Sie erließ Aufforderungen in die Blätter, sie ließ ihn suchen durch die Polizei und Privatdetektivs. Es half alles nichts, er blieb verschwunden. Niemand kannte seine Adresse, und man hörte nichts mehr von ihm.

Schließlich fuhr sie wieder ihrem Direktor nach und wurde der Stern der Truppe. Ein Schwarm junger Männer war um sie. Blumen und Schmucksachen flogen ihr zu. Sie verschenkte alles wieder. Mit kaltem Lächeln und brennendem Ekel. Zwei Monate lang lebte sie so und immer war der Direktor um sie herum und nannte sie seine Tochter. Er ließ sie nicht aus den Augen und lebte von ihr.

Da erhörte sie einen ihrer hündischen Anbeter, der ihr von Stadt zu Stadt gefolgt war, und verließ die Truppe.

Es war schon ein gereifter Mann, der irgend eine größere kaufmännische Position innehatte und in Petroleum spekulierte.

Sie täuschten sich ein gewisses Frühlingsglück vor und waren oft still und traurig.

Wenn sie Hand in Hand auf den Dünen entlang schritten oder den Rhein hinabfuhren, stiegen Erinnerungen in ihnen auf, und eine opferwillige Liebe ergriff ihn. Er sprach von dem Herbst seiner Liebe und der Hütte, die er errichten wolle, denn er hatte bei seinem gelegentlichen Umgange mit Künstlern sehr wohl auf deren Umgangsformen geachtet. Er traf Anstalten zum Ankauf eines Häuschens, das mitten im Walde gelegen war, und überhäufte sie mit Erbstücken von seiner Mutter und Großmutter.

Sie fühlte von alledem nichts. Sinnlichkeit raste in ihr und rüttelte. Wenn sie sich ihm gab, fühlte er eine bittere Trockenheit aufsteigen und prasselndes Feuer, das sich in den Leib fraß. Er wurde in den Taumel mit hineingerissen. Ein unendliches Mitleid quälte ihn, und in den Nächten der tiefsten Ermattung rang er mit dem Entschluß, alles von sich zu werfen und zu heiraten. Ihr Leben wurde immer trauriger und drückender. Er fürchtete für seine Liebe und bebte vor deren Ende. Er fühlte sich der Situation nicht mehr gewachsen. Die Hilflosigkeit verstärkte indessen noch seine Liebe, und er fand keinen Ausweg mehr.

Sie verlor allmählich ihre Sicherheit. Sie sträubte sich dagegen, als Heilige verehrt zu werden. Ein dämonischer Wille erfüllte sie, ihn darin zu erschüttern. Sie bot sich seinen Freunden an oder inszenierte auf der Straße einen Zank und schlug ihm den Hut vom Kopf. Sie wußte mit seiner Liebe nichts anzufangen und wollte sie nicht, nur Haß und Vernichtung.

Sie nahm Weiber zu sich, er sah nichts. Sie trug sich mit dem Gedanken, ihn zu vergiften, er achtete nicht darauf. Sie zeigte ihre Wirtin wegen Kuppelei an, er lächelte darüber.

Die ganze Stadt war voll von Gerüchten, und man riet ihm, sie aufzugeben. Aber in ihm lebte eine Hoffnung von einer über alles kostbar belohnten Mission, die ihn alles vergessen ließ.