An den Eislöchern – Klüften zwischen Basaltstein, wo auch im Sommer Eisbildung stattfindet – vorüber führt der 1883 angelegte, breite und sehr schattige Weg in 45 Min., anfänglich durch Fichten-, dann durch prächtigen Buchenwald, auf der Nordseite des Berges in vielfachen Windungen empor. Die gleich mächtigen Säulen emporstrebenden Buchenstämme tragen ihr grünes Dach in schöner Wölbung gleich einem gotischen Bauwerk, durch dessen, von einer befiederten Sängerschar belebtes Laubwerk die Strahlen der Sonne wie durch bunte Kirchenfenster auf das üppig sprossende Unterholz hindurch zittern. L. unterhalb des Gipfels nimmt der Weg einen von Windischkamnitz heraufkommenden, 1889 von der Sektion Windischkamnitz angelegten und 1898 teilweise umgelegten Touristenweg auf. Ganz nahe dem Gipfel hat man auf einem Austritte einen prächtigen Blick auf Dittersbach, dahinter auf Rennersdorf und Kreibitz.
Der Rosenberg, eine malerische Zierde und ein vielbesuchter Zentralpunkt der böhmischen Schweiz, erhebt sich 616 m hoch mitten aus der ausgedehnten Sandstein-Hochfläche von Binsdorf, dieselbe beiläufig 280 m überragend. Er besteht aus Basalt, der teils in zahlreichen Trümmern die steilen Hänge bedeckt, teils hie und da – wie nordöstlich am Gipfel und beim Eisborne am Südost-Abhange – in fünf- und sechsseitigen Säulen ansteht; der Basaltstock am Gipfel fällt dadurch auf, daß er zu einem prächtigen Ruheplätzchen hergerichtet ist. Der vom Basalt durchbrochene Sandstein bildet an der Nordseite eine steile Terrasse. Von weit und breit sieht man die formenschöne, stumpf-kegelförmige Kuppe des Berges, der die ganze Gegend beherrscht, und der auch im Volksglauben und in der Volkssage von altersher eine große Rolle spielt: man erzählt von einer Kapelle auf dem Gipfel, die 1326 durch ein Erdbeben vernichtet worden sein soll; mehrere Sagen knüpfen sich an eine andere Kapelle, die beim »guten Born« gestanden sein soll und von welcher man noch jetzt die Stufen sieht; im Altargründel auf der Südseite hielten die Christen zur Zeit einer Verfolgung ihren Gottesdienst unter einer Buche ab. Man nennt den Berg geradezu den nordböhmischen Olymp, wo Teut, der Stammvater der Deutschen Böhmens, von seinem jüngsten Sohne und dessen Familie Abschied nahm, und will seinen Namen von »Asenberg« (Götterberg) herleiten; nach einer anderen Vermutung stammt der Name von dem keltischen Worte »ros«, das etwas Hervorragendes bedeutet. Welchen Eindruck der mächtige Waldberg auf den Beschauer hervorzubringen vermag, hat seinerzeit Theodor Körner mit den Worten geschildert: »Es ist in seiner Form und seinem Kolorit so was Herzliches, Treues, Blühendes, daß ich mich ungern von ihm trennte.« Sein basaltischer, buchenbeschatteter Boden beherbergt eine üppige Pflanzenfülle, die nicht nur dem Kräutersammler reichliche Ausbeute bietet, sondern auch den Botaniker von Fach nicht unbefriedigt läßt. Derselbe findet hier als besondere Seltenheiten einen Schildfarn (Aspidium Braunii Spenn.) und ein Rispengras (Poa pratensis L. var. anceps). Von sonstigen Gewächsen seien erwähnt: Berg-Ehrenpreis (Veronica montana L.), Wald- und Springschaumkraut (Cardamine silvatica Link und impatiens L.), zwiebeltragende und neunblättrige Zahnwurz (Dentaria bulbifera L. und enneaphylla L.), Dreifaltigkeitsblümchen (Trientalis europaea L.), Waldwicke und Wald-Platterbse (Vicia silvatica L. und Lathyrus silvestris L.), knollige Walderbse (Orobus tuberosus L.), Heckenknöterich (Polygonum dumetorum L.), großes, mittleres und Alpen-Hexenkraut (Circaea lutetiana L., intermedia Ehrh. und alpina L.), süße Wolfsmilch (Euphorbia dulcis L.), bunte Hanfnessel (Galeopsis versicolor Curt), Sanikel (Sanicula europaea L.), Christofskraut (Actaea spicata L.), Haargras (Elymus europaeus L.), Waldhirse (Milium effusum L.), einblütiges Perlgras (Melica uniflora Retz.), traubiger Hollunder (Sambucus racemosus L.) und Alpen-Johannesbeere (Ribes alpinum L.).
Auf der von hundertjährigem Laubwalde hoch überragten Gipfelwiese, wo 1808 die Regierung eine Beobachtungsstation, eine sogenannte »Larumstange«, errichtet hatte, hatte der Besitzer der Herrschaft Binsdorf, wozu der Rosenberg gehört, Fürst Edmund Clary-Aldringen, in seiner bekannten Touristenfreundlichkeit einen, mit seinem Wappen gezierten, 14 m hohen und in sechs Stockwerke abgeteilten hölzernen Aussichtsturm auf einem 2 m hohen steinernen, unterkellerten Unterbau errichten lassen, dessen Eröffnung am 29. Mai 1881 stattfand. Er wurde 1891 vom Blitze beschädigt und, da er ohnedies keine volle Rundsicht bot, durch einen um 10 m höheren ersetzt, der am 4. Juli 1893 eröffnet wurde. Dieser wiederum wurde am 3. Mai 1903 vom Sturme umgeworfen, und an seiner Stelle vom gegenwärtigen Herrschaftsbesitzer Fürsten Carlos Clary ein dritter, 18 m hoch und abermals aus Holz, errichtet, der am 22. Mai 1904 dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde (Eintritt 30 h). Neben demselben steht eine am 4. Mai 1890 eröffnete, ebenfalls vom Herrschaftsbesitzer erbaute, überaus freundliche Gastwirtschaft (Blockhaus) mit Fremdenzimmern und nach Süd – der einzigen Richtung, wohin vom Gipfel des Berges selbst ein Ausblick ermöglicht ist – gelegener Veranda; die Räumlichkeiten für Küche u. dgl. befinden sich daneben in dem 1882 erbauten, ursprünglich als Gastwirtschaft dienenden Holzgebäude.
Die Rundsicht vom Turme ist nur gegen Dittersbach zu durch die alten Buchen etwas eingeschränkt, ansonsten umfassend, der Eindruck ein großartiger; der Genuß ist erleichtert durch Richtungslinien, die vom Gebirgsvereine für die böhmische Schweiz auf der Brüstung angebracht sind.
Die nächste Umgebung in westlicher Richtung bildet die Hochebene von Binsdorf, Arnsdorf, Rosendorf und Johnsdorf, einer kolorierten Mappe gleichend, eingefaßt von den Waldungen bei Ohlisch, Heidenstein (Koppenberg), Binsdorf (Hainhübel m. Turm) und Elbleiten; dah. erheben sich die zahlreichen Höhen der böhmisch-sächsischen Schweiz: Schneeberg mit Turm (hinter Arnsdorf), gr. u. kl. Zschirnstein (hinter Rosendorf), Königstein hinter den Koppelbergen, Pabststein und Lilienstein vor den Bärensteinen, Zirkelstein und Kaiserkrone mit den Orten Schöna und Reinhartsdorf zwischen ihnen und der Bastei im Hintergrunde (hinter dem Rosendorfer Hutberge und Johnsdorf), die Postelwitzer Elbesteinbrüche und die Schrammsteine vor dem Brand, durchblicksweise die Höhen bei Pillnitz und die Türme von Dresden (zwischen König- und Lilienstein). Daran schließt sich nördlich der gr. Winterberg hinter den Silberwänden bei Herrnskretschen, das Prebischtor hinter Stimmersdorf, die Flügelwände mit Hochbuschkuppe (Turm) und Unger (Turm) im Hintergrunde, die Thorwalder Wände mit Valtenberg (Turm), Tanzplan (Turm) und Schweizerkrone im Hintergrunde. Nordöstlich sieht man Hohenleipa und Dittersbach, dahinter l. Botzen, Pirsken und Zeidler Plissenberg, r. Wolfsbergspitze (Turm) und Rauchberg (Turm), und zwischen beiden über den Häusern von Gärten den Jüttelberg bei Königswalde und den Czornebog (Turm) und im äußersten Hintergrunde die Landeskrone. Östlich hat man im Vordergrunde die hochgelegene Kirche von Windischkamnitz, dahinter den Huttenberg mit Schemmel, den kahlen Ottenberg, die Dörfer Limpach und Kaltenbach und den betürmten Kaltenberg mit anderen Kuppen des Kreibitzer Gebirges; l. davon Kreibitz, den Kreibitzer Plissenberg, Tannenberg (Turm) und Finkenkoppe. Ans Kreibitzer Gebirge schließt sich das Falkenauer, über welches der Kleis hereinblickt, dem wiederum r. der Jeschkenrücken mit der Koppe und l. Teile des Riesengebirges zum Hintergrunde dienen. Über Steinschönau und den kahlen Sattel von Parchen blicken hinter einander Kamnitzberg (Turm) und Roll, näher liegen Mittenberg, Steinschönauer Berg und Kamnitzer Schloßberg, vor letzterem die Stadt Kamnitz r. vom Schloßberge; r. von diesem dehnt sich der Forstberg, darüber liegt Ulrichstal und Meistersdorf mit dem Sustrich und der Scheibenkoppe (Turm) und weiter der Sonnebergrücken, hinter welchem die beiden Bösige (Burgturm) und die Berge bei Hirschberg und Hauska sichtbar sind. Südlich sieht man hinter einander die Fabriksschlote von Rabstein, Markersdorf (Kirche), den Freuden-, Schossen- und Hofberg, den Koselrücken und den breitkuppigen Wilschberg; weiter r. den Ronberg (Burgruine) hinter dem Hammerberg, den Mertendorfer Hutberg (Turm) mit dem Georgsberge (Kapelle) im Hintergrunde, die Hundorfer Beule, den Geltsch hinter den Häusern von Parlosa vorn und dem Kronhübel im Mittelgrunde, den Matrelig hinter der Kirche von Reichen, daneben den Zinkensteinrücken hinter Güntersdorf (Kirche) im Vordergrunde, endlich Poppenberg und Falkenberg hinter einander, dahinter l. Tannbusch und Kolmer Scheibe (Turm), und ganz hinten die hohe Wostrai, Tannbusch bei Nemschen, Kletschen und Milleschauer (Höhenwarte). Hier fällt der Blick über Losdorf im Vordergrunde südwestlich auf den Elbspiegel, den man vom Rosawitzer Hafen angefangen (Kirche) bis weit gegen Tichlowitz verfolgen kann; ihn besäumt r. das Siebengebirge, der Blankensteinrücken, die Höhe von Ohren zwischen Hopfenberg (Turm) l. und Pfaffenberg r.; im Hintergrunde streicht der Kamm des Erzgebirges, der sich von der Nollendorfer Höhe (Kapelle) über das Mückentürmchen bis in die Ossegger Gegend verfolgen läßt, mit Durchblicken gegen Altenberg und Geising i. S.
Den Abstieg vom Rosenberge kann man über Rosendorf und Johnsdorf direkt (1¾ Std.) oder auf dem Umwege durch die Edmundsklamm (2½ Std.) nach Herrnskretschen, bzw. zur Bahnstation Schöna nehmen, oder über die neue Welt und den Rosenkamm in 3 Stdn. nach Tetschen, oder endlich über Windischkamnitz zur Bahnstation Rabstein in 1½ Stunden; in den ersten beiden Fällen benutzt man denselben Weg zur Rückkehr bis zur Wegkreuzung bei den Eislöchern am nördlichen Fuße des Berges, im letzteren Falle zweigt man 4 Min. unter dem Gipfel nach r. ab.