Bei Hasel wurde am 19. Juli 1757, nach der Schlacht bei Kolin, ein Teil der auf dem Rückzug von Leipa über B. Kamnitz und Kreibitz nach Zittau befindlichen preußischen Armee, gegen 45000 Mann unter den Generälen v. Schmettau, Winterfeld, v. Seydlitz und dem Prinzen von Bayern, von österreichischen Kroaten und Hußaren unter General Beck, welche die Waldungen am Kaltenberg zur Sicherung der Paßstraße B. Kamnitz-Hasel-Kreibitz, sowie der Straße nach Niederkreibitz, welche über Kunersdorf den Westfuß des Berges umzieht, besetzt hielten, überfallen, und mußte nach langem, den ganzen Tag währendem, blutigem Gefechte einen großen Teil seiner Bagage- und Munitionswägen, sowie die mitgeführten Pontons im Stiche lassen. Der heftigste Kampf fand in der sog. »Dreh« zwischen Hasel und Kunersdorf, dann beim »grünen Kreuz« nächst Unterhasel, auf den Hasler »Felgen«, am Breitenberge, im blauen Meere, auf dem Klötzerplane, bei der Judenbrücke, in den Tschakert'schen Gräbern bei Kaltenbach und an noch andern Stellen, die von daher ihren Namen führen (Kriegerwiese, Preußenhau), statt. Beim Streurechen und Holzmachen fand man bis in die neueste Zeit Kugeln, Rüstzeug und Waffen, die zum Teil noch von Hasler Insassen verwahrt werden.
Noch eine kurze Wegstrecke und wir betreten den freien, mit Äckern und Wiesen bedeckten Sattel oberhalb des Dorfes; r. schaut der Auberg auf uns herab, l. erhebt sich noch beiläufig 150 m hoch der Kaltenberg; vom S. her grüßt aus dem Kamnitztale der steile, ruinengekrönte Schloßberg, dahinter erblicken wir die Steinschönauer Hochfläche, weiterhin den Geltsch und Berge des Mittelgebirges. Zur Spitze des Kaltenberges leitet eine originelle, von der Gebirgsvereinssektion Hasel 1887 bis 1890 geschaffene Weganlage, S-förmig, gepflastert, 2 m breit, deren Unbequemlichkeit, die besonders beim Abwärtsgehen trotz des an der steilsten Stelle angebrachten Geländers große Vorsicht erheischt, durch den prächtigen Laubwald ausgeglichen wird. Jedem Naturfreund, zumal dem Botaniker, muß das Herz aufgehen angesichts der Üppigkeit und Mannigfaltigkeit des Pflanzengewühls, womit der Boden des herrlichen Bergwaldes geziert ist. Abgesehen von verschiedenen seltenen Pflanzen, wie Cineraria sudetica Koch (Sudeten-Aschenkraut), Poa sudetica Haenke (Riesengebirgs-Rispengras), Veronica montana L. (Berg-Ehrenpreis), Arum maculatum L. (Geflecktblättrige Zehrwurz), Lunaria rediviva L. (Mondviole), Circaea alpina L. (Alpen-Hexenkraut), Ribes alpinum L. (Alpen-Johannisbeere), Lilium martagon L. (Türkenbund), Lycopodium annotinum L. (Sprossender Bärlapp) u. a., erscheinen viele bekannte Pflanzen, Vergißmeinnicht, Anemonen, Lungenkraut, Primel und Sauerklee in ganz auffälliger Größe und Farbenpracht. Unter dem Gestein finden sich zierliche Schnecken (Helix personata Lk., Clausilia laciniata). Ohne große Anstrengung ist die Spitze des Berges in 25 Min. von der Hochmatte ab erreicht. Seine aus olivinreichem Basalt bestehende Kuppe bildet den Endpunkt und zugleich die höchste Erhebung (731 m) im Kreibitzer Gebirge, wie der westliche Flügel der zentralen Gruppe des Nordböhmischen Sandsteingebirges gewöhnlich genannt wird. Seiner hervorragenden Lage wegen diente der Berg, im Volksmunde »Kalenberg« geheißen, bei der einstigen Triangulierung Böhmens als Dreieckspunkt, wie ein noch vorhandener Stein mit der Inschrift: »Monumentum astronomico-geometricum« beweist. Auch zum Nummerngucken diente er. Im J. 1854 ließ der Grundherr Fürst Ferd. Kinsky auf dem Gipfel, damals nach ihm »Fürst Ferdinand-Stein« benannt, einen hölzernen Aussichtsturm und eine fliegende Schankwirtschaft daneben errichten und einen Weg von Kaltenbach, bzw. von Dittersbach her, der nahe dem Gipfel in den Kammweg einmündet und um 1890 von der Gebirgsvereinssektion Kaltenbach um- und ausgebaut wurde, anlegen. Im J. 1865 mußte der baufällige Turm wieder abgetragen werden; es war dies, abgesehen von dem 1825 errichteten Josefsturm auf dem Schöninger im Böhmerwalde, der erste Aussichtsturm in Böhmen. Am 15. Juli 1888 wurde dann neuerdings ein Aussichtsturm (Eintritt 20 h) der öffentlichen Benützung übergeben, den der Gebirgsverein für die böhmische Schweiz um den Kostenbetrag von mehr als 6000 K aufstellen ließ. Er stellt ein pyramidenförmiges Eisengerüst dar, ruht auf 80 cm hohem Steinsockel, hat eine Höhe von 16·3 m und ist über eine Wendeltreppe in 7 Windungen mit 92 Stufen ersteiglich; die Plattform faßt 25 Personen. Neben dem Turme wurde durch den Fürsten Ferdinand Kinsky ein schönes Blockhaus für Gastwirtschaft und Fremdenbeherbergung mit einem Kostenaufwande von mehr als 4000 K errichtet und am 14. Mai 1893 eröffnet. Einer der im Freien stehenden, aus einem einzigen Baumdurchschnitte bestehenden Tische läßt auf die Mächtigkeit der hier gedeihenden Riesenbäume, von denen schon mancher berühmt geworden ist, schließen. Prächtig schmeckt ein Trunk kühlen Kamnitzer Bieres im Schatten des rauschenden Bergwaldes, an den sich so manche Sage knüpft: vom Bier aus einer angebohrten Buche, mit dem ein reisender Handwerksbursche die Holzarbeiter labte; von dem Holzhauer, der im Walde immer trockenes Brod aß und sich dann aus seiner Axt, die er in einen Stock schlug, Milch in einen darunter stehenden Topf laufen ließ; von dem Nachtjäger, der einem gewissen Prauschke erschien und ins Gesicht pfauchte, als sich dieser ein »Stiefkind« – den schwächeren von zwei Stämmen, die auf einem Stocke gewachsen sind – holen wollte; vom Salzborn, wo sich die Hasler ihren Salzbedarf geholt haben sollen, bis sich die Obrigkeit ins Mittel legte, u. a. m.
Die Aussicht vom Turme, auf welchem 1895 von der Sektion Hasel ein Panorama angebracht wurde, ist eine vielgerühmte; sie wetteifert mit der vom Hochwald, Lausche und Tannenberg. Während gegen O. und NW. große Waldgebiete sich ausbreiten, blickt man gegen N. und S. über zahlreiche zusammenhängende Ortschaften in schier unbegrenzte Weiten. Aus dem prächtigen Waldmeere der näheren und weiteren Umgebung erheben sich Dutzende von Bergen, in mehrfachen Reihen hinter einander malerisch gruppiert, jeder in seiner Form eigenartig, die meisten bewaldet, viele als kahle dunkle Felsen und Zacken hineingereckt in den blauen Himmel.
N.: Über Niederkreibitz zeigt sich l. vom Irig hinter der Daubitzer Kirche die betürmte Wolfsbergspitze und l. hinter ihr der Zeidler Plissenberg, Pirsken und Botzen hinter einander; über den Irig hinaus der Czornebog. An Niederkreibitz r. anschließend Stadt Kreibitz, dahinter Teichstatt mit dem Bernsdorfer Teiche und darüber hinaus der betürmte Kottmar, hinter welchem r. die Landeskrone den Horizont besäumt. NO.: Vorn die beiden Himpelberge, dahinter Oberkreibitz vor dem Plissenberge, r. hinter diesem die Schönborner Höhe mit der Lichtenberger Windmühle, noch weiter zurück die Burgsbergwarte bei Warnsdorf, der Warnsdorfer und Oderwitzer Spitzberg; r. hinter dem schwarzen Himpelberge der betürmte Tannenberg über dem kl. Schöber. O.: Vorn der kl. Ahrenberg, l. dahinter der Schindelhengst, l. hinter diesem der kl. und gr. Eibenberg, über letzterem die Finkenkoppe und ober dieser der Gipfel der Lausche mit der Bergwirtschaft; r. am kl. Ahrenberge der Auberg, zwischen beiden hindurch der gr. Ahrenberg, l. hinter diesem der Hackelsberg und hinter diesem, über dem Sattel von Antonienhöhe der betürmte Hochwald; draußen im Hintergrunde l. das Isergebirge mit der Tafelfichte, r. Höhen des Riesengebirges (Kesselkoppe, hohes Rad), davor die Jeschkenkoppe. SO.: Vorn der Goldberg, zwischen ihm und dem Auberge das Hillemühltal, darüber die Falkenauer Berge mit dem spitzen Kleis vor dem Roll, und den Bösigen, zwischen welchen beiden im Hintergrunde die zweizackige Trosky-Ruine erscheint; gerade über dem Goldberge, im Sattel von Parchen, der betürmte Spitzberg bei Leipa; r. vom Goldberge der Mittenberg bei Preschkau und der Steinschönauer Berg, r. hinter diesem Steinschönau und in derselben Richtung Ruine Altperstein hinter dem Maschwitzer Berge. S.: Der Koselrücken, dahinter der Wilsch und r. an ihm in weiter Ferne der Prager Laurenzibergturm; r. vom Wilsch der ruinengekrönte Ronberg hinter dem Kamnitzer Schloßberge. SW.: der Geltsch (Richtung Nolde-B. Kamnitz-Sattelberg), Hasenburg bei Lobositz, Zinkenstein, Lobosch (hinter dem Ziegenrücken bei Bensen), hohe Wostrai und die Höhen bei Nemschen (jenseits der Hortauer Höhen), im Hintergrunde der Donnersberg, näher die Doberner Höhe mit Parlosa (über dem Rabsteiner Stationsgebäude jenseits des Himmertschberges) und die betürmte Kolmer Scheibe, im Vordergrunde der Ottenberg, hinter ihm draußen die Wand des Erzgebirges bis zum Schönwalder Spitzberg, der hinter dem vorliegenden Schneeberge (Turm) noch sichtbar ist. Diesem ist im W. vorgeschoben der betürmte Rosenberg; hinter diesem zeigen sich die Höhen von Gottleuba, näher und hinter einander gestellt Zirkelstein, Kuppelberge, Pabststein und Königstein, sodann Kaiserkrone und Lilienstein, anschließend der gr. Winterberg (Turm). NW.: Zu Füßen Dorf Kaltenbach, darüber Rennersdorf mit dem Kreuzberge, dahinter der Dittersbacher Felsenkessel; hinter der Kirche von Dittersbach der Rauschenberg, das Prebischtor und noch weiter das alte Schloß Stolpen r. vom Waizdorfer und Gickelsberge jenseits Schandau, weiter r. der betürmte Unger, Tanzplan (Turm), Valtenberg (Turm), Botzen, Zeidler Plissenberg und Pirsken.
Höchst lehrreich ist die Rundsicht für den Gesteinskundigen. Nach N., O. und S. überlagern den Sandstein mächtige Decken aus Basalt und Klingstein mit zahlreich aufsitzenden Domen, Kuppen und Hörnern. Sie schützen den leicht zerstörbaren Sandstein vor dem Einflusse der Erosionskräfte und bewahren ihn vor der Abtragung, so daß er nur an den Talseiten angeschnitten werden konnte und diese mit den charakteristischen Wollsackformen ziert. Im W. fehlte das vulkanische Riesenkonservierungsmittel, und der Quader mußte bis auf den Rest, der gegenwärtig die böhmisch-sächsische Schweiz bildet, der Erosion und Denutation anheimfallen.
So lehrreich aber in der Regel Rundsichten für die topographischen Verhältnisse sind, so selten geben sie eine derartige ästhetische Befriedigung, wie vereinzelte malerische Ausblicke. Wer letztere am Kaltenberge sucht, muß sich beim Abstiege nach einigen Schritten r. dem oberen Rande der vom Wege aus sichtbaren Brockhalde zuwenden. Von hier aus, wie von verschiedenen anderen Punkten der riesigen Schutthalden am Südhang des Berges findet der Wanderer herrliche Ausblicke, zu denen das wirre Steinmeer mit uralten, zerzausten Wettertannen einen recht wirksamen Vordergrund bildet.
Wer hier die Kammtour unterbrechen will, hat die Wahl zwischen den Bahnstationen Hillemühl (1¼ Std.) und B. Kamnitz (1¾ Std.). In letzterer Stadt, die des Sehenswerten viel bietet, befindet sich eine Sektion des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge.
Kaltenberg-Rosenberg (5 Std.).
Der Abstieg vom Kaltenberge geschieht auf demselben Wege wie der Aufstieg, bis zum Gasthause »zum Kaltenberg« in Oberhasel (20 Min.).