Es war so schwer, wenn sie dann später zu ihm sprach, neben ihm ging, er erlebte jede Sekunde beider Zusammensein. Das Blut sehnte sich zu beiden. Ob er sich auch empörte, und wurde verschmäht und wandte sich gegen ihn daß er zitterte und zerriß.
Die Birken im Garten wußten darum.
Auch die Frau kam häufiger und küßte ihn. Auch sonstige Menschen von draußen kamen und sprachen zu ihm, Schmidt richtete sich langsam darin ein, wenngleich überlegener. Aber er dachte: die Frau soll gehen. Ich will aufmerken, daß ihr nichts fehlt, daß ich für sie da bin. Die Frau drängte ihn wieder zu sich. Sie war zu scheu, ihm aufzuzeigen, ob sie litt. Das Wesen der Frau war ihm so fremd. Er wollte ihr glauben und liebte sie.
Und zu verschweigen, daß er ins Bordell gegangen war in der Hoffnung, aufgeblättert zu werden, emporgerissen, endlich ein neuer Mensch, um enttäuscht wieder herauszulaufen, Gelächter hinter ihm.
So lebte Schmidt zwischen den Tagen aufblühender Klarheit. Aber es fügte sich so, daß Schmidt, als er viel später eines Tages plötzlich auf die Straße entlassen wurde und an der Seite der Frau zur Bahn ging durch ein hohes altertümliches Tor hindurch, an dem kunstvolle Schmiedearbeit besonders auffiel, fügte es sich, daß Schmidt alle äußere Sicherheit wieder verlor, die Kameraden, Kinder, Birken und den Rauch aus der kleinen Waldhütte.
Er erschrak vor den Menschen, die jetzt um ihn herum sein wollten. Sie waren so aufgequollen, grob-stier, eckig und zuckten wie Hampelmänner, waren wirklich so klobig, er ekelte sich und schrie verzweifelt in sich hinein. Die lächerliche Bahnfahrt.
Er schritt dann am Arm der Frau ihrer Wohnung zu. Sonne grinste herbstlich. Die Frau war mild befangen, zutunlich, zuweilen aufgeregt, sie störte nicht und bestärkte ihn. Er wird es nie merken, daß sie vielleicht für ihn in sich die Welt trägt. Aber Schmidt kriselte. Kruste auf Kruste fiel. Ein Leben umspannender Schrei dehnte sich, eine namenlose Furcht — er hörte die Menschen sprechen, als ob sie bellen, beißen werden — doch das Wunder hielt stand: er wußte, von ihm selbst wird’s abhängen. Sollte er auch allein sein — und hätte der Frau die Hand küssen wollen.
JEHAN
Jehan lebte zu der Zeit, als noch jeder ungerufen und ungestört darauf ausgehen konnte, die Welt zu erobern. Heut zwingt das die ganze Menschheit in den Einzelnen hinein und hängt sich mit ihrem ganzen Jammer dran.
Jehan war eigentlich ein Räuber, ein Kosak, ein Perser-Chan und ein mächtiger König aus dem Geschlecht der Timuriden. Die Schätze Indiens, von denen man als junger Mensch noch immer soviel hört, waren alle sein und noch mehr: die niedergehaltene Wucht der indischen Seele, daß jeder von der Glut seines Glaubens entflammt gegen die Sonne lodert, als ginge die Menschen endlich einmal die Weltordnung überhaupt nichts mehr an — am Ganges oder sonst irgendwo, Gebetschnüre, Betel, Augenverdreher, die sich Dolche durchs Hirn stoßen für irgendwelchen Zweck — das alles war sein und murmelte zu ihm hinauf. Natürlich war Jehan damit nicht so recht einverstanden.