Römische Rahmensäge um 250 nach Chr.
Bei den Sägen der Saalburg läßt sich deutlich nachweisen, daß die Sägezähne geschränkt wurden. An einem messerartigen Werkzeug der Saalburg findet sich nahe am Heft ein Einschnitt, der in seiner Weite und Tiefe den Einschnitten unserer Schränkeisen entspricht[20]. Man nimmt an, daß es sich um ein Schnitzmesser eines Tischlers handelt, der den Einschnitt zum Schränken der Sägen verwendete.
In den Pfahlbauten zu Wollishofen am Züricher See fand man ein Stück von einem Sägeblatt, das hinter einer Reihe von Zähnen eine eigenartige Strichteilung enthält. Es scheint so, als ob der Handwerker sich ehemals diese Teilung zuerst gemacht habe, um danach die Zähne in gleichen Abständen einfeilen zu können. Die Wiedergabe der Photographie (siehe unten) ist leider nicht so deutlich wie das Originalstück, das sich im römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz befindet.[21]
Fragment einer feinen Säge aus dem Pfahlbau zu Wollishofen am Züricher See.
Das römische Altertum kannte neben diesen verschiedenartig gezahnten Sägen für Holz die ungezahnte Säge für Stein. Plinius, der Verfasser der römischen Naturgeschichte, berichtet ums Jahr 77 unserer Zeitrechnung[22] über den Marmor: »das Schneiden geschieht durch Sand und nur scheinbar durch Eisen, denn die Säge drückt in sehr schmaler Linie auf den Sand, wälzt denselben durch Hin- und Hergehen, und schneidet so unmittelbar durch die Bewegung.« Das ist die gleiche Technik des Steinsägens, die wir noch heute ausführen.
Die großen Sklavenmassen des Altertums verrichteten alle, auch die schwierigsten und eintönigsten Arbeiten, und so kam es, daß die Maschine nur da einzugreifen brauchte, wo der Sklavenarm nicht zufassen konnte. Das Altertum kannte Windräder, Wasserräder und Göpel, aber es verwendete sie nur selten, weil Mühlen, Pumpen und andere Maschinen von Sklaven bewegt wurden.
Eine der wenigen Nachrichten über Wasserkraftanlagen des Altertums bezieht sich auf Sägemühlen. Der römische Dichter Ausonius besingt ums Jahr 369 n. Chr. in seinem Mosel-Gedicht (Vers 361) mit wenigen Worten, daß man an der Roer Steinsägen durch Wasserräder betreibe.