Gleich hinter dem erwähnten Kruzifix, wo auch von dem r. liegenden Dorfe Tollenstein ein Weg einmündet, kann man, den Kleinsemmeringer Weg l. lassend, geradeaus einen Abstecher auf den 12 Min. entfernten Georgentaler Kreuzberg (Granit, 563 m), machen. Der Name hängt mit einer Kapelle »zum hl. Kreuz« zusammen, welche 1764 erbaut, 1817 eingeweiht und 1882 durch einen Turm an der Hauptfront erweitert wurde. Sie ist das Wanderziel zahlreicher frommer Waller. Aber auch die Aussicht ist eine bemerkenswerte; an ihr erfreute sich auch am 21. Sept. 1779 Kaiser Josef II. Besonders schön ist der Überblick nördlich über die 138 m niedriger liegende, freundliche Stadt Georgental; dahinter tief im Tale Ober- und Niedergrund, darüber Schönborn r. vom Lichtenberger Teich; westlich liegt der Galgenberg, r. daneben Teichstatt, der Bernsdorfer Teich, dahinter die Wolfsbergspitze; östlich jenseits des Häusermeeres von Warnsdorf und Großschönau die Stadt Zittau. Zur Bequemlichkeit der Besucher hat die Abteilung Georgental des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen 1895 an den schönsten Aussichtspunkten nach allen 4 Weltgegenden Ruhebänke aufgestellt, – Auf dem Kreuzberge stehen wir auf einem geologisch höchst interessanten Boden. In dem Granite, der sich hier – wie schon früher auf unserem Wege am Ziegenrücken bei Innozenzendorf ([S. 44]) – gegen den Sandstein abgrenzt, findet sich nämlich eine ziemlich ausgedehnte Partie von Gneis und eingezwängt zwischen ihr und dem Granit eine Grauwackenscholle, welche sw. von St. Georgental den Wein- und Galgenberg bis zu Hampel's Bleiche einnimmt. Diese Grauwacke nun ist von Erzgängen durchzogen, welche Kupferkies, silberhältigen Bleiglanz und Zinkblende enthalten und wiederholt seit der Mitte des 15. Jahrh. bergmännisch abgebaut wurden, in ausgedehntestem Maße aber unter dem Grundherrn Georg v. Schleinitz, dem St. Georgental als Bergstadt ihre Gründung (1548–1553) verdankt. Der letzte Abbauversuch geschah Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrh.

Wer den Umweg über Georgental machen will, steigt über Stufen, an den Kreuzwegstationen vorüber durch eine schöne Allee hinab. Die auch von Sommerfrischlern aufgesuchte Stadt hat 250 Häuser, namhafte Sammtfabrikation, ein Kriegerdenkmal (seit 2. Okt. 1904), eine Studentenherberge und ist Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Aus Georgental stammt außer anderen der berühmte Gesangsmeister Joh. Alois Miksch, geb. 1765, gest. 1845 in Dresden. Beachtenswert sind die an der Außenseite der 1612 erbauten Kirche eingemauerten Sandsteinkugeln mit Löwen- und Menschengesichtern, die vielleicht einst Säulenknäufe oder Wandzierraten im Rittersale der Burg Tollenstein gewesen sein mögen. Der Weg zur Station Grund-Georgental (15 Min.) führt nördlich weiter. Um aber den Kammweg wieder zu erreichen, wendet man sich westlich auf die Kreibitzer Straße und schlägt sodann die südlich von dieser abzweigende, am Schmelzewasser aufwärts führende Straße nach Tannendorf (30 Min.) ein.

Der Kamm-Weg führt vom Waldrande ab, während dem man r. über die Wiesenflächen hinweg einen hübschen Blick auf Obergrund mit Sofienhain, auf die Lichtenberger Windmühle und die Schönborner Kirche darüber und auf den betürmten Kottmar im Hintergrunde hat, in 10 Min. hinunter auf die Straße in Tannendorf (22 H.), auch Telle genannt, eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. entstandene Ansiedlung, die sich seit einer Reihe von Jahren, Dank der herrlichen Waldlage und des vorzüglichen Wassers, der vollkommensten Ruhe und Abgeschiedenheit zur Sommerfrische aufgeschwungen hat. In 4 Gast- und 2 Privathäusern findet man gute Unterkunft, in den Gasthäusern »Wildner« und »zum Tannenwald« auch volle Verpflegung zu mäßigen Preisen. Die Nahrungsmittel werden aus Sankt Georgental (30 Min.) beschafft, von wo am West-Ende des Dorfes die Straße einmündet.

Beim Gasthause »zum Tannenwald« verlassen wir das Dorf, lassen nach 2 Min. die Straße nach St. Georgental r. und schneiden, nun wieder im Walde, nach 8 Min. einen Fahrweg, der in 5 Min. zu der r. Hand auf einer Waldlichtung gelegenen, zu Tannendorf und Obergrund gehörigen, aber erst später zur Ansicht kommenden Einschicht »Hampels Bleiche«, auch »Neue Welt« genannt, hinaufführt, senken uns dann allmählich nach l. zu über zwei Ursprungsäderchen des Fischbaches, eines Zuflusses des Grund- bzw. Lausebaches, hinweg – Fundort von üppigem Waldhabichtskraut (Hieracium vulgatum Fries) – und umgehen sodann, allmählich wieder ansteigend, den r. gelegenen Fladenberg (543 m), der seinen Namen von einem Ritter von Flade haben soll, der hier einst eine Glashütte leitete, wobei wir l. des kl. Schöbers (676 m) mit seinen wild sich häufenden Klingsteinblöcken ansichtig werden, die auf dem Gipfel unregelmäßig anstehen und ein liegendes Gesicht vortäuschen, weshalb der Berg auch Gesichtsberg oder Riesenkopf genannt wird. In 20 Min. stehen wir am Bahndamme der Böhm. Nordbahn, dem entlang wir uns nach rechts wenden, zunächst in 4 Min. zum Bahnviadukt und dann in weiteren 4 Min. auf der Oberkreibitzer Straße zu der einschichtig ziemlich hoch (489 m), mitten im Walde zwischen Plissen- (599 m) und Fladenberg auf der Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Oder, an der von Oberkreibitz-Schönfeld nach Teichstatt führenden Straße gelegenen Station Schönfeld gelangen, dem Knotenpunkte der Linien Prag-Leipa-Georgswalde-Ebersbach und Warnsdorf-Bodenbach der Böhm. Nordbahn.

Unmittelbar neben derselben befindet sich die Kuranstalt Kleinsemmering, die samt den Stationsgebäuden zur Gemeinde Teichstatt gehören. Den Grund zu dieser Kuranstalt, deren Benennung durch die Steigungsverhältnisse der Bahn und den kleinalpinen Charakter der umgebenden Gebirgslandschaft gerechtfertigt erscheint, legte der Schönfelder Industrielle Emanuel Tschinkel, indem er gleich nach Eröffnung der Böhm. Nordbahn 1869 vom Grundherrn Fürsten Ferd. Kinsky eine größere Waldparzelle erwarb und daselbst eine große Restauration mit zwei Glasveranden nebst Stallungen, Speisegarten, Musikpavillon, Zierpark, Wasserleitung, (Raimundsbrunnen) und einen nahezu 11 ha großen Tiergarten anlegte, wozu dann 1873 und 1874 der Bau der Villa Raimund mit 12 Fremdenzimmern und 1882 ein von eisenhältigen Quellen des Plissenberges gespeistes Badehaus mit 4 bequemen Zellen kam. Seit 1885 gehörte die Anstalt den Brüdern C. G. und F. Hermann, Fabriksbesitzern in Warnsdorf und Isertal. Unter ihnen schwang sich Kleinsemmering infolge mannigfacher Verbesserungen und Erweiterungen zu einem trefflich geleiteten Luft- und Terrainkurorte empor. Seit 1904 ist Ernst Seibt, Kaufmann in Reichenberg, Besitzer, der den Kurort den Fortschritten der Neuzeit entsprechend umgestaltet hat. Es stehen 30 heizbare Zimmer in 5 Logierhäusern zum Wochenpreise von 6–30 K zur Verfügung; Leihbibliothek, Konzertsaal, Briefablage u. a. sind vorhanden; der auf einer nach SO. abfallenden Lehne sich hinziehende Wildpark bietet mit seinem dichten Wald, seinen Wiesenplätzen, Felspartien und seinem Teiche mannigfache Abwechslung und Zerstreuung. Die Kursaison dauert von Mai bis September.

Wir verlassen, dem Kammzeichen weiter folgend, die gastliche Stätte auf einem Fußwege, der hinter den Stallungen der Kuranstalt am Wildparkzaune entlang, anfangs durch einen schattigen Hohlweg am Gehänge des Plissenberges hin, dann über die liebliche Pilzwiese in 20 Min. abwärts ins Kreibitzbachtal nach Oberkreibitz führt. Oberhalb der ersten Häuser des 170 Nummern zählenden Industrialortes, noch besser von dem in der Nähe sich erhebenden Tomelsberge (463 m, Basalt, Totenstein), hat man einen prächtigen Überblick über die zusammenhängenden Orte Oberkreibitz und Schönfeld auf die im Halbkreis angeordneten Bergkuppen des Kreibitzer Gebirges: den kl. Schöber l., dann den gr. Eibenberg, den kl. Eibenberg, den Schindelhengst (dahinter die Spitze des gr. Ahrenberges) und die beiden Himpelsberge (dahinter den Buchhübel); neben Schönfeld l. die Juliushöhe im Vordergrunde.

Im Weiterschreiten durch den schon 1457 urkundlich genannten Ort bemerkt man als vorherrschende Erwerbszweige Zwirnerei und Glasverfeinerung. Letztere Industrie ist sehr alt, da schon im 15. Jahrh., vermutlich schon vor den Hussitenkriegen, daselbst eine Glashütte im Betriebe stand, welche mit dem anschließenden Gute bis 1612 der Familie Friedrich gehörte und im Jahre 1847 dem Neubaue der jetzigen Glasfabrik Platz machte, die 1867 an die Kittel'schen Erben (Franz Zahn) gelangte, seit 1882 Eigentum der Firma Michel und Mayer war, derselben, die auch die Glasfabriken in Teichstatt und Haida besaß, und seit 1904 »A. Mayer & Sohn« firmiert. Sie steht rechts an der Straße, die von der Station Schönfeld herab nach Kreibitz führt und gerade bei ihr kommt der Fußweg von Kleinsemmering herab. Der »Hof«, gegenüber dem Gasthause »zum Herrenhause« – von dessen Terrasse man einen hübschen Blick über den Mühlteich (bei der Rittermühle, jetzigen Glasschleiferei) auf den Tannenberg und den kl. Schöber hat – ist so ziemlich das älteste Gebäude im ganzen Kreibitzer Kessel.

Ein Umweg über Kreibitz, die Perle des Kreibitztales, beansprucht keinen besonderen Zeitverlust. Man erreicht die Stadt auf der Straße weiter längs des Kreibitzbaches in 20 Min.; sie liegt am Kreuzungspunkte der Warnsdorf-Kamnitzer Reichsstraße mit der Oberkreibitz-Niederkreibitzer, zu beiden Seiten des Kreibitzbaches, über den hier eine altertümliche, hochgewölbte Steinbrücke mit zwei Barock-Heiligenstatuen aus dem Jahre 1751 führt, hat 250 Häuser, eine reiche Industrie (vorherrschend Zwirnerei und Baumwollwaren-Erzeugung, auch ein schon 1500 bestandenes Bräuhaus), eine Gedenktafel am Hause Nr. 135 zur Erinnerung an Kaiser Josef II., der hier als Gast des Viehhändlers Kasimir Eschler am 21. Sept. 1779 übernachtete, eine andere am Hause neben dem schönen, gothischen Rathause zur Erinnerung an den berühmten Naturforscher Thaddäus Haenke, der daselbst 1761 geboren wurde, eine zum Teil noch aus dem 16. Jahrhunderte stammende Kirche mit uralten Glocken, und ist Sitz der Abteilung Kreibitztal des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Ihr ältestes Privilegium stammt aus dem Jahre 1383. Man folgt sodann von Kreibitz der südlich nach B. Kamnitz führenden Ärarialstraße, in die nach 45 Min. l. die Schönfelder Straße, und mit ihr der Kamm-Weg einmündet. Auf dem Wege dahin kommt man nach wenigen Min. am Lindenhübel (398 m) l. der Straße vorüber, von dem man sich des Anblickes des Gebirges östlich gegen den Talschluß hin erfreuen und zugleich ein interessantes Naturspiel wahrnehmen kann, nämlich »die schlafende Jungfrau«, gebildet von dem gesichtsähnlichen Umrisse des kl. Schöbers mit dem anschließenden Tannenberge und dessen Ausläufern.

Bei der Glasfabrik grenzt Oberkreibitz an Schönfeld. Nun auf der Kreibitzer Straße einige hundert Schritte nach rechts, bis uns das Kammzeichen auf die Straße verweist, die links durch Schönfeld abbiegt. Währenddem kommt rechts die Stadt Kreibitz zu Gesicht und über sie hinaus zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Irig bei Daubitz (r.) die Dittersbacher Felsenwelt, während l. Tannenberg und kl. Schöber mit der Juliushöhe im Vordergrunde im Gesichtsfelde bleiben. Die Bewohner von Schönfeld, das 1709 auf Gründen, die ehemals zur Oberkreibitzer Glashütte gehörten, angelegt wurde, über 100 Häuser zählt, Post- und Telegraphenamt, eine schöne Turnhalle (seit 1903), auch eine Studentenherberge (in der einladenden Schröter'schen Restauration l. an der Straße, die zugleich Auskunftsstelle der Gebirgsvereins-Abteilung Kreibitztal ist) aufweist, haben im Allgemeinen dieselben Erwerbszweige wie die von Oberkreibitz. Vor der Restauration befindet sich die Schröter'sche Zwirnfabrik (mit 6000 Spindeln), weiter die 1840 gegründete Strick- und Häkelgarnfabrik der Firma Ig. Schröter's Sohn, deren Erzeugnisse als Schönfelder Strickwolle eine Spezialität bilden. Unweit der Restauration befindet sich auch die Stammfabrik der bis 1903 bestandenen Firma Aug. Tschinkel Söhne und zugleich der Ausgangspunkt der österreichischen Zichorienfabrikation, die hier von Aug. Tschinkel 1806 zur Zeit der Kontinentalsperre eingeführt wurde. Die seit dem Jahre 1862 daneben bestandene Chokoladenfabrik wurde 1889 nach Lobositz verlegt und mit der dortigen Zuckerwaren- und Kaffeesurrogatfabrik verbunden, wo sie heute noch als Eigentum einer Aktiengesellschaft im Betriebe steht. Auch eine Leimfabrik wurde vor einigen Jahren in Schönfeld errichtet.