Schmidt fragt: Wie denn — raus — mein Kopf tut mir so weh. Verzieht das Gesicht zum Weinen. Die beiden neuen Wärter kennen ihn noch nicht und tuscheln.

Es wird jetzt gekehrt, gewischt, Eimerklappern. Die Fenster sind aufgerissen. Es scheint, als ob die Eisenstäbe in der Sonne glitzern wollen.

Dann erinnert sich Schmidt, daß er einen Hammer sich vor den Kopf geschlagen hat. Er erzählt, daß er einmal sich halb die Zunge abgebissen hat. Er macht eine gute Figur, früher trug er schwarzen Bart, die Haare etwas wirr. Er hat sehr viel in seinem Leben studiert. Allerdings ist er unter gewissen Voraussetzungen bereit, heute mit Erb gleich wieder wegzugehen, er trinkt indessen keinen Schnaps. Erb würde Wein trinken. Beide sind schließlich vergnügt.

Der Wärter denkt, es ist ekelhaft hier drin. Man sitzt und sitzt. Die Toilette, die zwischen den beiden Sälen eingebaut ist, stinkt. Er kocht vor Wut. Was? Ach so, austreten. Die Wände des Kastens werden heruntergelassen. Los! Der schiebt sich den Gang entlang. Der Kollege im anderen Saal erzählt sich was mit seinen Leuten.

Wenn Frühling ist, singen draußen die Vögel. Einige dürfen aufstehen und sitzen an ihrem Bett. Schmidt denkt, ob er hier von seiner Frau erzählen soll, vielleicht wissen die was? — Ob sie den Erb wirklich kennt — manches stimmt ja. Schönauer liegt dem Schmidt gerade gegenüber. Er soll in Paris Ringkämpfer gewesen sein. Schmidt denkt nach. Er weiß nicht, ob seine Frau solche Muskelmenschen mag. Schmidt quält sich. Er gibt dem Erb keine Antwort.

Der Oberwärter flitzt durch die Säle. Alle sind einen Augenblick in gehobener Stimmung. Schmidt fühlt ein ungeheures Loch in seiner Seele, das immer weiter noch reißt. Und doch glaubt er nicht an Gott. Genossen, möchte er losheulen. Ich weiß nicht, was das für Leute sind. Einer heißt Draqua, einer Schubert. Die Frau, die Frau, sie spricht mit allen Menschen. Er kann sich nichts wegseufzen.

Während alle aufhorchen, die Becher werden aufs Brett gestellt, man hört schon Tritte, ein hübsch aufgeputztes Mädchen schleppt das Tablett, einer nimmt Becher für Becher ab, Brot mit rotem Mus, die Uhr geht ganz genau, selbst der Wärter ißt Brot, das Mädchen mit der weißen Schürze . . .

Ein Vergnügen, wie schnell die Tage vergehen. Mehr als jede Wohltat.

Schmidt lebt in seine Leute um ihn herum mehr hinein. Hört, daß einer, den er schon lange wegen seines gequälten Gesichtsausdrucks beobachtet, ein Ofensetzer ist. Zu dem kommt öfters eine Frau, setzt sich zu ihm, bringt Milch, Eier, Bonbons. Jedesmal dreht sich der Ofensetzer weg, wenn die Frau erscheint. Einmal begleitet sie ein junger schmächtiger Mann, vielleicht der Sohn, er steht verlegen am Bett herum, die Frau stopft dem Manne Eßwaren in den Mund. Der spuckt wütend alles aus. Die Frau ist fiebrig an der Arbeit. Der Mann hebt den Kopf der Hals quillt an, wird blutrot, er gurgelt etwas, dann kann er nicht mehr sprechen, hält den Arm weit weg. Der ganze Körper erstarrt. Die Frau dreht sich gekränkt zum Wärter um. Der Ofensetzer möchte hinausgehen, schreitet durch den Gang, bis er gefaßt und ins Bett geworfen wird. Die Wärter schreien, das Aas führt uns an. Die anderen sagen: wenn einer geht, soll man ihn gehen lassen. Einige lachen aber, wenn er Prügel bekommt.

Es geschieht sonst nichts. Nr. 5 hat die Faust in den Vorhang gewickelt, schlägt die Fensterscheiben ein, geht dann langsam ins Bett zurück, lacht. Draußen scheint die Sonne. Eigentlich freuen sich alle, sprechen miteinander, fragen, warum denn eigentlich — nur die Wärter, der Vize, der Oberwärter — Erb freut sich kindisch. Prophezeit, es wird noch schlimmer kommen, das schlechte Essen muß herhalten, auch von draußen werden sie kommen. Zwei Stunden später ist völliger Aufruhr. In allen Stockwerken. In den anderen Häusern.