»Und was ist schließlich, es war ja nicht so schlimm, du hättest zu mir kommen sollen.« Eine Flut widersprechender Gedanken stieg in ihm auf.

»Du hast mich gebeten, immer ganz offen zu sein. Ich habe in der ersten Minute unseres Zusammenseins gezittert, enttäusche mich nicht, nur du nicht, es tut mir so weh, aber ich habe das nicht gefunden, was ich suchte.«

»Was soll ich denn tun . . .« schrie er, brach ab und bereute seine Worte.

Sie sprach unbeirrt weiter: »Du hast mich immer allein gelassen. Du hast deine Freunde und deine Vergnügungen. Was habe ich, und ich habe dich so lieb . . .« Sie schwiegen wieder eine Zeitlang.

Die Stille des Zimmers und das gleichmäßige langsame Anklatschen der Regentropfen ließen ein Grauen entstehen, das riesengroß emporwuchs. Es war ein unförmiger Koloß, der lautlos und unabwendbar niederglitt. Es war, daß man lauscht nach dem Knistern der erwürgten Fleischmassen und den Splittern der zerriebenen Knochen, daß man sich sehnt nach Krachen und Getöse und man nichts hört. Es war, als ob ihre Körper sich in einem verzweifelten Grinsen schüttelten. Er fühlte: Vielleicht hat sie recht. Sie ist eine Spinne, ich verstehe es nicht — hat sie nach mir gefragt?

Sie saß ihm gegenüber wie festgebannt.

Sie starrte ihn unverwandt an. In seinen Blicken lag der Todesschrei eines Tieres.

GNADENREICHE, UNSERE KÖNIGIN

Tanzten schwarze Ringe.

Durch das Zittern in der Luft, daß alle Bäume sich hinaufrecken und die Knospen springen, geht die Frau. Verwachsen mit dem dampfenden Boden, ein flimmernder Kelch. Die Sonne treibt vorwärts, die Trambahn hält. Eigentlich hat sie gesagt, sie wird bald zurückkommen. Die Trambahn fahrt. Die Frau trägt Bücher im Arm. Auch Briefe: Ich denke immer an dich, ich bin hineingewachsen — schrieb sie vor Jahren. Ihre Briefe. Aber der andere wartet. Auch der eine. Sie fröstelt. Sie rückt hin und her. Sie schaut über die goldenen Häuser auf die Wipfel, die sich im weiten Blau schaukeln. Morgen werd ich’s ihm sagen. Er wird sie durchdringend ansehen. Sie ist als Kind die Straße hastig auf und ab gegangen. Der andere fürchtet sich sehr. Er schweigt, wenn sie nur den Namen nennt. Er wird traurig, sieht sie hilflos an. Er fragt, weiß er denn, daß du bei mir bist? Aber es ist etwas an ihm, das sich schnell verkriechen möchte. Sie kann ihm nicht antworten. Oder sie muß lügen. Sie wird ihn allmählich aufblättern. Er soll alle Wärme und Schönheit haben, daß er zu ihm und ihr hinauf gedeihen mag. Er trägt seine hohe Stirn gegen das Gesindel. Vielleicht, daß er noch gegen diese Welt streitet. Und siegen wird, ohne sich umzusehen. Ihm ein Kamerad werden. Sie hob mit einem Ruck ihren Kopf. Sie wurde rot. Wollte sich umwenden. Befreit aufatmen. Vielleicht laut sprechen. Aber sie merkte, daß alle Leute sie haßten. Um so besser.