Zwei Sägen auf einem römischen Altarstein. Um 90 nach Chr.

Diese Nachricht von einem mechanischen Sägewerk bleibt aber lange vereinzelt.

Im Gotischen ist eine Benennung für das Sägewerkzeug nicht nachweisbar. Im Altnordischen heißt das Werkzeug »sog«, im Angelsächsischen »saga« und »sagu« und im Althochdeutschen schrieb man »saga« und »sega«. Moritz Heyne, der ausgezeichnete Kenner der deutschen Vergangenheit, glaubt[23], daß das alte, unvollkommene, heimische Sägewerkzeug, wie es uns aus Funden der Stein- und Bronzezeit bekannt ist, nach römischen Vorbildern in Deutschland zu einem leistungsfähigen Instrument für die Bauleute wurde. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen. Sie ist eine rein philologische. Wir wissen ja nicht einmal lückenlos, was die Römer an Sägen hatten. Ein paar Textstellen und die wenigen zufällig erhaltenen, hier auf [Seite 13] bis [19] abgebildeten großen Sägen sind uns bekannt. Jeder Tag kann uns einen neuen Fund, ein neues Relief bringen und uns mit neuen Formen bekannt machen. Alles, was wir heute über Geschichte der Technik schreiben, ist von dem zufällig erhaltenen Material abhängig und deshalb bin ich sehr vorsichtig, etwas Wahrscheinliches für etwas unbeugsam Sicheres auszugeben.

Neben dem gemeingermanischen Wort »saga« findet sich im Angelsächsischen auch die Bezeichnung »snîde«. Die Säge ist ethymologisch mit andern schneidenden Instrumenten verwandt. So heißt die Sense im Althochdeutschen »segansa«, die Pflugschar »seh«, die Sichel »sihhila« und das Messer »sahs«. Ursprünglich gehen diese Worte auf die lateinische Bezeichnung für »schneiden« = »secare« zurück. Bemerkenswert ist, daß man im Althochdeutschen unter einer Saga oder Sega auch eine Feile verstand.

Symbolische Säge, Malerei des 10. Jahrhunderts, aus einer Bibel zu Paris.

In einer lateinischen Bibel des 10. Jahrhunderts ist eine große Säge abgebildet, die einem Heiligen durch den Kopf gezogen wird. Die Zeichnung ist wohl ungenau, weil an dem Rahmen keine Spannung für das Sägeblatt zu sehen ist.[24].

Eine frühe mittelalterliche Malerei des Sägens findet sich in einer kostbaren Bilderhandschrift im Kloster Monte-Cassino in Italien. Die Handschrift ist im Jahre 1023 entstanden, enthält eine Übersicht über das menschliche Wissen und Können und ist mit vielen Malereien geziert. Wir sehen hier unten zwei Arbeiter, nach damaliger Sitte wenig bekleidet, beim Sägen. Das Bild gehört zum Abschnitt »Über den Marmor« und soll darstellen, wie eine Säule aus buntem Marmor in Platten zersägt wird. Wir sehen unten die hölzerne Befestigung der Säule, oben aber eine Rahmensäge, wie sie die Tischler benutzen[24a]. Der Maler hat nicht bedacht, daß man Steine mit einer ungezähnten Säge zerteilt.

Rahmensäge ohne drehbares Sägeblatt. Malerei aus dem Jahre 1023.