Schmidt aber dachte, ich habe ihr sehr weh getan. Ich habe sie irgendwo getroffen.
Dann begann er zu fiebern.
Es ist alles doch nicht so! Brüchig. Faulig. Bedreckt. Immer gefesselt, unlösbar verstrickt, angeschmiedet. Er fühlte sich das Maul aufreißen. Hinten im Kopf hing ein Grinsen: Vorsicht! Dann schlich er weiter. Pah. Die Frau. Soll sie sehen . . . ich will nicht mehr. Die andern! Aber es war keiner mehr da. Schmidt brach ganz zusammen. Er schlich im Gang herum, pickte an die Fensterscheiben. Dachte noch, es wird dunkel, man wird bald zur Nacht essen. Es quälte sich immer höher. Stand schließlich: Ich hab’ mich verschrieben, — ich muß folgen, demütig sein, ich muß . . . dann wollte er Tränen herauspressen, sich selbst beflecken, stellte Stationen auf, haßte sich, wollte sich an die Gurgel fahren, auf heulen — bald wird man mich rufen, ängstigt er sich — nein oder ja? Ja!
Er mußte lachen.
Er wurde dann gerufen.
Dann träumte er, schwer, interessiert, in Schweiß gebadet.
Er träumte voller Auf und Nieder. Versuche, Zusammenbrüche. Er träumte, träumte zäh und krallte sich am Bettpfosten fest. Noch, als man ihm Trional geben wollte, das er ausspie. Es nützte nichts, daß man gewaltsam die Zähne auseinanderbrachte.
Stotternd sagte er: Lassen Sie mich doch, ich bin gleich ganz ruhig. Der Oberwärter war geradezu erstaunt. Wollte nochmals zugreifen, ließ aber, während er schon fest den Kopf hielt, plötzlich ab. Er nahm das Glas und trug’s hinaus, ohne dem Aufsichtführenden noch ein Wort zu sagen. Draußen rollte die Bahn.
An einem der nächsten Morgen wurde Schmidt zum Doktor gerufen. Ein Schreiber saß da, mit aufgedunsenem Gesicht, Triefaugen, die Hand zitterte schrecklich, dann der Doktor, hinter einem Stoß Akten; auf einem Stuhl dicht an der Tür nahm Schmidt Platz.
Die Personalien — der Vater etc. Der Doktor horcht auf, der Schreiber schreibt auf einen Wink. »Und Sie?« »Nichts.« Schmidt gibt an: Nichts. Mutter lungenleidend. »Lieben Sie Ihre Mutter?« »Nein.« »Warum?« »Sie lügt.« Der Doktor rückt auf dem Sessel herum. Schmidt schweigt auf die nächste Frage.