Wir wenden uns vom Kreuze ab auf der Straße im scharfen Winkel nach l. Vor uns haben wir den Rosenberg, zur Linken den Otten- und Kaltenberg, r. den Donsberg und rückwärts die Dittersbacher Felsen. Nach 5 Min. geht es in hochstämmigem Walde abwärts, aber schon nach 2 Min. verlassen wir die nach l. ausbiegende und über Ober-Schemmel nach Windischkamnitz führende Straße, dort wo r. an einer Kiefer ein Marienbild hängt und l. wiederum zwei solche wunderliche Sandsteinblöcke, wie bei der Grieselmühle, liegen. Über eine Wiese mit einer Ursprungsader des Bielebaches, dann am Walde (l.) entlang, der nach 1 Min. bei einem neuen Marienbilde an einer Kiefer endet; r. vom Rosenberge kam Hohenleipa mit dem Schloßberge in Sicht. Nun zwischen Feldern 3 Min. aufwärts auf die Schemmler Folgen, eine bebaute Hochfläche von 270–280 m Seehöhe mit herrlichen Ausblicken auf die Berge und Felsen der böhmischen Schweiz zwischen dem Rosenberge im Westen und dem Kaltenberge im Osten. Nach 2 Min. trifft man l. am Wege das Schemmler Grieselkreuz, das 1795 errichtet wurde und auf einem Sandsteinsockel eine Kreuzesgruppe (Maria und Magdalena unter dem Kreuze) trägt. L. unten sieht man die von einer malerisch-zerklüfteten Sandsteinfelsenkette besäumte Bezirksstraße, darüber den Kaltenberg; r. bleibt der Bielborn, wo die kleine Biele entspringt, die in die große Biele zwischen Dittersbach und Grundmühle mündet. Nach 4 Min. kommt man zu der 1788 errichteten Folgenkapelle neben 4 Häusern, die nach Schemmel, d. i. zu den Schemmler »Folgen« gehören – eine Benennung, die schon im 16. Jahrhunderte gebräuchlich war und mit Hutweide gleichbedeutend gewesen sein dürfte.

Zwischen dem zweiten Hause und der dazu gehörigen Scheuer geht unser Weg, unmittelbar vor einem Teichel, hindurch; zur Linken haben wir den Huttenberg jenseits Schemmel, dessen Häuser nun unten an Bach und Straße höchst malerisch sichtbar werden. Durch einen Hohlweg geht es abwärts gegen das Dorf zu; wir kreuzen oberhalb desselben bei einer Scheuer (l.) einen aus dem Dorfe heraufkommenden Fahrweg und folgen einem Wegweiser »Zur Kahnfahrt« einen steilen Fußpfad hinab in ein Gründel, nach dessen Durchquerung wir nach 5 Min. einen Fahrweg durch ein Wäldchen hinaufsteigen, um gleich darauf unter zeitweisen Ausblicken l. auf die Dorfhäuser, durch einen Hohlweg wieder abwärts zu wandern und nach 3 Min. beim Gasthause »zur Eiche« gegenüber der Grieselbrettmühle in Niederschemmel die Dorfstraße zu erreichen. Das alte Bauerndorf Schemmel zieht sich mit seinen 100 Häusern von 213 m Seehöhe zu beiden Seiten des Kreibitzbaches gegen Windischkamnitz herab und wird nur zum Teil von der dahin führenden Bezirksstraße berührt.

Schemmel besitzt eine besondere Merkwürdigkeit in seiner mitten zwischen den Häusern gelegenen Felsenkapelle, die äußerlich einem natürlichen, von Regen und Wetter zernagten Sandsteinblocke so täuschend ähnlich sieht, daß nur an Tür und Fensterchen die Spuren der Menschenhand wahrzunehmen sind, welche die sehenswerte Betstätte in den lebendigen Felsen gehauen hat. Der Innenraum ist 12 bis 16 Schritte lang und so breit, daß zwei Bankreihen, jede mit fünf Bänken, darin Platz haben und noch reichlich Raum für den ansehnlichen Hochaltar verbleibt.

Unser weiterer Weg wendet sich bei dem genannten Gasthause r. zwischen den Häusern am Mühlbache, der zur Linken bleibt, entlang, den Rosenberg vorn, den Ottenberg im Rücken. Nach 8 Min. sind wir beim letzten Hause von Schemmel, in weiteren 7 Min. – eine Stunde von der Grieselmühle – zwischen Mühlbach und felsenbesäumter Waldlehne, beim ersten Hause von Nieder-Windischkamnitz, einer Brettmühle; das alte und große Pfarrdorf Windischkamnitz (200 Häuser) zieht sich zur Linken, in gleicher Seehöhe wie Schemmel, am Kamnitzbache und an der Bezirksstraße in einem felsenbesäumten Wiesentale 45 Min. lang hin, von wo dann durch das angrenzende Jonsbach einerseits B. Kamnitz in 1 Stunde, andererseits die Bahnstation Rabstein in 30 Min. zu erreichen ist; eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge befindet sich daselbst.

Von der Brettmühle führt r. der Weg zwischen Gärten zum Gasthause der Frau Fiedler nächst der Einmündung des Kreibitzbaches in den Kamnitzbach, wo die 1881 eingerichtete Kahnfahrt durch die Ferdinandsklamm auf dem ungestauten Gewässer des Kamnitzbaches, eine der hervorragendsten Partien des Kammweges, beginnt. Es sind Boote verschiedener Größe zur Verfügung; das Fahrgeld für eine Person beträgt eine Krone. Gleich unterhalb der Boothaltestelle verengt sich das Tal und hohe Felswände besäumen die Ufer, so daß oft auf große Strecken jeder Weg längs derselben versperrt ist. Die Boote gleiten bald pfeilschnell durch Strudel, bald langsam schaukelnd über flache Stellen talwärts, hier an Klippen vorüber, dort schneeweiß blühende Massen von flutendem Hahnenfuß (Ranunculus fluitans Lamk.) durchschneidend, mitten durch die seltsam geformten, moos- und baumbewachsenen Felswände hindurch, die bald hart an das Wasser herantreten, wie der tief unterwaschene Teufenstein, der Kreuzstein und der Hiekschenstein l. und die senkrecht abfallende Dostwand r., bald zu Talkesseln sich erweitern, wie die schwarze Teufe, wo aus dem vollständig ruhigen, dunklen Gewässer kulissenartig aufragende Felseninseln sich spiegeln. Weiterhin schließt sich l. eine Art Felsenfestung an, der kleine Oybin, mit hoch und gewaltig gegen Himmel starrendem Gesteine. Eine Felsenpyramide r., deren Spitze eine Kiefer trägt, steht an der Eingangspforte in den Talkessel der Grundmühle. Unter der Grundmühlbrücke hindurch, über der im Felsen die Inschrift »Z. G. 1734« zu lesen ist, an der Mündung des Bielebaches (r.) vorüber, landen wir nach 30 Min. gegenüber der Mühle oberhalb eines Wehres, schreiten am r. Bach-Ufer unter Benützung von in den Felsen gehauenen Stufen auf einem schmalen Pfade bis zu einem hohen Holzstege unterhalb des Wehres und auf jenem hinüber zur Grundmühle, einer zu Kamnitzleiten gehörigen, schon im 16. Jahrh. urkundlich erwähnten, einschichtig gelegenen Mahlmühle, einem wahren touristischen Kleinode. Das jetzige Mühlgebäude ist 1727, die alte nun aufgelassene Branntweinbrennerei 1814 erbaut. In Beziehung auf die Holzflößerei, woran noch alte Balkenlöcher und auch zwei wirkliche, von einer alten Holzschleuse herrührende Balken erinnern, spielte die Grundmühle Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle. Seit 1888 ist mit der Mühle das Schankrecht verbunden; gegenwärtiger Besitzer seit 1891 ist Franz Pohl.

Der kleine Oybin, unterhalb welchem die Grundmühle liegt, ist ein bewaldeter, etwa 80 m hoher, isolierter Felsblock von glockenförmiger Gestalt, der nach Bau und landschaftlicher Bedeutung an den Oybin bei Zittau erinnert, daher sein Name. Er läßt sich in halber Höhe umwandern und bietet teils auf das untenliegende Kamnitztal, teils auf die umliegenden Höhen, vor allem auf die gewaltige Kuppe des benachbarten Rosenberges, hübsche Ausblicke.

Bei der Grundmühle zweigt um den kl. Oybin herum nach Osten ein entzückend schöner, waldbesäumter Touristenweg längs des Bielebaches in 1 Stunde nach Dittersbach, ein steil aufsteigender Fahrweg westlich neben dem Mühlgrunde, wo 1896 die Sektion Windischkamnitz das »Kriegshäuschen« zugänglich machte und auf dessen Kuppe eine Schutzhütte errichtete, in 20 Min. hinauf nach Kamnitzleiten. Unser Kammweg aber geht über den hohen Steg wieder zurück aufs rechte Bach-Ufer und bachabwärts l. in 10 Min. auf einem lauschigen, 1879 vom Fürsten Clary angelegten Steige zwischen Wald und Fels bis zur Kirchgrundbrücke, wo r. der von der Sektion Hohenleipa bequem erhaltene Kirchgrundsteig in 15 Min. steil nach Hohenleipa hinaufführt.

Hohenleipa ist ein altes Bauerndorf, das mit seinen 112 Häusern zerstreut um die nach Herrnskretschen (2 Std.) und Dittersbach (30 Min.) führende Bezirksstraße und um den 387 m hohen Schloßberg aussichtsreich im Bereiche der böhmischen Schweiz gelegen ist und sich seit einer Reihe von Jahren zu einer beliebten Sommerfrische aufgeschwungen hat; eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz und eine Studentenherberge befinden sich daselbst.

Die mehr als stundenlange Strecke des Kamnitzbachtales von der Kirchgrundbrücke abwärts bis zum Anfange der erschlossenen »Wilden Klamm« im Soorgrunde ist nur in ihrem Anfangsteile, im »breiten Grunde«, auf einem, von der Sektion Hohenleipa in Stand gehaltenen schmalen Pfade bis zur »hohen Wand« begehbar, einer glatten Felswand mit überhängendem Gestein jenseits der hohlen Teufe – auch »Hölle« oder »Höllenteufe« genannt, – einem natürlichen, etwa 50 Schritte langen, durch Loslösung eines Felsüberhanges gebildeten und künstlich erweiterten Tunnel, durch welchen sich Bach und Weg hindurchzwängen. Hinter der »hohen Wand« ist bald jedes Vordringen unmöglich. Im Jahre 1888 war auch die Kahnfahrt von der Grundmühle abwärts bis zum »breiten Grunde« in Betrieb gesetzt worden; doch entstanden infolge der Hochwässer im Jahre 1897 derart unüberwindliche Hindernisse, daß dieselbe wieder eingestellt werden mußte.

Wir überschreiten die Kirchgrundbrücke, die tiefste Stelle des ganzen Kammweges, und steigen durch den von himmelhohen Felsen besäumten schluchtartigen Kirchgrund auf einem, 1901 von der Sektion Rosendorf neu angelegten Wege in 15 Min. hinauf nach Kamnitzleiten. Das alte, stille Bauerndorf liegt mit seinen 46 Häusern am Rande der wilden Kamnitzbach-Talschlucht, in welche man vom »Spitzen Stein« (338 m) beim letzten Hause westlich, dem Niederbauer, großartige Einblicke hat; die Sektion Rosendorf hat 1891 auf demselben ein eisernes Geländer angebracht. Von Kamnitzleiten führt der Kammweg südwestlich auf der 1886 neugebauten Rosendorfer Straße in 15 Min. zum Walde, wo wir l. von der Straße abbiegen und in 5 Min. auf die 1893 ausgebaute Straße, die von r. aus dem 15 Min. entfernten, alten Pfarrdorfe Rosendorf (300 Häuser, Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz mit Studentenherberge) heraufkommt, einmünden. Hier ist ein Schutzdach für Wagen und Pferde und hier trifft auch der Touristenweg von Tetschen her über Binsdorf ein. Wir überschreiten ein freies Plätzchen, ein Wieslein, welches zu Ehren des langjährigen Obmannes des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz, des Bürgerschuldirektors Robert Manzer »Manzer-Platz« benannt ist und von wo der 1882 angelegte angenehme und schattige »Manzer-Weg« nach Nieder-Windischkamnitz zur Kahnfahrt in 40 Min. l. hinabführt – beachtenswert für Jene, welche den Kammweg in umgekehrter Richtung begehen, da das Befahren des Kamnitzbaches nur abwärts gegen die Grundmühle, nicht aber aufwärts von der Grundmühle möglich ist.