fuchs- und Schwarzenberge; weiter r. im Mittelgrunde Schloß Lämberg und die Stadt Deutschgabel, dahinter die Berge bei Wartenberg mit dem Dewin, weiter draußen die Lomnitzer Berge bei Gitschin, der Welisch, Kosakow, Ruine Trosky bei Turnau, Musky bei Münchengrätz. Im Süden der Mergtaler Limberg, Tolz und Roll hinter einander, r. davon die Bösige und der Höhenzug von Kleinbösig (Kirche) bis zu den Hauskaer Bergen, davor Altperstein (Ruine) und Maschwitzer Berg, noch näher das Schwoikaer Gebirge – in welcher Richtung seinerzeit der Dresdner Topograph Albert Schiffner die Türme von Melnik und den Dom von Prag gesehen haben will – und der Ortelsberg. Im Südwesten erhebt sich über dem Grüner, Glaserter und Dürrberge der betürmte Spitzberg bei Leipa, dahinter der breitkuppige Wilsch, näher der Kottowitzer und Langenauer Berg jenseits der Stadt Haida, davor der Kleis, noch näher der gr. Friedrichsberg, der gr. Buchberg bei Falkenau, der Blottendorfer und Sonneberger Rücken; r. hinter diesem der Hutberg (Turm) auf der Rabensteiner Höhe, die Munkerer Höhe, der Geltsch, anschließend die Elbeberge (Aarhorst) vor dem Milleschauer. Im Westen die Kuppen des Kreibitzer Gebirges mit dem Kaltenberge (Turm), der Rosenberg und hohe Schneeberg (Türme), das Erzgebirge mit dem Geising; weiter r. erblickt man über der nahen Finkenkoppe die Ruine Tollenstein und den Tannenberg (Turm), die Dittersbacher Felsen, die Zschirnsteine, den Lilienstein, gr. Winterberg (Turm), den Borsberg bei Pillnitz, den Gickelsberg bei Hohnstein, den Unger und den Tanzplan (beide betürmt). Diesen folgen nordwestlich über dem Lichtenberger Teiche und Schönborn (Kirche) die betürmte Wolfsbergspitze, der Valtenberg (Turm), Zeidler Plissenberg, Pirsken, Botzen und Jüttelsberg, im Hintergrunde das Kamenzer Gebirge. Nordöstlich zieht sich das Lausitzer Mittelgebirge mit dem Czornebog und Bilebog (Türme); daran schließen sich Kottmar (Turm), der ebenfalls betürmte Löbauer Berg mit der Stadt Löbau, der Rotstein, Oderwitzer und Warnsdorfer Spitzberg mit der Burgsbergwarte, in größerer Entfernung die Königshainer Berge, die Landeskrone und der Jauerniker Berg an. Nordöstlich tritt das Königsholz und der Breiteberg hervor; weit schweift der Blick nach Schlesien hinein bis Greifenberg, zu den Höhen bei Lauban und Marklissa, zum Probsthainer Berg, um endlich bei Neustadtel wieder auf die Tafelfichte zu treffen; im Vordergrunde schließen sich die häuserreichen Städte und Kirchdörfer Rumburg, Seifhennersdorf, Warnsdorf, Großschönau, dann Waltersdorf, Hainewalde und Zittau an einander, dahinter die Häuserreihen von Gersdorf, Ebersbach, Walddorf, Eibau, Leutersdorf, Oderwitz u. a. m.
Wer die Kammtour gegen den Tannenberg nicht fortsetzt, sondern den Abstieg auf eine Bahnstation beabsichtigt, kann folgende Wege einschlagen: auf sächsischer Seite über Waltersdorf zur Station Jonsdorf (1¼ Std.), zur Station Großschönau (1½ Std.) und zur Station Warnsdorf (1¾ Std.), auf böhmischer Seite an Jägerdörfel vorüber immer durch Wald zur Haltestelle Neuhütte (1½ Std.).
Lausche-Tannenberg (2¾ Std.).
Beim Abstiege von der Lausche folgen wir der Waldstraße, die uns hinaufgebracht, dem »sächsischen« Wege, ein Stück zurück bis zur unteren Kehre (10 Min.) und biegen dann links ab. Auf durchaus ebenem Waldfahrwege treffen wir nach 12 Min. auf die Landesgrenze und nehmen Abschied vom sächsischen Boden, auf dem wir von der Tobiaskiefer her mit wenigen Unterbrechungen gewandelt. Wir treffen hier auf einen l. von Oberlichtenwalde über Jägerdörfel einmündenden Fahrweg und wandeln entlang den Grenzsteinen 23 bis 14 auf dem sogenannten Lauschekamm, einer Art Hochebene weiter, bis wir nach 15 Min. beim Vogelherd, auch »Dreiecker« genannt, angelangt sind, dem 660 m hohen Sattel zwischen Finkenkoppe (789 m) l. und dem Buchberge (712 m) r., von wo wir südlich einen Ausblick auf den großen Friedrichsberg haben.
Über die Finkenkoppe, die 30 Min. entfernt ist und eine weite Aussicht gegen Böhmen von ihrer westlichen Lehne gewährt, zieht der Gebirgsrücken in einem nach Süden ausgreifenden Bogen weiter; wir verlassen ihn beim Vogelherd, um ihn erst beim Tannenberge wieder zu treffen. Unser Weg führt in der bisherigen Richtung weiter, während die Landesgrenze im rechten Winkel nach Norden abbiegt, und führt uns jetzt auf breiter Waldstraße mit bedeutendem Gefälle abwärts, zwischen den phonolitischen Berghängen des Dachsensteins (l., 600 m) und des Hörnels (r., 643 m), immer längs des Kohlhauwassers, das rechter Hand neben der Straße dem Lausebache, einem Aste der Mandau, nach Niedergrund plätschernd zufließt, während wir l. die Ursprungsadern des zum Polzengebiete gehörigen Etschbaches zu suchen haben. Funde von sprossendem und zypressenblättrigem Bärlapp (Lycopodium annotinum L. und complanatum L.), sowie von scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum L.) im Walde zur Seite sind da nichts Seltenes; vereinzelt dagegen ist die Blaudistel (Mulgedium alpinum Less.).
Nach 30 Min. – ein paar hundert Schritte hinter dem Fürstenbrunnen, der 6 Schritte l. von der Straße ein kleines, mit Basaltsäulen eingefaßtes Bassin bildet – biegen wir bei einer Waldwiese (r.) von der Straße, die uns in 30 Min. zur Station Grund-Georgental weiter leiten würde, l. in den Wald ab und steigen über den schmalen, aus gneisführendem Granit bestehenden und die Grenze gegen das Sandsteingebirge bildenden Ziegenrücken hinweg in 15 Min. in das liebliche Wiesental von Innozenzendorf hinab. Wir überschreiten auf einem Stege das Goldflössel, welches das Tal bewässert, queren eine Wiese und stehen beim Gasthause »zum Ritterhof« auf der verkehrsreichen Kaiserstraße, die r. in 30 Min. nach Sankt Georgental, bzw. zur Station Grund-Georgental, l. in 1 Std. über den Schöbersattel (607 m) zur Haltestelle Neuhütte führt. Innozenzendorf, auch »Buschdörfel« geheißen, hat 34 Häuser, liegt 450 m hoch zwischen waldigen Höhen und ist Sommerfrische für bescheidenere Ansprüche; Unterkunft und Verpflegung bieten die Gasthöfe »Ritterhof«, »Germania« und »Wendler«; die Bedürfnisse werden nach Bedarf aus Georgental beschafft. Der Ort scheint an Stelle des 1469 zerstörten, noch 1699 erwähnten Glasendorf zu stehen, das zum Teil, verschiedenen Funden nach zu schließen, am benachbarten Nesselberge (östlich) gestanden haben soll, um die heute noch bestehende, jedenfalls alte Buschmühle angelegt worden zu sein. Der jetzige Name kommt zuerst 1711 vor; wird beachtet, daß Papst Innozenz XII. von 1691–1700 die Tiara trug, und daß Anton Florian von Liechtenstein als Botschafter 1691 bei der Papstwahl in Rom anwesend war, so ergibt sich sowohl die Erklärung des Namens wie die Person des Gründers. In Innozenzendorf wurde am 26. Juni 1819 der Dichter Cölestin Johann Johne geboren, der 1858 am 2. Dezember als Augustinerordenspriester und Gymnasialprofessor in Leipa starb. In den Sandsteinbrüchen des Dachsloches unweit des Jägerhauses (östlich der Straße) gibt es interessante Versteinerungen von Meeresbewohnern, am häufigsten darunter ist ein herzförmiger See-Igel und ein viel- und dickstängliger Seeschwamm.
Das Goldflössel besteht aus dem Meisengrund- und Schöberwasser, die sich oberhalb des Dorfes vereinigen. Ersteres kommt aus dem Meisengrunde – richtig »Meißnergrund« nach den Meißnischen Bergleuten –, einem stillen Felsentale, in welchem, wie ein in der Freiberger Ratsbibliothek verwahrtes »Wahlenbüchlein« des Johannes Wahle, vermutlich aus dem Ende des 17. Jahrh., berichtet, goldene Schätze zu finden sind. Aber die Wirklichkeit will diesen Angaben keineswegs entsprechen. Tatsache ist nur, daß hie und da Leute aus Italien – sogenannte Venediger mit Zipfelmützen und spitzschnäbligen Schuhen – bunte Steine aus Böhmen zur Herstellung von Mosaiken geholt haben, und da dürften ihnen auch die Iserine (früher Goldgraupen genannt), die sich in dem Meisengrundwasser finden, willkommen gewesen sein. Im Meisengrunde gibt es noch ein 23 m langes, schwer zugängliches Stollen-Überbleibsel, welches ebenso wie ein zweites, bis zum Jahre 1845 bestandenes Stollenmundloch (das eigentliche »Meisegründel«) zu der Sage von Schätzen beigetragen und auch den Anlaß zu der Sage von einem unterirdischen Gange zwischen der Burg Tollenstein und diesem Talgrunde gegeben haben mag.
Vom »Ritterhof« die Kaiserstraße nach l., nach 2 Min. einige Schritte oberhalb der Kapelle r. ab lehnan, am Saume von Feld, Wiesen und Wald, wobei wir r. Hand des Georgentaler Kreuzberges ansichtig werden, in 15 Min. hinauf zu dem abseitigen kleineren, »Scheundörfel« genannten Ortsteile des Dorfes Tollenstein auf den Fahrweg, der von Georgental kommt. Der größere Dorfteil – das Dorf hat 80 Häuser – bleibt westlich im Tale des Weißbaches, der unterm Tannenberg entspringt und bei Niedergrund mit dem Goldflößel sich vereinigt. Der Ort hieß im 15. Jahrh. Tollendorf und wurde unter dem Herrschaftsbesitzer Christoph v. Schleinitz nach dem Jahre 1571 dadurch vergrößert, daß er das bis dahin bestandene Burgvorwerk in einzelne Gärten zerlegte und eingewanderten Bergleuten billig überließ. Seit 1651 heißt der Ort Tollenstein. Ein nennenswerter Bewohner des Dorfes war der Gründ'sche Bittner, welcher später nach Grund zog und für zahllose Sagen und Anekdoten den Mittelpunkt abgab.